Medizintechnik
Der Unternehmensbereich Medizintechnik entwickelt, produziert und vermarktet Systemlösungen, Geräte und Dienstleistungen, die in der Prozesskette der Akutmedizin zusammenwirken. Hierzu zählen die Notfallmedizin, der perioperative Bereich (im Zusammenhang mit der Operation) sowie die Intensiv- und Geburtsmedizin (Perinatalmedizin). Das Portfolio umfasst Produkte für Therapie, Überwachung, Informationsmanagement und Prozess unterstützung. Dräger gehört mit seinen Produkten für Beatmung, Narkose, kontinuierliche Überwachung von Vitalparametern und mit dem jeweiligen Zu behör und Verbrauchsmaterial zu den Weltmarktführern. In den vergangenen Jahren hat Dräger seine Marktposition als Systemanbieter, beispielsweise durch integrierte IT-Lösungen für den OP und Gasmanagementsysteme, erheblich ausgebaut.
Von den weltweit 6.386 Mitarbeitern arbeiteten am 31. Dezember 2010 54 % in Vertrieb, Marketing und Service, 26 % in Produktion, Qualitätssicherung, Logistik und Einkauf, 11 % in Forschung und Entwicklung sowie 9 % in der Verwaltung.
Der Unternehmensbereich Medizintechnik betreibt Entwicklungs- und Fertigungsstandorte in Deutschland (Lübeck), in Tschechien (Policka), den USA (Andover und Telford) sowie China (Shanghai).
Der Unternehmensbereich ist insgesamt in 190 Ländern auf allen Kontinenten vertreten – in über 40 Ländern mit eigenen Vertriebs- und Servicegesellschaften.
Branchenentwicklung
Die Medizintechnik-Märkte waren weltweit von teilweise starken Nachholeffekten nach dem Krisenjahr 2009 geprägt. In Deutschland und in weiten Teilen Europas erholte sich der Markt deutlich. In Südeuropa dagegen führten die Konsolidierungsanstrengungen der öffentlichen Haushalte zu einer insgesamt stagnierenden Entwicklung. In vielen europäischen Ländern standen Einsparungen im Gesundheitswesen auf der Agenda der Regierungen. In den USA stieg nach einer eher verhaltenen Entwicklung im ersten Halbjahr 2010 die Nachfrage wieder auf das Niveau von 2008. In den Schwellenländern Asiens und Südamerikas erforderte die stark wachsende Bevölkerung hohe Investitionen in die Gesundheitsinfrastruktur. Durch das stark steigende BIP sind diese Staaten immer mehr in der Lage, diese Investitionsbedarfe selbst zu decken. Insbesondere in China wuchs der Medizintechnik-Markt weiterhin stark. Effizienzsteigerungen in den Prozessabläufen sind global das entscheidende Investitionskriterium der Kunden, um im Wettbewerb bestehen zu können. Der steigende Bedarf nach ganzheitlichen Systemlösungen hat auf der Anbieterseite zu weiteren Konsolidierungen geführt.
Künftige Branchensituation
Die Staaten der EU haben in Folge der Wirtschaftskrise Konsolidierungsprogramme verabschiedet. Diese Programme zielen unter anderem auf Wirtschaftlichkeitssteigerungen im Klinikbetrieb. Dadurch ergibt sich eine steigende Nachfrage nach System- und Dienstleistungsangeboten. Hier ist Dräger im Wettbewerbsvergleich gut positioniert. Dieser bereits in den Vorjahren in Deutschland zu beobachtende Markttrend wird sich auch 2011 fortsetzen. Zusätzlich fördert die EU den regionalen Ausbau der Gesundheitssysteme durch Programme wie den European Regional Development Fund, der 5 Mrd. EUR für Investitionen in die Gesundheitsinfrastruktur für die Jahre von 2007 bis 2013 vorsieht. Das immer noch von der Finanzkrise betroffene Südeuropa wird, entgegen dem allgemeinen Trend, eher ein geringes Wachstum aufweisen.
In den USA, dem weltweit größten Absatzmarkt der Medizintechnik, wird die Reform des US-Gesundheitssystems voraussichtlich keine Auswirkungen auf Dräger haben, da das Hauptaugenmerk des Programms auf der Ausweitung der medizinischen Grundversorgung für derzeitig nicht versicherte Amerikaner liegt und sich damit typischerweise außerhalb des Krankenhausmarkts befindet.
Für die Medizintechnik zeichnet sich nach Angaben des Fachverbands Spectaris und der German Healthcare Export Group in den Schwellen- und Entwicklungsländern eine unverändert positive Entwicklung der Nachfrage ab. Grund hierfür sind Investitionsprogramme, die den Fokus auf das jeweilige Gesundheitssystem legen. In Lateinamerika steht beispielsweise der Ausbau der Gesundheitsversorgung vielerorts im Vordergrund, sodass hier mit guten Absatzmöglichkeiten zu rechnen ist. Auch in anderen sich entwickelnden Ländern zeichnen sich positive Entwicklungen ab.
In Asien wird sich der positive Trend ebenfalls fortsetzen. In Bezug auf China sind Analysten überzeugt, dass es sich hierbei um einen Langzeittrend handelt, und rechnen mit einer jährlichen Wachstumsrate im Gesundheitssektor von 20 %. Teile dieser Investitionen fließen jedoch in den Aufbau einer medizinischen Grundversorgung, die für Importprodukte vielfach nicht zugänglich ist. Für den Mittleren Osten und Nordafrika lassen sich aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen keine Prognosen abgeben. Bis sich neue Entscheidungsstrukturen etabliert haben, ist ein Nachfrageeinbruch sehr wahrscheinlich.
Insgesamt betrachtet wird die Wettbewerbsintensität im Medizintechnikmarkt unverändert hoch bleiben. Dennoch rechnet Dräger für die Medizintechnik mit einem positiven Verlauf des Jahres 2011.