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Eingas oder Mehrgas: Der Einsatz von tragbaren Messsystemen in der Praxis
Einleitung
Die Messung von Luftschadstoffen spielt in verschiedenen Arbeitsbereichen eine bedeutende Rolle. Dort, wo ein Auftreten gefährlicher Gaskonzentrationen nicht auszuschließen ist, ist über Messungen sicherzustellen, dass Grenzwerte eingehalten werden. Grundsätzlich kann zwischen personen- und ortsbezogener Messung unterschieden werden. Die personenbezogene Messung gibt Auskunft über die Konzentration gefährlicher gasförmiger Substanzen am aktuellen Aufenthaltsort der Person und wird darum in vielen Fällen bevorzugt. Sie ist besonders dann angebracht, wenn sich die zu überwachende Person an verschiedenen Orten eines insgesamt gefährlichen Umfeldes aufhält. Eine ortsbezogene Messung kann dann sinnvoll sein, wenn ein klar definiertes Umfeld bemessen werden soll und sich die zu überwachende Person in eben diesem Bereich aufhält. Enge Räume (im englischen Sprachgebrauch „Confined Space“) sind ein typisches Anwendungsgebiet für solche ortsbezogenen Messungen. Aber auch bei bestimmten stationären Arbeiten, wie Schweißen, können ortsbezogene Messungen sinnvoll sein. Ist die Entscheidung über orts-, bzw. personenbezogene Messung gefallen, bleibt die Frage nach Ein- oder Mehrgasmessung, die im Rahmen dieses Beitrages etwas ausführlicher behandelt werden soll.

Ob Eingas oder Mehrgas: Flexibilität kann ein wichtiges Kriterium sein
Schon die Bezeichnung Eingas- oder Mehrgasgerät beschreibt den Unterschied der beiden möglichen Vorgehensweisen. Es ist möglich, nur einen oder mehrere Gefahrstoffe gleichzeitig zu messen. Sowohl bei Eingas- als auch bei Mehrgasgeräten kann jedoch weiter differenziert werden. Ein wesentlicher Aspekt neben den Features eines Messgerätes ist seine Flexibilität in Bezug auf Austauschbarkeit der Sensoren. So sind Messgeräte vorhanden, bei denen die Art der einsetzbaren Sensoren klar definiert ist, während bei anderen unterschiedliche Sensoren eingesetzt werden können. Der Anschaffungspreis der weniger flexiblen Messsysteme ist natürlich niedriger. Ist jedoch abzusehen, dass das Messsystem nicht nur für die Messung einer Substanz oder – bei Mehrgasgeräten – einiger weniger Substanzen, sondern für unterschiedliche Stoffe eingesetzt werden soll, sollte die Entscheidung für ein möglichst flexibles Gerät getroffen werden. Sensoren können dann je nach Applikation ausgetauscht werden. Ein Eingasmessgerät, das z.B. für die Messung von Sauerstoff eingesetzt wurde, kann nach Wechsel des Sensors („plug and play“) zum Messen von Kohlenmonoxidkonzentrationen eingesetzt werden. Werden dabei Smart-Sensoren eingesetzt, befinden sich die Kalibrierdaten also im Sensor-EPROM, ist nicht einmal die Neukalibrierung des Messgerätes erforderlich. Im Eingasbereich seien als Beispiele für Geräte, die für ein bestimmtes Gas konzipiert sind, die microPac Familie oder die neuen Pac 1000, 3000, 5000 genannt. Beim Dräger Pac III ist ein Wechsel zwischen verschiedenen Gasarten innerhalb ein und desselben Gerätes möglich. Im Mehrgasbereich sind beim Dräger X-am 3000 die Sensoren klar definiert, während das X-am 7000 nicht nur das eigenhändige Auswechseln der Sensoren, sondern auch einen Wechsel zwischen verschiedenen Sensorarten ermöglicht.

Eingas oder Mehrgas – das hängt ganz von der Anwendung ab
Natürlich muss die Frage nach Eingasoder Mehrgasmesssystem abhängig von der Anwendung gestellt werden. Insofern sollen im Folgenden verschiedene Applikationen betrachtet und damit die Frage nach den Entscheidungskriterien beantwortet werden.

Raffinerien
Im Raffinerie-Bereich geht es insbesondere während der so genannten „Turnarounds“ oder „Shut-Downs“ darum, eine Vielzahl von Personen, häufig auch Arbeiter von anderen Firmen, gleichzeitig mit Gasmessgeräten auszustatten. Die wesentliche Gasgefahr in verschiedensten Bereichen in der Raffinerie ist Schwefelwasserstoff. Normalerweise werden die Arbeiter zusätzlich mit einer filtrierenden Fluchtmaske ausgestattet, so dass sie sich bei Auftreten eines Alarms vor hohen Schwefelwasserstoffkonzentrationen in Sicherheit bringen können. Dräger microPac plus oder Pac 1000, 3000, 5000 sind einsetzbare Eingasmesssysteme. Beim microPac plus kann zwischen der Anzeige eines o.k.-Modus oder der Konzentrationsanzeige gewählt werden, Pac 1000 und 3000 zeigen die Konzentration an, sobald der eingestellte Grenzwert erreicht oder überschritten ist, das Pac 5000 zeigt während der gesamten Messdauer die Schwefelwasserstoffkonzentration in ppm an. Alle genannten Geräte alarmieren optisch, akustisch und durch Vibration.

Bei Begehung von engen Räumen (Confined Space) während der genannten Shut-Downs ist damit zu rechnen, dass neben Schwefelwasserstoff weitere Gasgefahren auftreten. Je nach Typ des engen Raumes können brennbare Substanzen oder Kohlenmonoxid auftreten, auch Sauerstoffmangel ist eine mögliche Gefahrenquelle. In diesem Fall, also für Freigabemessungen enger Räume, ist natürlich der Einsatz eines Mehrgasgerätes angebracht, das mit Pumpe ausgestattet sein sollte, um die Luft auch aus tieferen engen Räumen mit Hilfe eines Verlängerungsschlauches zu pumpen und untersuchen zu können. Werden Reinigungs-, Schweiß- oder Lötarbeiten ausgeführt, kann es sinnvoll sein, während der Arbeiten weiter zu messen, bzw. eine personenbezogene Mehrgasmessung durchzuführen.

Stahlerzeugung
Bei der Stahlerzeugung wird aus Koks Kohlenmonoxid zur Reduktion des Eisenoxids (Eisenerzes) erzeugt. Insofern ist hier grundsätzlich mit dem Auftreten hoher Konzentrationen des toxischen Kohlenmonoxids zu rechnen. Der Bereich der Stahlerzeugung stellt also ein typisches Beispiel für die personenbezogene Eingasmessung dar. Zusätzlich spielt die CO-Leckagesuche in diesem Bereich eine Rolle. Auch hierzu kann ein Eingasmessgerät eingesetzt werden, das für diese Anwendung mit Pumpe und Sonde ausgestattet wird.

Kühlhäuser
Gerade in Großkühlbereichen, also in Kühlhäusern, Kühllagern aber auch in der Herstellung von Lebensmitteln und Getränken wird Ammoniak als Kühlmittel eingesetzt. Aufgrund der erstickenden und ätzenden Wirkung des Ammoniak-Gases ist hier die personenbezogene Messung mit einem Eingasmessgerät sinnvoll. Das Eingasmessgerät kann auch in diesen Bereichen zur Leckagesuche eingesetzt werden, sofern es mit Pumpe, Verlängerungsschlauch und Leckage-Sonde ausgestattet werden kann. Gerade bei Ammoniaksensoren gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede. So enthält der elektrochemische Dräger XS-Ammoniak- Sensor eine spezielle Elektroden-Elektrolyt- Zusammenstellung, die eine Sensor- Lebensdauer von zwei Jahren auch dann gewährt, wenn der Sensor z. B. bei Leckagesuchen höheren Dosen Ammoniak ausgesetzt wurde.

Goldgewinnung
Zur Goldgewinnung aus schwach goldhaltigem Gestein wird bei der sogenannten Cyanidlaugung eine Lösung von Kaliumoder Natriumcyanid eingesetzt, um selbst geringste Goldspuren im Stein (1 g Gold pro Tonne Gestein) nutzbar zu machen. Bei der Methode handelt es sich um ein einfaches, effizientes und kostengünstiges Verfahren, bei dem jedoch äußerst toxisches Blausäuregas in relevanten Konzentrationen freigesetzt wird. Auch bei diesem Verfahren macht die personenbezogene Eingasmessung Sinn. Mit dem microPac plus ist ein wartungsfreies, einfach zu bedienendes und relativ kostengünstiges Eingasgerät vorhanden, das die personenbezogene Messung auch in wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern erlaubt.

Begasung
Für die Begasung von Waren oder Hölzern wird zum Abtöten von Holzschädlingen Magnesium- oder Aluminiumphosphid eingesetzt, das Phosphorwasserstoff freisetzt. Bei Container-Kontrollen, aber auch beim Begasungsvorgang selbst ist eine personenbezogene Messung der Phosphorwasserstoffkonzentration angebracht, da es sich um eine äußerst toxische Substanz handelt. Auch für diese Applikation ist ein einfach zu bedienendes, wartungsfreies Eingasmessgerät (microPac plus PH3) verfügbar, das speziell für die personenbezogene Messung konzipiert ist und den Benutzer optisch, akustisch und über Vibration alarmiert, sofern die voreingestellten Grenzwertkonzentrationen erreicht oder überschritten werden.

Abwasserkanäle (Rohrleitungen, enge Räume)
Im Gegensatz zu den obigen Beispielen ist beim Betreten eines Abwasserkanals nicht mit einem bestimmten Gas zu rechnen, vielmehr kann eine Gefährdung von ganz verschiedenen Substanzen ausgehen. Durch Zersetzung organischen Materials kann es zur Bildung von Methan kommen. Hierbei können Konzentrationen bis in den Explosionsgrenzen- oder sogar Volumenprozent- Bereich auftreten. Außerdem kann Methan aus undichten Stadtgasleitungen in Abwasserkanäle eindringen, zumal Stadtgasund Abwasserleitungen häufig in unmittelbarer Nähe zueinander verlaufen. Bei den erwähnten Zersetzungsprozessen wird darüber hinaus Sauerstoff verbraucht. Sofern sich eiweißhaltiges Material zersetzt, kann es außerdem zur Entstehung von Schwefelwasserstoff kommen. In diesem Fall sollten also mindestens drei Sensoren im tragbaren Messgerät zum Einsatz kommen: Ein Sensor zur Messung von brennbaren Gasen (katalytischer Ex-Sensor oder Infrarot-Ex- Sensor), ein elektrochemischer Sensor zur Sauerstoffmessung und ein elektrochemischer Sensor zur Schwefelwasserstoffmessung. Idealerweise zeigt das Display die drei Konzentrationen parallel und deutlich lesbar an. Ein tragbares Gerät, das diese Anforderungen erfüllt, ist das Dräger X-am 3000. Eine weitere relevante Substanz im Abwasserbereich ist Kohlendioxid. Es entsteht als Produkt natürlicher, biologischer Stoffwechselprozesse, insbesondere in biologischen Stufen von Kläranlagen. Die Messung von Kohlendioxid ist grundsätzlich mit elektrochemischen Sensoren möglich, jedoch sind infrarotoptische Sensoren aufgrund ihres schnelleren Ansprechverhaltens besser geeignet. Insofern bietet das optimale Mehrgasgerät für den Abwasserbereich auch noch die Möglichkeit der Installation eines infrarotoptischen Sensors für Kohlendioxid. Diese Anforderungen und darüber hinaus Wasserdichtigkeit und die Möglichkeit der Kombination eines IR-CO2- Sensors wahlweise mit katalytischem Ex-Sensor oder IR-Ex-Sensor erfüllt das Mehrgasgerät X-am 7000. Je nach Anwendungsfall können entsprechende Sensoren in Eigenregie eingesetzt werden, und das gilt beim X-am 7000 auch für die Ex- und IR-CO2-Sensoren. Auch die in das Messgerät integrierte Pumpe kann vom Anwender selbst nachgerüstet oder ausgetauscht werden.

Enge Räume generell
Das für Abwasserleitungen und Kanäle Gesagte gilt grundsätzlich auch für andere enge Räume, wie Schächte, Rohrleitungen, Kabelkanäle etc. In allen diesen engen Räumen („Confined Space“) kann es bei Eintrag organischen Materials zu Fäulnisprozessen kommen, so dass die im Zusammenhang mit Abwasser genannten Gasgefahren auftreten können. Darüber hinaus kann durch unvollständige Verbrennungsprozesse (z. B. Kabelbrand, Schwelbrand) das toxische Kohlenmonoxid entstehen. Für diese Applikation sollte ein Mehrgasgerät zum Einsatz kommen, das idealerweise die Messung von fünf Gasen ermöglicht (Ex, Sauerstoff, Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff, Kohlenmonoxid). Diese Anforderung wird ebenfalls vom X-am 7000 erfüllt.

Dipl.-Ing. Oliver Schirk
Dräger Safety AG & Co. KGaA

Zusammenfassung
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Entscheidung für tragbare Eingas- oder Mehrgasgeräte abhängig von der jeweiligen Anwendung ist. Im Bereich einzeln auftretender toxischer Substanzen reicht ein Eingasmessgerät aus. Sobald neben der toxischen Substanz auch mit Sauerstoffmangel zu rechnen ist, empfehlen sich zusätzlich die Messung der Sauerstoffkonzentration und damit der Einsatz eines Mehrgasmessgerätes. Bei Freigabemessungen für enge Räume muss normalerweise mit verschiedenen Luftschadstoffen gerechnet werden, so dass der Einsatz eines Mehrgasmessgerätes (optimal: fünf Gase, wechselbare Sensoren) anzuraten ist.

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