|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Rund 160 Teilnehmer besuchten in Basel eine von der Dräger Safety Schweiz AG
organisierte ganztägige Informationsveranstaltung, die dem Thema „Chemiewehreinsatz: Gefahren durch Chemikalien am
Einsatzort“ gewidmet war. Dank großzügiger Unterstützung durch die Werkfeuerwehr der Johnson Controls AG kamen die Teilnehmer nicht nur in den Genuss einer informativen Mischung aus Referaten, Einsatzmittelpräsentation
und Experimentalvorträgen, sondern konnten auch einen
simulierten Chemiewehreinsatz live miterleben.
In seiner kurzen Begrüßungsansprache im Kongresszentrum Basel erinnerte Urs J.
Weder, Geschäftsführer der Dräger Safety Schweiz AG, das aus der ganzen Schweiz
angereiste Fachpublikum daran, dass mit Blick auf die jüngsten Verwüstungen und
Überschwemmungen im Berner Oberland aber auch in der Zentral- und Ostschweiz
sowie in Graubünden wieder einmal offensichtlich werde, dass Feuerwehren im
Ereignisfall weit mehr zu leisten hätten, als Brände zu bekämpfen.
Die Abwehr von Schäden durch unerwartet auftretende Ereignisse, die Infrastrukturbauten, Liegenschaften oder gar Menschen in ihrer Unversehrtheit beeinträchtigen, könne nämlich oft nur von den vor Ort präsenten Feuer- oder Schadenwehren geleistet werden.
Nicht immer sei der Dienst an der Allgemeinheit von Erfolg gekrönt, fuhr Urs J.
Weder in seinen Ausführungen fort. Bisweilen seien leider die unbändigen
Naturkräfte stärker und bringen Tod und Verwüstung mit sich, wie ein Erdrutsch im
luzernischen Schwändi fünf Tage zuvor schmerzhaft vor Augen führte. Zwei Angehörige der Feuerwehr Entlebuch hatten bei diesem tragischen Naturereignis ihr Leben verloren.
Weder richtete sein Augenmerk wieder auf das Veranstaltungsthema, für das Basel
nicht zufällig als Veranstaltungsort ausgewählt worden sei. Die Begründung folgte
auf dem Fuß: „Wo anders hätte das Thema „Chemiewehreinsatz: Gefahren durch
Chemikalien am Einsatzort“ – buchstäblich nahe liegender – behandelt werden können, als in Basel, der heimlichen Hauptstadt der chemisch-pharmazeutischen
Industrie?“ Ungeachtet dessen bestehe natürlich überall, wo Chemikalien verarbeitet, transportiert oder gelagert werden, ein latentes Gefahrenpotential. Die Betreiber entsprechender Anlagen hätten deshalb zweckdienliche Vorkehrungen für die Vermeidung oder Verminderung schädlicher Emissionen für den nie auszuschließenden Unglücksfall zu treffen.
Neben Investitionen in geeignete Infrastrukturmaßnahmen sei dabei insbesondere der Ausbildung und Ausrüstung von im Ernstfall zuständigen (Betriebs-)Feuerwehren größte Aufmerksamkeit zu schenken. Dieses Thema dominiere
deshalb aus gutem Grund die aktuelle Informationsveranstaltung.
Mit dankenden Worten richtete sich Weder zum Abschluss an Major Jürg Hasler,
Feuerwehrkommandant Werke Basel der Johnson Controls AG, für die großzügige
Unterstützung der Veranstaltung, ohne die ein Anlass dieser Art und Größenordnung
nicht stattfinden könnte. Dann teilten sich die Seminarteilnehmer in Gruppen auf,
um im Wechsel an den verschiedenen Veranstaltungsmodulen im Kongresszentrum
sowie auf dem Werksgelände der chemischen Industrie teilzunehmen. |
|
|
|
|
|
Tagungsprogramm
Mit „Schadstoffmessungen im Chemiewehreinsatz“ beschäftigte sich das Referat
von Oberleutnant Hans Stettler, Laborleiter Chemische Entwicklung bei der Novartis
Pharma Schweiz AG sowie Chef Messzug der Feuerwehr Johnson Controls. Einleitend
führte Stettler anschaulich aus, weshalb es unabdingbar sei, im konkreten Ereignisfall die in die Umwelt gelangten Schadstoffe sowie deren grundsätzliche Wirkungsweise zu kennen, um darauf aufbauend mit Hilfe von Messungen die konkrete Gefährdung effizient und vor allem korrekt abschätzen
zu können.
Wichtige Parameter, die im Rahmen einer Gefährdungsanalyse ebenfalls berücksichtigt werden müssen, seien zudem die Größe und Art des Schadenereignisses sowie die meteorologischen Bedingungen in der betreffenden Region. Gefährdungsanalysen beruhen auf unterschiedlichen Schadstoffausbreitungsmodellen, die alle ihre spezifischen Vor- und Nachteile aufweisen.
Bei Johnson Controls wird das Modell SAFER (computergestütztes Gasausbreitungsmodell mit drei Wetterstationen) eingesetzt. Die Vorteile des mobilen, technisch aufwendigen und deshalb teuren Systems liegen darin, dass
die Modellrechnungen unterschiedliche Quellstärken und Leckagen (z. B. Lachenverdampfung, Kaminabgas, spontane oder kontinuierliche Freisetzung) berücksichtigen können. Zudem werden für eine situative Lagebeurteilung auch die aktuellen Meteo-Verhältnisse sowie die Topographie beachtet. Mit Nachdruck verwies Hans Stettler in seinen Ausführungen allerdings auch darauf, dass eine Schadstoffausbreitungsberechnung keine Messungen ersetzen
könne. Sie zeige aber, wo eine Gefährdung in welchem Ausmaß besteht und wo deshalb Messungen durchgeführt werden müssten.
Für diesen Zweck stehen der so genannten Regio-Messgruppe Basel, einem Notfall-Einsatzelement mehrerer Chemie- und Pharmafirmen aus der Region, eine breite Palette an Messfahrzeugen und Messgeräten zur Verfügung. Das Aufgabenspektrum
der Regio-Messgruppe reicht im Ereignisfall von qualitativen und quantitativen Schadstoffmessungen im MAK-Wert-Bereich über Strahlenschutzaufgaben bis
hin zur Abschätzung von Schadstoffausbreitungen. Hierzu werden gezielt und
systematisch Proben von Gasen, Flüssigkeiten und Feststoffen genommen und die
Messresultate sowie die im Einzelfall getroffenen Maßnahmen minutiös protokolliert.
Diese Dokumentation dient der Einsatzleitung von Betriebswehren für deren Entschlussfassung sowie im Nachgang zu einem Schadenfall zur Rekonstruktion der
Ereignisse. Mit den chemischen und physikalischen Gefahren, die bei Feuerwehreinsätzen auftreten können, beschäftigte sich der mit
viel Spannung erwartete Experimentalvortrag „Feuer und Explosionen“ von Christoph Kaupp, Fachstellenleiter Ereignisbelange bei der Hoffmann-La Roche AG, und von Dr. Klaus Schwenzfeuer, Fachstelle Technische Sicherheit der Hoffmann-La Roche AG.
Mit seinem einleitenden Statement, wonach jeder Feuerwehreinsatz angesichts
der zahlreichen Gefahrstoffe zu Hause sowie am Arbeitsplatz eigentlich ein
Chemiewehreinsatz sei, überraschte Christoph Kaupp das aufmerksame Publikum.
Wichtig sei ihm deshalb, die Bedeutung und Eigenheiten der drei erforderlichen
Grundlagen für das Zustandekommen von Bränden oder Explosionen – nämlich Sauerstoff, Brennstoff und Zündquelle – näher zu beleuchten. Mit Hilfe
einiger verblüffender Experimente verdeutlichte Christoph Kaupp anschließend sein
Votum, wobei die Seminarteilnehmer mehr als einmal froh waren, dass sich seine
Brand-, Explosions- und Flashover-Experimente stets im Rahmen einer sicheren
Übungsanlage abspielten.
Der „Erdung elektrostatisch aufgeladener Objekte“ widmete sich schließlich der
zweite Teil des Experimentalvortrages. |
|
|
|
|
|
In diesem demonstrierte Dr. Klaus
Schwenzfeuer anhand verschiedener
Versuchsanordnungen die unterschiedlichsten
Ursachen für elektrostatische Aufladungen
von Gegenständen sowie deren
gewollte und ungewollte Entladung. Dem
Thema „Ableitung elektrostatischer Ladungen“
während eines Feuerwehr- oder
Chemiewehreinsatzes wurde viel Platz
eingeräumt. Dabei war es für viele Seminarteilnehmer
überraschend, dass elektrostatische
Ladungen offensichtlich nicht nur mit
dem ihnen bekannten Erdungskabel, sondern
durchaus auch mit alternativen und
teilweise vielleicht sogar etwas unkonventionellen
Methoden und Hilfsmitteln gefahrlos
abgeleitet werden können. Der
Erkenntnisgewinn aus dem Tagungsmodul
„Feuer und Explosionen“ wird deshalb so
manchem Seminarteilnehmer bei einem
kommenden Ernsteinsatz gute Dienste
leisten. |
|
|
|
|
|
Generalstabsmäßig geplant und auf die
Minute genau wurden die Teilnehmergruppen
zwischen den Veranstaltungsmodulen
im Basler Kongresszentrum abwechslungsweise
mit Bussen in die Feuerwache
Klybeck der Feuerwehr Johnson Controls
AG gefahren, wo ein informativer Themenparcours
auf sie wartete. An vier Arbeitsposten
demonstrierte die Berufsfeuerwehr
ihre modernen Einsatzmittel sowie deren
Beitrag im Rahmen eines Chemiewehreinsatzes. |
|
|
|
|
|
Speziell behandelt wurden die Themen
Messtechnik, Sonderlöschmittel, C-Wehr-
Material und Dekontamination. Zusätzlich präsentierte Oberleutnant Marcel Scheffbuch im Nachgang zu einem Videofilm über das Einsatzspektrum der Feuerwehr von Johnson Controls deren Fünf-Phasen-Einsatzplan.
Nach dem Mittagessen erfolgte der erneute
Transfer mit Bussen auf das Werksgelände
von Johnson Controls in Klybeck, wo sich
rund 30 Angehörige der Berufs- und Milizfeuerwehr
der Johnson Controls AG für die
Demonstration eines Chemiewehreinsatzes
bereit hielten. Als Übungsanlage wurde der
Rangierunfall zwischen einer Bahnzisterne,
beladen mit einem brennbaren Lösungsmittel,
und einer Straßenzisterne simuliert.
Um den Übungsablauf so realistisch wie
möglich zu gestalten, wurden sämtliche
Phasen des am Vormittag präsentierten Einsatzplans durchlaufen. Dank dem Live-
Kommentar von Major Jürg Hasler waren
die in sicherer Entfernung postierten Seminarteilnehmer
jederzeit in der Lage, alle
Einsatzphasen detailliert mitzuverfolgen.
Der eine oder andere Seminarteilnehmer
war angesichts der sommerlichen Temperaturen
wohl auch froh, den Einsatz nicht
selbst im Chemieschutzanzug leisten zu
müssen. Entsprechend groß und herzlich
war zum Abschluss der erfolgreich und
unfallfrei verlaufenden Einsatzdemonstration
der Dank und Applaus an die Kameraden
von der Feuerwehr der Johnson
Controls AG. |
|
|
|
|
|
Zusammenfassung
Zusammenfassend vermittelte das Dräger-Seminar zum Thema „Chemiewehreinsatz:
Gefahren durch Chemikalien am Einsatzort“ einen komprimierten und informativen Überblick über die Rahmenbedingungen, die für die erfolgreiche Bewältigung eines potentiellen Chemiewehreinsatzes gegeben sein müssen. So haben die Seminarteilnehmer nicht nur aus berufenem Mund, sondern auch mit Hilfe der Experimentalvorträge anschaulich erfahren, dass hierfür unter anderem viel Know-how über chemische Stoffe und über deren Wirkungsweise und Reaktionspotential unerlässlich ist. Ebenso konnte den Teilnehmern spätestens im Rahmen des simulierten Chemiewehreinsatzes eindrücklich vermittelt werden,
dass der korrekten und vielfach geübten Einsatztaktik im Ernstfall eine große Bedeutung zukommt und dass vor allem spezielles Gerät sowie persönliche Schutzausrüstung zeitgerecht zur Verfügung stehen müssen, um neben der Umwelt auch die Einsatzkräfte vor Chemiegefahren schützen zu können.
Diese Voraussetzungen scheinen zumindest bei den Feuerwehrprofis in der Basler Chemie gegeben zu sein, obgleich zu hoffen bleibt, dass
sie noch lange bei keinem Großereignis in der Region (erneut) unter Beweis gestellt werden müssen. Das einmal jährlich stattfindende Dräger-Seminar dient dem interdisziplinären Informationsaustausch im Bereich „Safety Management“. |
|
|
|
|
|
René David
Dräger Safety Schweiz AG
rene.david@draeger.com |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
Dräger Safety AG & Co. KGaA |
|
|
Revalstraße 1 |
|
|
23560 Lübeck |
|
|
Deutschland |
|
|
|
Telefon:+49 (0)451/ 882-0
Fax:+49 (0)451/ 882-2080
|
|
|
|