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Wirtschaftlicher Betrieb von Durchlauftrocknern
Stetig steigende Energiekosten zwingen heute zur Optimierung aller industriellen Prozesse, die auf große Energiemengen angewiesen sind. Eine dieser Anwendungen ist der Einsatz von Durchlauftrocknern oder auch Trockenöfen. Sie werden im Bereich der Lackierung, Beschichtung und Veredelung eingesetzt, um frisch beschichtete Oberflächen schnell und zuverlässig zu trocknen. Diesem Wunsch der Energiekostenreduktion steht jedoch die Forderung nach Betriebssicherheit gegenüber.

Explosionsgefahren im Durchlauftrockner Im Inneren eines Durchlauftrockners wird dem Beschichtungsmaterial (Farben, Kleber etc.) das Lösemittel entzogen, welches für die Verarbeitung zwingend erforderlich ist. Diese zumeist brennbaren Lösemittel verdampfen und werden durch einen kontinuierlichen Luftstrom abtransportiert. Der Anfall an Lösemittel hängt dabei stark vom jeweiligen Prozess ab. Er wird beeinflusst vom Anteil an Lösemittel in dem Beschichtungsmaterial, von der aufgebrachten Schichtdicke und von der Fördergeschwindigkeit des Transportbandes oder dem Vorschub der zu beschichtenden Folie. Wird zu viel Lösemittel in den Ofen eingebracht oder ist der Luftstrom zu gering, können im Inneren des Durchlauftrockners Lösemitteldampfkonzentrationen entstehen, die oberhalb der UEG (untere Explosionsgrenze) des jeweiligen Lösemittels liegen. Verursacht werden solche gefährlichen Situationen durch Fehlbedienungen oder auftretende Betriebsstörungen. Untersuchungen haben ergeben, dass Anstiegsraten von 10 % UEG pro Sekunde erreicht werden können, wenn es z. B. zum Materialstau auf dem Förderband kommt oder das Belüftungssystem ausfällt. Diese extrem schnelle Änderung von einem sicheren zu einem unsicheren Betrieb führte zur Erarbeitung entsprechender Normen, die bei Planung und Bau solcher Durchlauftrockner zu berücksichtigen sind.

Schutzeinrichtungen
Die EN 1539 legt fest, dass die maximale Dampfkonzentration einen Wert von 50 % UEG unter keinen Umständen überschreiten darf und dass die Alarmzeit nicht länger als 1,5 Sekunden sein darf wenn nicht durch andere geeignete Maßnahmen die Sicherheit erhalten bleibt. Diese Alarmzeit bestimmt die Zeit vom Auftreten einer gefährdenden Situation bis zur Wirksamwerden der Gegenmaßnahme. Deshalb muss die Atmosphäre im Inneren des Durchlauftrockners permanent mit einem geeigneten Gasmesssystem überwacht und müssen, wenn nötig, geeignete Gegenmaßnahmen automatisch eingeleitet werden. Geeignete Maßnahmen können die einfache Erhöhung des Luftdurchsatzes oder im Extremfall die vollständige Abschaltung der Anlage inklusive aller elektrischen Betriebsmittel sein.

Regeln statt Steuern
Zur Vermeidung dieser kritischen Situationen werden die Betriebsparameter solcher Durchlauftrockner grundsätzlichen sehr sicher, d. h. mit sehr viel Reserve, berechnet. Die berechneten Werte für Fördergeschwindigkeit und Luftdurchsatz führen in der Regel zu weitaus niedrigeren Konzentrationen als vorgesehen. Durchlauftrockner, deren Parameter für eine Betriebskonzentration von z.B. 25 % UEG berechnet wurden, erreichen in der Praxis nicht selten Konzentrationen von weniger als 15 % UEG. Solche Durchlauftrockner arbeiten bei weitem nicht so wirtschaftlich, wie sie eigentlich könnten. Sie arbeiten entweder mit zu geringen Fördergeschwindigkeiten oder zu großem Luftdurchsatz, wobei der große Luftdurchsatz für die hohen Energiekosten verantwortlich ist. Mehr Luft als notwendig muss auf die Betriebstemperatur des Trockners erwärmt werden. Die einzig mögliche Lösung dieses Problems ist der Schritt weg von der reinen Steuerung des Durchlauftrocknerprozesses hin zu einer echten Regelung. Regelgröße muss dabei die Dampfkonzentration im Inneren des Trockners sein. Stellgrößen sind Material- und Luftdurchsatz. Ein so geregelter Prozess macht es möglich die durch Vorschriften vorgegebenen Schwellwerte deutlich und sicher zu unterschreiten und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit des Trocknerbetriebs zu erhöhen. Entscheidend für die sichere Funktion solch einer Regelung ist natürlich die zuverlässige und aussagefähige Messung der Konzentrationswerte.

Messsysteme
Optimal, im Sinne von Genauigkeit und Schnelligkeit, wäre die Messung direkt über oder sehr nah am Förderband. Nachteil einer solchen Anordnung sind die hohen Kosten für die Vielzahl der Detektoren entlang des Trockners und die teilweise wenig aussagekräftigen Angaben über Lokalkonzentrationen, auf die nicht geregelt werden kann, da nicht jedem Messpunkt ein eigenes selbstständiges Belüftungssystem zugeordnet ist. Die Messung mit weniger Detektoren in den Abluftkanälen hingegen ergibt zwar ein etwas verspätetes Abbild der Konzentration, jedoch hat bereits ein Ausgleich der verschiedenen Lokalkonzentrationen stattgefunden und eine Prozessregelung kann diesen Wert verwenden. Mit Hilfe der Prozessregelung ist man nun in der Lage, die Konzentration im Durchlauftrockner so einzustellen, dass einerseits ein ausreichend großer Abstand zur Abschaltschwelle von 50 % UEG eingehalten wird und andererseits der Luftdurchsatz auf das notwendige Minimum reduziert wird. Entsprechend den Vorschriften der oben erwähnten EN 1539 dürfen die Gasmesssysteme, die die Betriebssicherheit sicherstellen, nicht gleichzeitig zur Regelung des Prozesses benutzt werden. Das macht eine Verdopplung der notwendigen Messpunkte notwendig. Eine Investition, die sich jedoch rasch durch die sinkenden Energiekosten amortisiert.
Schwierig wird es, wenn ein Durchlauftrockner für verschiedene Beschichtungsprozesse verwendet wird. Dabei kommt es in der Regel auch zum Wechsel des Lösemittels, was bei der Mehrzahl der Gasmesssysteme auch eine Neukalibrierung auf die neue Substanz notwendig macht.

Teuer und gut
Eine Ausnahme davon bilden die FIDs (Flammenionisationsdetektoren) und FTAs (Flammenthermische Analyse), die auf Grund der mehr oder weniger gleichen Empfindlichkeit auf alle Kohlenwasserstoffe auf die Neukalibrierung verzichten können. Erkauft wird dieser Vorteil allerdings mit deutlich höheren Anschaffungs- und Betriebskosten. Beide Systeme benötigen zum Betrieb ihrer „Pilotflamme“ eine permanente Gasversorgung (H2).

Preiswert
Wesentlich günstiger in der Anschaffung und im Unterhalt sind Sensoren, die nach dem Wärmetönungsprinzip arbeiten, so genannte katalytische Ex-Sensoren. Sie arbeiten als Teil einer Wheatstoneschen Brücke, deren Verstimmung von der Gaskonzentration abhängt. Da sich die Empfindlichkeit auf die verschiedenen Lösemitteldämpfe unterscheiden, ist eine Umkalibrierung bei Substanzwechsel in der Regel erforderlich. Leider unterscheiden sich nicht nur die Empfindlichkeiten gegenüber verschiedenen Substanzen, sondern auch die individuellen Empfindlichkeiten zwischen den Sensoren. Dadurch ist es nahezu unmöglich zur Erleichterung des Kalibrierprozesses mit einfach zu handhabenden Ersatzkalibriergasen zu arbeiten. Die Kalibrierungen wären zu ungenau, um mit den Messergebnissen eine Regelung zu betreiben. Ein weiterer Nachteil der katalytischen Sensoren ist ihre Neigung durch Vergiftung des katalytischen Materials an den Messelementen relativ rasch ihre Empfindlichkeit zu verlieren. Nur Sensoren mit speziell auf diese Messaufgabe eingestellten Betriebsströmen sind in der Lage akzeptable Lebensdauern zu erreichen.

Günstig und gut
Deutlich besser geeignet als katalytische Sensoren sind Messsysteme, die auf Infrarot- Absorption basieren. Sie sind grundsätzlich vergiftungsbeständig und können den Bedingungen einer Prozessanwendung widerstehen. Ähnlich wie die katalytischen Sensoren haben auch IR-Sensoren unterschiedliche Empfindlichkeiten gegen verschiedene Substanzen, was bei einem Lösemittelwechsel im Durchlauftrockner eine Umkalibrierung des Sensors notwendig macht. Jedoch sind Kalibrierarbeiten an IR-Sensoren deutlich einfacher durchzuführen, da auf Ersatzgaskalibrierung ausgewichen werden kann. An Stelle aufwendiger Apparaturen zur Zielgaskalibrierung mit Lösemitteldampf kann bei IR-Sensoren mit Kalibriergasen wie zum Beispiel Propan gearbeitet werden. Dies ist möglich, weil sich die Empfindlichkeitsverhältnisse zwischen den verschiedenen Stoffen nicht wie bei katalytischen Sensoren durch Vergiftung oder Alterung ändern.
Bei konventionellen IR-Transmittern sind die Messwerte jedoch unter Umständen relativ ungenau. Die Ungenauigkeit entsteht aufgrund einer nicht optimierten Linearisierung des IR Sensorsignals durch die verwendete Transmitterelektronik. In der Regel linearisieren die Schaltungen das Signal nur für einige Standardgase. Bei der Verwendung des Sensors für ein anderes als eines dieser Standardgase kann nur eine Linearisierung verwendet werden, die der notwendigen möglichst nahe kommt.
Wirklich exakt ist dadurch die Messung nur am Kalibrierpunkt, das heißt bei der Konzentration, mit der der Transmitter kalibriert wurde. Eine zusätzliche Ungenauigkeit ergibt sich durch die individuellen Fertigungstoleranzen zwischen den Sensoren eines Typs. Leichte Unterschiede in der verwendeten Absorptionswellenlänge können schon zu deutlichen Unterschieden in der Empfindlichkeit auf eine bestimmte Substanz führen. Ist das Ziel der Messung, die Betriebssicherheit zu gewährleisten, ist diese Eigenschaft unkritisch, ist das Ziel jedoch die Verbesserung der Energieeffizienz, ist solch eine Messung nur bedingt geeignet.

Günstig und besser
Einen ganz anderen Weg bei der Messwertaufbereitung ihres IR-Transmitters beschritt hingegen Dräger Safety mit ihrem Polytron IR. Dieser Transmitter arbeitet im Gegensatz zu anderen IR-Transmittern nicht nur mit den Linearisierungen für wenige Standardgase, sondern verwendet intern zurzeit 38 verschiedene Absorptionskennlinien. Die Kennlinien werden für jeden Transmitter individuell bestimmt und in einem Datenspeicher, der so genannten Gasbibliothek, abgelegt. Zwischen diesen Kennlinien kann beliebig umgeschaltet werden, ohne an Messqualität zu verlieren. Wie das messtechnische Gutachten der EXAM BBG Prüf- und Zertifizier GmbH bestätigt, liegt der Messfehler innerhalb der vorgeschriebenen Grenzen nach DIN EN 50057. Dadurch erhält auch die Ersatzkalibrierung dieses Transmitters eine ganz neue Qualität. Die Messung ist nicht mehr nur in einem Punkt korrekt, sondern ist nun über den ganzen Messbereich ausreichend genau um mit den Messergebnissen eine Regelung zu betreiben. Zusätzlich ist der rasche Wechsel zwischen den Substanzen durch eine automatisierte Fernkonfiguration über PC nochmals vereinfacht worden. Eine Software ermöglicht die Definition unterschiedlicher, rezepturabhängiger Anlagenkonfigurationen, die bei Umstellung des Beschichtungsprozesses durch Mausklick ausgewählt und auf die Transmitter übertragen werden können. Eine anschließende Kalibrierung ist dabei nicht mehr notwendig. Es ist sogar möglich die Transmitter an einem Trockner auf unterschiedliche Substanzen zu kalibrieren, wenn dies bei einem so genannten Mehrzonentrockner einmal notwendig ist.
Neben der Messgüte des Transmitters ist jedoch auch die Empfindlichkeitsverteilung gegenüber den verschiedenen Lösemitteln ein Maß für die Qualität der angestrebten Konzentrationsregelung im Inneren des Durchlauftrockners. Nur Messsysteme mit einer gleichmäßigen Verteilung der Empfindlichkeiten können zum Aufbau einer Regelung verwendet werden, da es sonst beim Einsatz von Lösemittelgemischen zu Messwertabweichungen kommt, die einen störungsfreien Betrieb unmöglich machen.

Um eine ausreichend gleichmäßige Empfindlichkeitsverteilung zu erhalten, bietet Dräger Safety den Polytron IR mit unterschiedlichen Absorptionswellenlängen an. Die dabei verwendeten Wellenlängen von 3,34 µm und 3,44 µm optimieren die Transmitter auf spezifische Stoffgruppen. Um bei gleichzeitigem Einsatz verschiedener Typen des Polytron IR Transmitter Verwechslungen und damit verbunden fehlerhafte Kalibrierung zu vermeiden, ist in diesem Fall die Verwendung der Konfigurationssoftware besonders sinnvoll, da die verwendeten Sicherheitsabfragen eine Fehlkalibrierung der Transmitter wirkungsvoll verhindert. Untersuchungen der EXAM BBG Prüf- und Zertifizier GmbH bestätigten die sichere Funktion der Software, und so wurde das messtechnische Gutachten des Transmitters um dieses Zubehör erweitert.

Ingo Edler
Dräger Safety AG & Co. KGaA

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