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Kopfschutz im Fokus
Dräger Safety und Schuberth Head Protection Technology setzen auf Kopfschutzsysteme aus duroplastischen Materialien

In der Vergangenheit wurde bereits häufiger das Thema Helme und deren Wärmebelastbarkeit in Bezug auf die Materialien Duro- und Thermoplaste diskutiert. Diese Diskussion wollen wir hier aufnehmen. Die CEN TC162 Joint Working Group/Firefighters Personal Protective Equipment hat in ihrer Risikobeurteilung für Feuerwehrleute drei Arbeitsbereiche festgelegt:
  • Routinebereich
  • Gefahrenbereich und
  • Notfallbereich
Diese Daten basieren auf Studien, die weltweit mehrfach verifiziert wurden. Eine der bekanntesten, für die Praxis relevanten und anwendbaren Ergebnisse, ist die Tabelle nach N. Hoeschke aus dem Projekt „Fires“ (siehe Seite 5). Diese Tests wurden Anfang der siebziger Jahre unter Beteiligung der NASA in den USA ins Leben gerufen und durchgeführt, um die Schutzbekleidung für Feuerwehrleute zu verbessern. Derartige Tests zeigen deutlich das Temperaturspektrum, mit denen sich Einsatzkräfte in ihrer Arbeit konfrontiert sehen. Sie formulieren zudem die Anforderung für Feuerwehrhelme, nicht nur im Routine-, sondern auch im gesamten Gefahrbereich sowie auch kurzzeitig bei im Notfallbereich auftretenden Temperaturen wirksamen Schutz für den Helmträger zu bieten. Auch der Helmtest des BUK (Bundesverband der Unfallkassen), in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Feuerwehrverband, zeigte bei vielen – zu diesem Zeitpunkt auf dem Markt erhältlichen – Feuerwehrhelmen Schwächen bei Hitzebeständigkeit und Brandverhalten auf. Diese Tatsache hat eine schon längst überfällige neue Diskussion über das richtige Material entfacht.

Kooperative Helmentwicklung
In Kooperation mit der Schuberth Head Protection Technology in Braunschweig, begann Dräger Safety im Jahr 2002 mit der Entwicklung von zwei neuen Feuerwehrhelmen. Die eindeutige Zielsetzung war es, ein neues, allumfassend sicheres Kopfschutzsystem für die Feuerwehren und Hilfsorganisationen zu entwickeln. Daher auch die Namensgebung Dräger Head Protection System, kurz Dräger HPS. Mit den Modellen Dräger HPS 4100 und HPS 6100 liefert Dräger Safety den vorläufig neuesten Beitrag dazu. Das Head Protection System erfüllt nicht nur die Anforderungen an einen sicheren Helm, sondern sorgt für zusätzlichen Schutz und Komfort.

Halbschalen-Helm
Der Dräger HPS 4100 fällt in den klassischen Bereich des Halbschalenhelms wie er sich in Deutschland und auch anderen Ländern, z. B. Schweden, schon etabliert hat. Die Helmschale des HPS 4100 besteht aus einem glasfaserverstärkten, duroplastischen Kunstharz. Dieses mit einem speziell entwickelten Harzsystem ausgestattete Material zeichnet sich u. a. durch eine extreme Kältesowie Hitzebeständigkeit aus. Das Design des Helmes basiert auf der PASGT-Form (Personnel Armor System for Ground Troops), der international üblichen und bewährten Militärhelmform. Übernommen wurde hier der Ansatz, eine bewährte Militärhelmform als Feuerwehrhelm einzusetzen, wie dies bereits bei dem DIN-Feuerwehrhelm der Fall war. Dieses Konzept ist durch Funktionalität geleitet und verspricht ein geringes Gewicht von maximal 950 Gramm. Der Helm verfügt über eine Vierpunktebebänderung mit Nackenriemen aus flammfestem Aramid, einer herausknöpfbaren und waschbaren Nomex-Innenausstattung, die der Hygiene zuträglich ist und Dekontamination einfach macht. Zwei Aufnahmepunkte ermöglichen eine leichte Montage des dreistufig arretierbaren Visiers aus klarsichtigem Spezial-Polycarbonat. Als Zubehör gibt es auch eine Schutzbrille nach EN 166 mit der Kennzeichnung 2-1.2U1B9KN, die über eine optionale Schlaufe auf der Rückseite des Helmes zu befestigen ist. Den Dräger HPS 4100 gibt es in den beiden Kopfgrößen H2 (verstellbar von 53 bis 61 cm) und H3 (verstellbar von 59 bis 64 cm). Der Helm erfüllt die DIN EN 443: 1997 inklusive aller Optionen -40 °C, 14 kW/m2, sowie E2 und E3. Die lang nachleuchtende Farbe 10/1,1-140 W-K nach DIN mit umlaufenden reflektierenden Streifen aus hochhitzebeständigem Material wurde natürlich auch hier wieder verwendet.

Vollschalen-Helme
Mit dem Dräger HPS 6100 wurde das bewährte Konzept eines Vollschalenhelms mit dem bekannten und in vollem Umfang abwärtskompatiblen Supra-System übernommen. Er basiert ebenfalls auf der duroplastischen Helmschalentechnologie.

Die Form der Helmschale ermöglicht die problemlose Benutzung eines Funk- bzw. Telefonhörers. Der Träger wird damit nicht gezwungen, zwischen Kommunikation und Sicherheit zu entscheiden. Das integrierte, kratzfeste Visier (DIN EN 166) kann bei Nichtgebrauch mit einem Handgriff in die Helmschale eingeschoben werden. Die Frontplatte des HPS 6100 bietet Platz für Hoheitsabzeichen, Stadtwappen, Rangabzeichen oder Wachnummern.
Die flammfeste, waschbare Nomex-Innenausstattung ist Standard. Optionale Sonderausstattungen erhöhen den Tragekomfort.

In die Entwicklung beider Helme sind Know-how und neueste Forschungsergebnisse der beiden Technologieführer in punkto „Kopfschutz und Atemschutz“ aus Braunschweig und Lübeck eingeflossen. Dabei hat Dräger erstmalig auf das thermoplastische Material verzichtet, zu Gunsten des eindeutig leistungsstärkeren duroplastischen Materials. Für die Entwickler war es eine Entscheidung für die Sicherheit des Feuerwehrmanns.

Temperaturbeständig
Thermoplastische Materialien, wie z. B. Polyethylen, sind – wie der Name impliziert – dauerhaft thermisch verformbar. Bestandteile, die aus diesem Material gefertigt wurden, verlieren teilweise ihre Formbeständigkeit – sprich Festigkeit – bereits ab Temperaturen von 100 °C. Eigenschaften, die im kalten Zustand des Materials bestehen, verändern sich mit Zunahme der Temperatur gravierend. Bei Temperaturen zwischen 200 und 250 °C sind sowohl die Stoß- als auch die Durchdringungsfestigkeit des Materials stark herabgesetzt, bei 250 bis 300 °C nehmen thermoplastische Materialien bereits eine flüssige Form an.

Verwendet man einen thermoplastischen Helm in der Brandbekämpfung – bei der Temperaturen von 250 °C durchaus keine Seltenheit sind – kann der Helm Belastungen, die zum Beispiel bei den Stoß- und Durchdringungsprüfungen zum Tragen kommen, nicht standhalten.

Duroplastische Materialien
Duroplastische Materialien, wie z. B. glasfaserverstärkter Kunststoff, sind Verbundstoffe, entstanden durch das Zusammenfügen zweier unterschiedlicher Komponenten mit Hilfe von Temperatur und Druck, die nur im Zwischenstadium ihrer Verarbeitung plastisch geformt werden können. Im Endzustand sind sie dauerhaft ausgehärtet und erweichen auch bei hohen Temperaturen nicht.

Fazit: Unter sehr hohen Temperaturen behält kein Thermoplast (auch kein faserverstärktes) auch nur annähernd die mechanische Festigkeit eines Duroplast- Helmes.

Betrachtet man alle Fakten in Bezug auf die Eigenschaften der derzeitig auf dem Markt erhältlichen Helmmaterialien, fällt die Entscheidung eindeutig zu Gunsten des duroplastischen Materials. Kopfschutzsystem aus der Praxis In Bezug auf die Frage nach einem Test, der ein realistisches Gesamtbild widerspiegelt, empfiehlt sich der Nordtest (Personal Protective Equipment for firefighters-Complete suit test in hazardous conditions), wie er in Skandinavien schon seit Anfang der neunziger Jahre praktiziert wird. Hier stellen sich Feuerwehrleute für den Test unter kontrollierbaren Bedingungen zur Verfügung.

Der Proband durchläuft fünf Minuten lang einen Standardparcours in einem Testraum, der auf einer Höhe von 1,2 m eine Durchschnittstemperatur von 250 °C und auf 2,2 m von 320 °C hat. Der Proband ist mit Temperatursensoren auf der Haut versehen sowie mit einem Sensor zwischen Flammschutzhaube und Helm. Die Temperatur dieser Sensoren darf während des fünfminütigen Tests nicht über 47 °C ansteigen. Dieser Test sagt etwas über die wahren Isolationswerte eines Feuerwehrhelmes aus.

Erwähnt werden sollte auch, dass die Nordtest- Methode sich auf die Tabelle nach Hoeschke beruft, wenn es um die Wärmebelastungswerte geht. Dieser Test ist praxisgerecht durch das subjektive Empfinden des Probanden und liefert reproduzierbare wissenschaftliche Daten. Dräger hat diesen Test sowohl mit den Dräger HPS 6100 und dem Dräger HPS 4100 mit folgendem Ergebnis durchgeführt. ST-3069-2004
  • Dräger HPS 6100
    Sehr gut (39,1 °C nach 5 min.)
  • Dräger HPS 4100
    Sehr gut (38,7 °C nach 5 min.)
Ergebnisse des Bundesverbandes der Unfallkassen (BUK) zeigen, dass sich beim DIN-Helm aufgrund der guten Wärmeleitfähigkeit des Materials Aluminium schon nach rund 5 Minuten auf der Testkopfoberfläche, d. h. unterhalb der Flammschutzhaube nach prEN 13911 eine Temperatur > 55 °C einstellte, die zu Verbrennungen am Kopf des Trägers und zum Ausscheiden nach DIN EN 443 und dem Nordtest führen würde.

Die Schale des Aluminiumhelms...
  • leitet elektrischen Strom
  • hat eine hohe Wärmeleitfähigkeit
  • Schlechtere Durchdringungsfestigkeit als duroplastische Feuerwehrhelme.
  • Helmschalen aus Auluminiumlegierungen bieten keinen Schutz vor herabtropfendem, flüssigem Metall, da sie durch ihre Wärmeleitfähigkeit sofort die Temperatur der Metallschmelze annehmen und selbst durchschmelzen (passiert nicht bei einer Duroplasthelmschale).
Der Neue Normenentwurf prEN 443 beinhaltet folgende Punkte wie sie nach dem BUK-Test von den Feuerwehren gefordert wurden:
  • Generelle Festlegung der Bestrahlungsstärke auf die höhere Option 14 kW/m2
  • Verlängerung der Bestrahlungsdauer von 3 min auf 8 min.
  • Zusätzliche Prüfung der Stoßdämpfung-Prüfung der Durchdringungsfestigkeit gegenüber scharfkantigen Gegenständen nach der achtminütigen Beaufschlagung mit Wärme (14 kW/m2) innerhalb 60 sec.
  • Prüfung des Helmverhaltens bei Flammeneinwirkung in Anlehnung an den "Flame-Engulfment-Test" nach DIN EN 137


Christian Jährling
Dräger Safety AG & Co. KGaA

Stephan Rode
Schuberth Head Protection Technology
rode@schuberth.de

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