Spezial-Einheit Film-Feuerwehr – Schon vor dem Unfall vor Ort

Sie sind immer da wo es brennt – die Feuerwehrleute. Doch nicht nur bei Feuer rücken die Helfer aus. Auch bei Verkehrsunfällen, Tauchereinsätzen und dort wo „Regen“ gebraucht wird… Moment – hier kann nicht die Rede sein von einer „normalen“ Feuerwehr. Denn für Regen sind die hauptberuflichen oder ehrenamtlichen Helfer ja eigentlich nicht zuständig. Doch bei Film und Fernsehen sieht die Welt anders aus. Darum gibt es auch eine ganz spezielle Art von Feuerwehrleuten. Die Spezialisten von Fire & Rescue aus Remscheid werden eben nicht für das lokale Einsatzgeschehen alarmiert und gehören nicht dem vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz einer Kommune an. Nein, Uwe Markwardt und sein Team sind immer dann im Einsatz, wenn irgendwo eine Kamera läuft oder Scheinwerfer eine Szene in das richtige Licht rücken.

Seit über 13 Jahren ist der Feuerwehrmann im Einsatz für die Stuntabsicherung, zuständig für Brandschutz, technische Hilfeleistung und bei Wunsch des Regisseurs sogar für Regen-Szenen. „Wir bauen Wasserversorgungen auf, löschen brennende Autos in Sekunden mit Kohlendioxid-Löschern oder nehmen Ölflecken ohne Bindemittel auf. Hydraulik-Öl greift nämlich die Fahrbahn an. Das wusste ich vor dem Job hier auch noch nicht so genau“, sagt der 42-Jährige. Die Film-Feuerwehr arbeitet eben auf Anweisung der Wirtschaft und mit ihr zusammen. Die Einsatzorte: Irgendwo in Deutschland, immer dort, wo gerade ein Film gedreht wird. Heute wird auf der 2,3 Kilometer langen Autobahn mit Ein- und Ausfahrt, zwei zweispurigen Fahrbahnen und in der Mitte der 81 cm hohen Betonleitwand gedreht. Fiktion überall! Dieses Stück Autobahn startet und endet im Nichts – inmitten eines Industrieparks am Rande von Aldenhoven, 20 Kilometer von der holländischen Grenze entfernt in Nordrhein-Westfalen. Hier weisen aufgestellte Schilder schon einmal den Weg: Fünf Kilometer bis Köln. In Wahrheit liegt die Stadt jedoch über 70 Kilometer entfernt.

Die FTL ist eine Autobahn im Nirgendwo - gut für Dreharbeiten

Die FTL ist eine Autobahn im Nirgendwo - gut für Dreharbeiten

Seit dem Morgen wird auf der nachgebauten Autobahn, der FTL-Germany, wie die „Film + Test Location“ offiziell heißt, gedreht. Es ist „Europas größte Filmkulisse für High-Speed-Autobahnszenen“, so die Betreiber auf der Internetseite (www.ftl-germany.de). Tatsächlich finden hier nicht nur Dreharbeiten für „Alarm für Cobra 11“ statt. Auch Privatleute mieten den betonierten Traum jedes Höchstgeschwindigkeits-Junkies: „Hier werden ab und an Rennen gefahren, das ist unglaublich. Besser hier als auf den öffentlichen Straßen“, so ein Zaungast, der bei den Dreharbeiten zuschaut. Seitenstreifen, Nothaltebuchten und ein Parkplatz gehören zum Film-Set unter freiem Himmel. Es ist trocken, sehr windig und daher recht kalt. Zelte schützen Komparsen, Kameraleute und unzählige Mitarbeiter von mehreren Spezial-Effekte-Firmen. Eine kleine Stadt ist aufgebaut worden auf dem Gelände. Dann rollt es an, das ehemalige Hilfeleistungs-Löschfahrzeug (HLF) der Feuerwehr Bremen (Baujahr 1989), mit 1.600 Litern Wasser an Bord. Die Dreharbeiten können starten: „Das Fahrzeug wurde damals dort verkauft, dann kam es zu uns“, erzählt Markwardt. Auf ihn strömen sofort unterschiedlichste Menschen ein. Die Aufnahmeleiterin will schnell abklären, was heute anliegt und wo die Feuerwehr zu stehen hat. Der Leiter der Spezialeffekte und Stunts begrüßt ihn umarmend und schulterklopfend. Auch andere freuen sich nicht nur über die Anwesenheit des Feuerwehrmannes, sondern vor allem über die des Menschen Markwardt. Gemeinsam mit drei Kollegen ist er heute zum Set gefahren. Das Team wirkt wie eine große Familie – irgendwie. Doch es geht um Arbeit, denn auf dem Plan stehen mehrere Stunts. Darunter natürlich brennende und durch die Luft fliegende Autos: „Genau das ist unser Job! Wir arbeiten in den Filmbauten. Das ist eine ganz andere Welt. Wichtig ist uns aber nicht nur die Arbeit hinter den Kulissen, wir beraten auch und lesen Drehbücher. Uns ist es auch wichtig, dass die Feuerwehr vernünftig dargestellt wird.“ Doch heute geht es nur um die Arbeit am Set, nicht um die schriftlichen Vorbereitungen.

Sekunden nach dem Crash Haben Kameras alles aufgezeichnet

Sekunden nach dem Crash Haben Kameras alles aufgezeichnet

Etwa 80 Mitarbeiter sind immer wieder einmal für Markwardt und seinen Inhaber-Kollegen Dirk Hoffmann im Einsatz. „Uns ist eine solide Vorausbildung wichtig. Egal ob Berufs- oder Freiwilliger Feuerwehrmann, auch Werkfeuerwehrleute arbeiten für uns. Hauptsache sie sind mindestens Oberfeuerwehrmann und gerne Atemschutzgeräteträger.“ Während Markwardt erzählt, kommt es zum ersten Einsatz: „Wir müssen verlegen, sonst sind wir im Bild – und das wollen wir nicht.“ Heute sind vier Feuerwehrleute im Einsatz. Uwe Markwardt sitzt vorne rechts, hat als einziger eine Weste an: „Damit wissen die Kollegen vom Film gleich, wer Einsatzleiter ist“, erklärt der Feuerwehrmann und zeigt dann stolz das Löschfahrzeug: „Wir arbeiten hier in einer Scheinwelt. Aber mir ist wichtig, dass unser Fahrzeug dennoch voll ausgestattet und einsatzbereit ist. Natürlich haben wir einige Dinge an Bord, die andere Löschfahrzeuge nicht haben oder es fehlt hier etwas, was auf ein kommunales LF gehört. Aber sollten wir im Realfall einmal zu einer Einsatzstelle fahren, so können wir wirklich helfen!“ Denn um zu den unterschiedlichen Drehorten zu kommen, fahren die Feuerwehrleute von Remscheid aus nicht selten hunderte Kilometer. 25 Hupf-Schutzausrüstungen, 17 Helme, 12 Atemschutzgeräte (die jährlich geprüft werden müssen) nennt die Firma ihr Eigen. Dazu zwei Löschfahrzeuge, ein Mehrzweckfahrzeug sowie unzählige Kilometer Schlauchleitung, Strahlrohre und sogar ein Stromerzeuger mit Rettungsschere und Spreizer. „Viele Sachen haben wir nicht selber. Wenn sie aber gebraucht werden, können wir sie von Partnern besorgen“, sagt Markwardt. Ein eigenes Boot und speziell ausgebildete Feuerwehrtaucher sind auch bei ihm organisiert.

Vier Mann, vier Löscher - ein Pkw-Brand gelöscht in Sekunden

Vier Mann, vier Löscher - ein Pkw-Brand gelöscht in Sekunden

Der erste reale Einsatz auf dem abgesperrten Dreh-Gelände lässt dann auch an diesem Tage nicht lange auf sich warten: Eine präparierte Stretch-Limousine fliegt über ein Fahrzeug der Autobahnmeisterei und landet auf dem Dach. Mit viel Getöse, lautem Knall und Feuerwerk reichern die Macher der Spezialeffekte die Szene an. Wer das sieht, bekommt wirklich Angst vor Unfällen mit überhöhter Geschwindigkeit! Im Fahrzeug sitzt keine Puppe, sondern ein richtiger Mensch: „Irgendwer muss das Ding ja lenken!“ Kurz nach dem Crash krabbelt er aus dem auf dem Dach liegenden Unfallfahrzeug mit Überlänge und zeigt den Daumen nach oben. Erst beim dritten Hinsehen wird klar: Der Typ ist eine Frau und der Schnurrbart nur aufgemalt. Routiniert lobt Markwardt die Crew, er und sein Kollege sind zuvor aus einer Hecke gekrochen und zum Unfallort gelaufen. Über Funk wird das Löschfahrzeug dazugeordert, das sich weiter entfernt im Schatten der Kameras aufgestellt hatte. Nur zur Sicherheit. Passiert ist zwar viel – aber nichts, was nicht zuvor schon von der Filmcrew der Produktionsfirma action concept (www.actionconcept.de) geplant wurde. Doch dann wird es doch hektisch und aufregend. Die Kameraleute und Assistenten rennen zu kleinen schwarzen Kästen, die am Boden liegen und genau wie das Auto total demoliert sind. Aber auch hier gibt es schnell „Daumen hoch!“ – die in den Metallkammern verbauten Kameras haben die Bilder auf Film gebannt in schier unglaublicher Nähe. Später im Schnitt werden daraus die Szenen, die sogar schon internationale Preise gewonnen haben.

Kritischer Blick nach den Löscharbeiten - Uwe Markwardt

Kritischer Blick nach den Löscharbeiten - Uwe Markwardt

Mehr als 3.600 Autos wurden seit Serienbeginn bereits zu Schrott gefahren. Dabei war beim Pilotfilm noch gar keine Serie geplant. Bereits seit der zweiten von über 200 gesendeten Folgen der Serie ist Erdogan Atalay halsbrecherisch unterwegs. Er spielt den nicht immer ganz ernst zu nehmenden Polizisten Semir Gerkhan. Der 44-Jährige, der als Sohn eines Türken und einer Deutschen in Hannover geboren wurde, nimmt dabei auch gegen die Landsleute seines Vaters kein Blatt vor den Mund. Türkisch sprechen kann er aber nicht. Wichtig ist ihm: Er bleibt immer über der Gürtellinie. Was im Film leicht und locker rüberkommt, lebt durch den eher kleinen Mann, der auch wenn die Kamera ausgeschaltet ist, immer zum Lachen anregt. Gemeinsam mit Tom Beck (33), der Ben Jäger spielt, steht er gerade für die neue Staffel vor der Kamera, die im Herbst 2010 gesendet werden soll. „Wir brauchen ja die Feuerwehr. Ohne die, wäre das ganze hier ja gar nicht möglich“, sagen die Schauspieler in einer kurzen Drehpause. Ohne abgesprochenen oder zuvor geprobten Text, betonen die beiden, wie wichtig eine enge Zusammenarbeit wirklich ist. Die Sätze sind authentisch und zeigen, wie sehr die beiden wirklich an den Helfern von der Feuerwehr hängen. Einige Stunt-Szenen machen sie auch selbst. Da sind einem Lebensretter wohl umso wichtiger.

Uwe Markwardt (42) ist Chef von FRS - der Film-Feuerwehr

Uwe Markwardt (42) ist Chef von FRS - der Film-Feuerwehr

Während die letzten Einstellungen an dem ehemals so stattlichen Auto – das nun nur noch ein Wrack ist – gedreht werden, packen die Feuerwehrleute zusammen. Ihr Job ist für heute getan. Kurz unterhalten sie sich noch mit Torsten Sarrazin (42). „Ohne Markwardt und seine Jungs hätte es mich fast nicht mehr gegeben“, sagt der Stuntman. „Ich bin einmal beim Aufbau in ein Loch getreten, ein anderes Mal habe ich eine Holzlatte gegen den Kopf bekommen. Beide Male wurde ich ohnmächtig, war nicht mehr ansprechbar. Uwe und seine Jungs haben mich wiedergeholt. Dafür bin ich unendlich dankbar“, gesteht der harte Kerl sichtlich gerührt. Die „Kumpel-Basis“, wie der Inhaber einer eigenen Karate- und Sportschule es nennt, besteht schon seit über zehn Jahren. „Ich kenne sie und ich vertraue ihnen. Ich bin immer froh, wenn sie da sind.“ Kontinuität im schnelllebigen Filmgeschäft sei wichtig, sagt Markwardt. Er hat schon viel mitgemacht und begleitet. Arbeitete schon für 60 Produktionsfirmen, mal vor der Kamera wie bei der inzwischen abgesetzten RTL-Serie „112 - Sie retten Dein Leben“, als auch im Verborgenen wie jetzt bei „Alarm für Cobra 11“ oder „Wilde Engel“ und „Der Clown“. Sogar bei „Big Brother“ war er mit seinem Löschfahrzeug und den Kollegen dabei. Immer im Einsatz für mehr Sicherheit am Set. Rein davon leben kann allerdings niemand: „Es ist wie es so schön heißt zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel“, sagt Markwardt. Alle seine Kollegen haben einen anderen Hauptberuf. Die 80 Leute teilen sich die bis zu zwölf Einsätze pro Monat. So ist die Film-Feuerwehr (www.kino-feuerwehr.de) doch gar nicht so weit entfernt von den „normalen“ Feuerwehren: Ohne Enthusiasmus und “Helfer-Syndrom“ geht es eben auch beim Film nicht.

Stuntman Torsten Sarrazin (42) hat schon viel erlebt

Stuntman Torsten Sarrazin (42) hat schon viel erlebt