05




























 
Sicherheitsmanagement in Unternehmen
– Maßnahmen der betrieblichen Gefahrenabwehr
Bei Bränden, Explosionen oder Havarien in Unternehmen kommen jedes Jahr viele Menschen ums Leben oder tragen zum Teil schwere Verletzungen davon. Die materiellen Schäden erreichen oft dreistellige Millionenbeträge. Die Verlagerung der Problemlösung zur Finanzierung eines Schadenfalles auf eine Versicherung stellt dabei grundsätzlich keine vollständige Lösung dar. Die Gesamtkosten eines Großschadens gehen über die denkbaren Entschädigungsleistungen der Versicherungen hinaus und stellen die Überlebensfähigkeit des Unternehmens in Frage: Die Folgeschäden, verursacht durch die Produktionsunterbrechung im betroffenen Unternehmen, können den direkten Schaden weit übertreffen. Tabelle 1 zeigt die Kosten eines Produktionsausfalls ausgewählter Branchen in Deutschland und Tabelle 2 als weiteres Beispiel die Reparaturkosten und Einnahmeausfälle bei Tunnelbränden der letzten Jahre.
In vielen Unternehmen ist die eigene Fertigungstiefe auf 15 Prozent gesunken, d. h. die Unternehmen bewegen sich in einem komplizierten Netzwerk von Liefer- und Zulieferbeziehungen: Zur Sicherung günstiger Einkaufsbedingungen abgeschlossene langfristige Abnahmeverträge einerseits und zum anderen gegen einen ständig härter werdenden Wettbewerb erreichte Kundenaufträge zwingen die Unternehmen, ihre Verpflichtungen strikt einzuhalten. Bei einer zunehmenden Globalisierung aller Wirtschaftsprozesse kann eine längere Produktionsunterbrechung für ein Unternehmen das „Aus“ bedeuten. Andererseits können Unternehmen durch Gewährleistung einer dauerhaften Leistungs- und Lieferfähigkeit ihre Wettbewerbsposition verbessern. Deshalb muss ein eigenständiges Interesse der Unternehmen an der durch ein ganzheitliches Sicherheitsmanagement ermöglichten Funktionsfähigkeit der Produktionsprozesse herausgearbeitet werden. Allerdings wird die Unternehmenssicherheit in vielen Unternehmen noch immer als „lästige“ Aufgabe empfunden, die – scheinbar – keinen Beitrag zur Wertschöpfung im Unternehmen leistet.
Sicherheitsmanagement ist Pflicht
In Deutschland wird das Sicherheitsmanagement in Unternehmen geregelt durch:
  • gesetzliche Grundlagen
    (Arbeitsschutzgesetz, Brandschutzgesetz u. ä.),
  • Arbeitsstättenrichtlinien
  • berufsgenossenschaftliche Vorschriften und Regeln
  • Vorgaben der Sachversicherer
  • das seit 1998 geltende Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG)
So lautet z. B. & 91 Abs. 2 AktG (Aktiengesetz): „Der Vorstand hat geeignete Maßnahmen zu treffen, insbesondere ein Überwachungssystem einzurichten, damit den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen früh erkannt werden“. Das im Unternehmen zu installierende Risikomanagementsystem muss einen ganzheitlichen, vollständigen und integrierten Ansatz verfolgen.
Vorteile
Neben der Pflicht, Vorgaben aus Gesetzen, Arbeitsstättenrichtlinien usw. umzusetzen, bieten sich für Unternehmen sowohl bei den Berufsgenossenschaften als auch Sachversicherern Möglichkeiten, durch ein ganzheitliches Sicherheitsmanagement finanzielle Vorteile für das Unternehmen zu erlangen:
  1. Eine Gefahrenklassesenkung bei Berufsgenossenschaften ist möglich, wenn:
    • das Unfallrisiko signifikant niedriger ist als bei anderen Unternehmen des gleichen Gewerbezweigs
    • die Arbeitsmethoden des Unternehmens stark von denen der übrigen Branchenmitglieder abweichen
    • der Grund für vermindertes Unfallrisiko in veränderten Arbeitsmethoden liegt.
  2. Kostensenkungen bei den Schadensversicherungen können erreicht werden, da die Sachversicherer u. a. folgende Kriterien bewerten:
    • allgemeiner Zustand des Betriebes
    • bauliche Sicherheit und baulicher Brandschutz
    • organisatorische Maßnahmen im Bereich Sicherheitsmanagement.
Insbesondere bei Anwendung komplizierter Produktionsprozesse, Verwendung von Gefahrstoffen usw. hat ein ganzheitliches Sicherheitsmanagement positiven Einfluss auf die Bewertung des Unternehmens durch Analysten oder bei einer notwendigen Kreditnahme, z. B. zur Erweiterung der Produktionskapazitäten.
Schäden begrenzen
Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, weder gegenüber Bränden, Havarien, Explosionen noch terroristischen Anschlägen. Also stellt sich die Frage: Wie können die Folgen eines Brandes, einer Havarie, einer Explosion oder auch die Auswirkungen eines terroristischen Anschlages begrenzt, die Zahl der Opfer und die Höhe der materiellen Schäden verringert und damit eine mögliche Produktionsunterbrechung auf ein Minimum reduziert werden? Zwischen dem Eintreten eines Schadensereignisses und dem Wirksamwerden (nicht dem Eintreffen!) der professionellen Retter Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst o. ä. entsteht immer eine „Reaktionslücke“, in der das Ereignis eskalieren kann, sofern nicht unmittelbar Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ergriffen werden.
Diese Reaktionslücke wird künftig noch anwachsen, wenn man aktuelle demografische Trends, wie z. B. die zunehmende Überalterung der Gesellschaft in Betracht zieht: Es stehen immer weniger junge, leistungsfähige (atemschutztaugliche) Einsatzkräfte, z. B. für die flächendeckende Gefahrenabwehr durch Freiwillige Feuerwehren, zur Verfügung. Dieser Prozess wird vor allem in Staaten, wie Österreich und Deutschland mit sehr hohem Anteil Freiwilliger Feuerwehren zu einer Neuorientierung in der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr zwingen. Neben neuen technischen Entwicklungen bei der Ausrüstung der Kräfte der Gefahrenabwehr und der Brandfrüherkennung sowie alle Bevölkerungsschichten und Altersgruppen umfassenden Maßnahmen zur Prävention von Bränden muss in Zukunft der Schwerpunkt vor allem auf ein ganzheitliches Sicherheitsmanagement und eine Betriebliche Gefahrenabwehr in den Unternehmen gesetzt werden.
Wer ist im Ernstfall da?
Die Mitarbeiter und Führungskräfte eines betroffenen Unternehmens sind in der Regel noch vor dem Eintreffen der professionellen Retter vor Ort und könnten effiziente Erstmaßnahmen zur Begrenzung des Schadensereignisses einleiten und den Einsatz von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst optimal vorbereiten.

Allerdings sind sie auf schnelles, konzentriertes Handeln bei Bränden, Havarien, Explosionen oder Terroranschlägen nicht vorbereitet. Da für diese Personen häufige Realeinsätze unter Extrembedingungen nicht zu erwarten sind, wird sich auch kein Trainingseffekt nach dem Motto „learning by doing“ einstellen können.

Die Kenntnisse über mögliche Gefahrenpotentiale und -szenarien sowie die Vorgehensweise der „professionellen“ Retter sind meist sehr begrenzt. Betriebliche Gefahrenabwehrkonzepte sind nur selten praxis- bzw. realitätsnah überprüft. Bei Schadensereignissen in Sport- und Freizeiteinrichtungen, Hotels und Gaststätten, Einkaufszentren, Verkehrsbetrieben, Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen werden die Mitarbeiter und Führungskräfte zu „Hoffnungsträgern“ für die Besucher, Patienten, Passagiere usw. und müssen Verantwortung für Leben und Gesundheit der Betroffenen übernehmen.

Die detaillierte Auswertung von unterschiedlichen Schadensereignissen zeigt, dass fachliche Kenntnisse über Maßnahmen zur Gefahrenabwehr zwar notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung für richtiges Handeln sind: Wichtig ist die Fähigkeit, fachliches Wissen unter psychischem und physischem Stress „abzurufen“. Für die effiziente Ausführung von Maßnahmen der betrieblichen Gefahrenabwehr müssen die Mitarbeiter und Führungskräfte lernen, die relevanten Sicherheitsbestimmungen zu beherrschen, Gefahrensituationen zu erkennen, mögliche Entwicklungen einzuschätzen, notwendige Sofortmaßnahmen unter Beachtung des Eigenschutzes einzuleiten und neue Reaktionsmuster bei Gefahr zu entwickeln.

Die Geschäftsführung eines Unternehmens muss in die Lage versetzt werden, innerhalb kürzester Zeit alle Maßnahmen zur Wiederherstellung des „Normalzustandes“ (Business Continuity) zu beschließen, durchzuführen und die Umsetzung zu kontrollieren. Dazu ist es sinnvoll, betriebliche „Krisenstäbe“ einzurichten und realitätsnah zu trainieren. Ein wichtiger Bestandteil dieser Krisenstabsarbeit ist eine offensive Informationspolitik gegenüber den Mitarbeitern, der Bevölkerung, den Medien und der Konzernleitung.

Ein Imageschaden, hervorgerufen durch eine falsche Informationspolitik, wirkt sich nachhaltig auf den Unternehmenserfolg aus und ist nur durch aufwändige, kostenintensive Maßnahmen zu korrigieren.
Training für Management und Mitarbeiter Die Dräger Safety hat eine Reihe von Ausbildungs- und Trainingsangeboten entwickelt und in den Markt eingeführt, die konkrete Zielstellungen für Maßnahmen der betrieblichen Gefahrenabwehr verfolgen (siehe Aufstellung am Ende des Artikels):
1. Entwicklung von Handlungskompetenz, trotz extremen Stressbelastungen, Mangel an Routine und „fremdem“ Einsatzgebiet 2. Herausbildung von Führungskompetenz, u. a. durch Sammeln, Verarbeiten und Weiterleiten von handlungssteuernden Informationen, Treffen von Entscheidungen, sowie Sicherstellung und Kontrolle der Umsetzung dieser Entscheidungen 3. Situationskompetenz bei der Erfüllung von „ungewöhnlichen“ Aufgaben in Gefahrensituationen 4. Kenntnis der Vorgehensweise der professionellen Rettungskräfte und optimale Vorbereitung für deren Einsatz
Verschiedene Seminar- und Trainingsangebote
Zu diesen Ausbildungs- und Trainingsangeboten gehört u. a. ein umweltfreundliches Training in der Handhabung tragbarer Feuerlöscher, mit dem kostengünstig innerhalb kurzer Zeit alle Mitarbeiter eines Unternehmens praktische Erfahrungen in der Bekämpfung von Entstehungsbränden erwerben können.
Bei der Ausbildung von Brandschutz- und Evakuierungshelfern werden Kenntnisse über gesetzliche Bestimmungen zum Brand-, Arbeits- und Gesundheitsschutz, zu erforderlichen Sofortmaßnahmen, wie der Hausalarmierung, über Erstmaßnahmen zur Brandbekämpfung und die Evakuierung der betroffenen Bereiche bis zum Eintreffen von Polizei und Feuerwehr vermittelt. Für Unternehmen ohne eigene Werkfeuerwehr bildet die Dräger Safety betriebliche Sicherheitsteams aus, die mit im Unternehmen vorhandenen Notfallausrüstungen Erstmaßnahmen zur Eingrenzung des Schadensereignisses ergreifen und damit zur Verkürzung eines eventuellen Produktionsstillstandes beitragen. Das „Training für das Verhalten in Gefahrensituationen“ richtet sich vor allem an die Führungskräfte der Unternehmen. Die Teilnehmer erleben reale Stresssituationen und werden dabei von erfahrenen Verhaltenstrainern geführt und von speziell ausgebildeten Sicherheitsfachleuten betreut. Zielgruppe des Seminars „Krisenmanagement und Krisenkommunikation“ sind Führungskräfte von Unternehmen, Behörden und Verwaltungen.
Die Seminarteilnehmer erstellen Analysen von Krisen- und Störfallpotentialen und deren Wirkung in Medien und der Öffentlichkeit, betreiben Fallstudien bzw. untersuchen frühere branchenspezifische Krisenfälle und trainieren die Planung, Umsetzung und Kontrolle von Maßnahmen im Rahmen von „Back To Normal“.
Weitere Seminarinhalte sind: – Krisenmanagement- und Medientraining der Führungskräfte und Pressesprecher – Spezifisches Training für Mitarbeiter von Pressestellen, Krisenmanagement und Hotline – Unternehmensspezifische Plan- und Rollenspiele – Realistische Fallübungen, Simulation von Ereignissen – Medien-Intensivtraining/Einzel-Coaching
Dräger Safety Star
Die Dräger Safety AG & Co. KGaA hat einen „Dräger Safety Star“ kreiert, der an die Unternehmen verliehen wird, die neben der Erfüllung der Sicherheitsauflagen besondere Maßnahmen im Rahmen einer betrieblichen Gefahrenabwehr umsetzen und damit ihren Gästen, Besuchern, Kunden und Mitarbeitern ein hohes Sicherheitsniveau bieten. Vor dem Hintergrund der weltweit steigenden Sicherheitsbedürfnisse erlangt der Dräger Safety Star immer größere Bedeutung.
Fazit
Es gibt existenzgefährdende Risiken, bei denen der Bereich Unternehmenssicherheit durch ein ganzheitliches Sicherheitsmanagement und die Organisation, Vorbereitung und Durchführung von Maßnahmen der betrieblichen Gefahrenabwehr geeignete Mittel zur Abwehr bereithält. Die Unternehmenssicherheit ist ein wesentlicher Produktionsfaktor geworden, der den Unternehmenserfolg langfristig sichert und die Attraktivität des Produktionsstandortes erhöht.
Leistungsangebot der Dräger Safety – Erstellung von Dokumenten und Überprüfung des Systems der betrieblichen Gefahrenabwehr – Training des Verhaltens in Gefahrensituationen –Training für Krisenmanagement und Krisenkommunikation – Umgang mit tragbaren Feuerlöschern – Räumungs- und Evakuierungsübungen – Ausbildung von Brandschutzhelfern, Evakuierungshelfern und betrieblichen Sicherheitsteams – Arbeiten in engen Räumen für Aufsichtsführende, Einsatzleiter und Mitarbeiter – Arbeiten und Retten an zeitweilig hoch gelegenen Arbeitsplätzen unter Zuhilfenahme von Seilen – Gefahrstoffmanagement
Dr. Peter Schmiedtchen
Dräger Safety AG & Co. KGaA
peter.schmiedtchen@draeger.com

zurück drucken weiterempfehlen
     

Dräger Safety AG & Co. KGaA
Revalstraße 1
23560 Lübeck
Deutschland
Telefon:+49 (0)451/ 882-0
Fax:+49 (0)451/ 882-2080

Diesen Artikel als PDF herunterladen