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D Dräger. Die Geschichte des Unternehmens Johann Heinrich Dräger (1847 –1917) Dr. Bernhard Dräger (1870 –1928) Dr. Heinrich Dräger (1898 –1986) Inhalt Gründerjahre: Von der Erfinderwerkstatt zum 04 Spezialisten für Medizin- und Sicherheitstechnik Zeit der Umbrüche: Zwischen innovativen 10 Herausforderungen und politischen Zwängen Neuanfang: Mit modernen Ideen die Zukunft 20 gestalten Globalisierung: Neuausrichtung zum global 30 agierenden Technologieführer Dr. Christian Dräger (* 1934) Theo Dräger (* 1938) Stefan Dräger (* 1963) Technik für das Leben seit über 120 Jahren Dräger ist Technik für das Leben. Mit all unserer Leidenschaft, unserem Wissen und unserer Erfahrung tragen wir jeden Tag Verantwortung dafür, das Leben ein Stück besser zu machen: mit exzellenter und zukunftsweisender Technik, die zu hundert Prozent für das Leben da ist. Für die Menschen, die unserer Technik überall auf der Welt Leben anver- trauen, für unsere Umwelt und für unsere gemeinsame Zukunft. Die Grundlagen für den kontinuierlichen Erfolg des Lübecker Unternehmens sind eine klare Fokussierung auf die zu den Zukunftsbranchen zählenden Arbeitsgebiete Medizin- und Sicherheitstechnik, die bereits frühe Ausrichtung auf internationale Märkte und vor allem der Aufbau und Erhalt des Vertrauens bei Kunden, Mitarbeitern, Aktionären und der Öffentlichkeit. An der Spitze des Unternehmens standen stets unternehmerische Persönlichkeiten der Familie Dräger, die den immer neuen Herausforderungen verantwortungsvoll und mit Weitblick begegneten: Johann Heinrich Dräger, Dr. Bernhard Dräger, Dr. Heinrich Dräger, Dr. Christian Dräger, Theo Dräger und nunmehr Stefan Dräger. Das gesunde Wachstum des Familienunternehmens war und ist stets das oberste Ziel und prägt die Unternehmens- entscheidungen bis heute. 1889 von Johann Heinrich Dräger gegründet, wird das Familienunternehmen seit dem Jahr 2005 in fünfter Generation von Stefan Dräger als Vorstandsvorsitzendem geführt. Wie seine Vorgänger auch, setzt er auf die vier Stärken des Unternehmens: enge Kundenbeziehungen, ständige Innovation, hohe Qualität und Kompetenz bei jedem einzelnen Mitarbeiter. Stärken, die die Marke Dräger bis heute prägen. 3 Gründerjahre: Von der Erfinderwerkstatt zum Spezialisten für Medizin- und Sicherheitstechnik 4 Um 1900 Die ›Alte Fabrik‹ in der Moislinger Allee, Lübeck. 5 1889– 99 1891 Der Postbote überbringt Johann Heinrich Dräger ^ das Patent auf das ›Lubeca-Ventil‹. › 1889 Die Patentschrift. Das ›Lubeca-Ventil‹ begründet die Technologieführung des Unternehmens im Bereich der Druckregulierung von Gasen. Steigende Beginn der Markterfolg des Gründung Laden- und Werk- ›Konkurrenzventil‹ – Weiterent- Verkaufszahlen – Manometer-Fertigung ›Original-Bierautomaten‹ stattbetrieb ›Dräger & Gerling‹ wicklung der Basistechnologie Einführung des Zweischicht- Kohlensäure-Druckminderer Heinrich Dräger wird alleiniger betriebs ›Lubeca-Reduzierventil‹ Inhaber Eintritt des Sohns Bernhard Dräger als Konstrukteur 6 eine weit überlegene Neuentwicklung: Das ›Lubeca-Ventil‹. Nun 1889 ist es erstmals möglich, einer Hochdruckflasche genau regulier- Das erste Patent bar Kohlensäure zu entnehmen – bei deutlich reduziertem Gewicht des Ventils: Während die Konkurrenzprodukte erheblich Als Johann Heinrich Dräger am 1. Januar 1889 mit einem mehr wiegen, liegt die Dräger-Technik nur bei zwei Kilogramm. Geschäftspartner die Lübecker Firma ›Dräger und Gerling‹ grün- Mit diesem ersten Patent ändert sich der Geschäftszweck der det, kann der bereits 42-jährige Geschäftsmann auf einen für die jungen Firma. Zeit beispielhaften Aufstieg zurückblicken. Geboren als Sohn eines Uhrmachers, wuchs er nach dessen frühem Tod als Halb- Heinrich Dräger, im Herzen Mechaniker, fasst den risikoreichen waise in den einfachen Verhältnissen eines Dorfs an der Elbe Entschluss, seine Entwicklung nicht zu verkaufen, sondern selbst auf, wo er die Volksschule besuchte. Doch industrielle Revolution herzustellen und zu vermarkten. Mit Erfolg – aus einem Handels- und Gründerzeit eröffneten dem begabten und ehrgeizigen haus wird ein Industrieunternehmen. Mechaniker Chancen, die er zu nutzen wusste. Beginnend mit kleinen Reparaturarbeiten fand er schließlich als Kaufmann für Maschinen aller Art seinen Platz in der Lübecker Gesellschaft – 1899 ein Lebenslauf, der ihm in seiner Loge den Namen ›self, der Sauerstoff ist die Zukunft made man‹ einbrachte. Und doch war diese Karriere nur das Vorspiel für die eigentliche Erfolgsgeschichte Drägers. Sauerstoff. Das ist das Zukunftsthema, in dem Bernhard Dräger, der Sohn des Gründers, die bis heute gültige Leitidee des Unter- Die neue Firma war als Vertriebsgesellschaft für Einrichtungen nehmens entdeckt: Technik für das Leben. Er erkennt das und Neuheiten, z. B. Bierzapfanlagen, gegründet worden: Potenzial eines jungen Markts, der um die Jahrhundertwende Bierzapfanlagen, die mit komprimierter Kohlensäure arbeiten. durch technische Neuerungen gerade erst entsteht: die Anwen- Stahlflaschen konnten seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhun- dung von komprimiertem Sauerstoff für Medizin und Sicherheit. derts unter hohem Druck mit Gasen befüllt werden – ein Pro- Bernhard Dräger entdeckt im Prinzip der Druckreduzierung eine blem blieb es aber, das Gas mit geringem Druck wieder geregelt Basistechnologie, die für unterschiedlichste Produkte von der und gefahrlos zu entnehmen. Auch die von Dräger vertriebenen Löt- und Schweißtechnik bis hin zu Beatmungs- und Atem- Apparate erfüllen ihre Aufgabe nur schlecht: Das Gas – und schutzgeräten verwendet werden kann. Bernhard Dräger wird im damit das Bier – fließt unkontrollierbar und ungleichmäßig, die Unternehmen des Vaters die prägende Erfinder-Persönlichkeit. Ventile sind oft schadhaft und müssen repariert werden. Unzu- Das Wissen aus seinem Studium der Chemie und Physik in frieden mit der fremden Technik beginnt Dräger gemeinsam mit Berlin bringt er direkt in das sich entwickelnde Unternehmen ein. seinem Sohn Bernhard, der gerade eine Lehre als Mechaniker Unter seiner Leitung beginnt Ende der neunziger Jahre eine absolviert hatte, an einer Verbesserung zu arbeiten. Ergebnis ist umfangreiche Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Erste Ergeb- nisse dieser gezielten Produktentwicklung kommen 1899 auf den Markt: Der ›Oxygen-/Hydrogen-Automat‹, ein Reduzierventil zur Dosierung von Sauer- und Wasserstoff, und das ›Finimeter‹, ein Hochdruckmanometer, mit dem sich erstmals der genaue Füllstand in Sauerstoffflaschen anzeigen lässt. Lebenswichtig für jeden, der seine Atemluft aus einer Gasflasche bezieht. Durchsetzung einer Betriebliche Geburt Heinrich Drägers Autogener Schweiß- und ›Finimeter‹ und Industrienorm für Unterstützungskasse ›Hülfe‹ (2. Juli 1898) Schneidbrenner ›Oxygen-/Hydrogen-Automat‹ Anschlussgewinde Bau der Fabrik an der Druck-Saugdüse ›Sauerstoff- Grundlagenforschung Moislinger Allee, Lübeck Injektor‹ Sauerstoffdosierung Zusammenarbeit mit Dr. Otto Roth (Chirurg) 7 1900 – 09 1902 1906 Die Zähmung der Narkose Das Grubenunglück von Courrières Professor Dr. Otto Roth führt einen der weltweit ersten Narkose- Am 10. März erschüttert eine gewaltige Explosion das Steinkohle- apparate mit kontinuierlicher Sauerstoffzufuhr auf dem deutschen bergwerk nahe der französischen Stadt Courrières. Rund 1.600 Kongress für Chirurgen in Berlin vor. Bis dahin führten Ungenauig- Männer arbeiten zu diesem Zeitpunkt unter Tage. Sofort werden keiten in der Dosierung der Gase zu gefürchteten Nebenwirkungen zahlreiche Rettungsmannschaften angefordert; auch deutsche bei der Narkose: Sauerstoffmangel, Atemstillstand oder Kreislauf- Grubenwehren eilen ihren französischen Kumpeln zur Hilfe. Ein stillstand drohten dem Patienten während der Operation. Mit dem Akt der Solidarität, der im Zeitalter des Nationalismus hohes Auf- ›Roth-Dräger‹-Narkoseapparat gelingt es erstmals, eine zuverlässig sehen erregt. Für die meisten Minenarbeiter kommen die Retter kontrollierbare Mischung aus Sauerstoff und Narkosemitteln wie zu spät: Über 1.000 sterben in dem Inferno aus Flammen, Giftgas, Äther und Chloroform zu erreichen und die Narkose so beherrsch- einstürzenden Grubenbauten und Wassereinbrüchen. Doch Tag für bar zu machen. Ein Meilenstein in der Geschichte der operativen Tag werden noch Männer geborgen – ausgerüstet sind die franzö- Medizin, der für das Unternehmen einen wichtigen wirtschaftlichen sischen Rettungsmannschaften auch mit Dräger-Atemschutz- Erfolg bedeutet: In den folgenden zehn Jahren werden 1.500 der geräten. Schon 1904 hatte Bernhard Dräger in Testserien die bis Geräte in alle Welt verkauft und begründen den internationalen dahin unzulänglichen Werte über den Atembedarf des Menschen Ruf des Drägerwerks als Pionier der Medizintechnik. Ein weiteres korrigiert. Auf dieser Basis entstanden die ersten praxisgerechten wichtiges Ergebnis ist für das Unternehmen der Erfolg der engen Atemschutzgeräte, die in enger Zusammenarbeit mit den Gruben- interdisziplinären Zusammenarbeit mit medizinischen Praktikern. wehren weiterentwickelt wurden. So reist Bernhard Dräger selbst Ein Weg, den das Drägerwerk konsequent weiter beschreiten wird. nach Courrières, um dort unter Tage eigene Erfahrung mit den ‹‹ 1904 Physiologische Untersu- chungen stehen am Anfang der Entwicklung der Atemschutzgeräte. ‹ 1906 Grubenwehrmann mit Atemschutzgerät beim Unglück in Courrières. Sauerstoffversorgungsgerät Kalklichtanlage ›Roth-Dräger‹-Narkoseapparat Erster Bergbau-Atemschutzgerät für Höhenflüge (Knallgaslampe) Sicherheitsschweißbrenner ›1904/09‹ (›Draegerman‹) Tragbares Sauerstoff- Techniktransfer: Inhalationsgerät Simulationsanlage für Einführung eines Gewinn- systematische Erschließung Tauchversuche bis 200 Meter beteiligungsmodells Gründung ›Drägerwerk, neuer Anwendungsfelder Heinr. & Bernh. Dräger‹ Physiologische Untersu- chungen für den Atemschutz 8 ^ 1902 Otto Roth (Dritter von links) Arbeitsbedingungen der Rettungsmannschaften zu machen. Die mit dem ›Roth-Dräger‹-Narkoseapparat. neuen Rettungsmöglichkeiten durch die Dräger-Geräte, die sich bei mehreren Grubenunglücken in Europa und den USA spektaku- lär bewähren, machen das Unternehmen in seinen Geschäfts- feldern zum Technologieführer, so dass sich im nordamerikanischen Sohn Bernhard entwickelt. Der große Erfolg hat seinen Grund in Bergbau als Bezeichnung für Rettungsmannschaften der Ausdruck den völlig neuen technischen Möglichkeiten: Der leicht trans- ›Draegermen‹ durchsetzt. portable ›Pulmotor‹ macht erstmals die Wiederbelebung von Menschen möglich, die durch Sauerstoffmangel das Bewusstsein verloren haben. Eine neue Überlebenschance für Unfallopfer, die man bisher oft verlorengeben musste. Die Berichte über Wieder- 1909 belebungen durch den ›Pulmotor‹ beschreibt Dräger selbst als Überlebenschancen in Serienproduktion ›märchenhaft‹. Der ›Pulmotor‹ markiert den vorläufigen kommer- ziellen Höhepunkt einer Entwicklung, in deren Verlauf das Das Beatmungsgerät ›Pulmotor‹ entwickelt sich für die junge Firma Drägerwerk die wirksame, technisch ausgereifte Anwendung des zum Verkaufsschlager – nur zwei Jahre zuvor hatte Johann Basistherapeutikums Sauerstoff in unterschiedlichsten Gebieten Heinrich Dräger den ›Pulmotor‹ konzipiert und dann mit seinem der Medizin- und Sicherheitstechnik durchsetzt. Kohlensäure-Sensor Überdruck-Operationsapparat ›Pulmotor‹ Acetylenschweißbrenner Sauerstoff-Höhenatmer ›Braun-Dräger‹ ›Dräger-Wiss‹ für Ballonflüge Luftreinigungsanlagen Kalipatrone zur Atemluft- für U-Boote Wasserstoff-Schneidbrenner reinigung Dräger-Ausbrennschutz Tauchretter für U-Boot- Besatzungen Gründung ›Draeger Oxygen 9 Apparatus Co.‹, New York Zeit der Umbrüche: Zwischen innovativen Herausforderungen und politischen Zwängen 10 1910 Arbeiter einer Eisenerzmine der United States Steel Corporation. ›Ein Draegerman zu sein bedeutet, bei einem Bergwerkunglück dem Tod ins Auge zu sehen und aus Feuer, Explosionen, Wassereinbrüchen oder Einstürzen Leben zu retten.‹ (Autorin Clara Dennis in ihrem Buch ›The Quest for the Soul of Nova Scotia‹ über einen Besuch bei den Draegermen in Stellarton, Nova Scotia, Kanada). 11 1910–19 1913 Ein Pilot wird mit einem ^ ›Pulmotor‹ behandelt. ›› 1913 Die Unterwasser-Simulations- anlage zum Test der weltweit ersten schlauchlosen Tauchgeräte. › 1917 Arbeiterinnen in der Atemschutzgeräte-Produktion. ›Roth-Dräger‹-Mischnarkose- Überdruck-Mischnarkose- Bernhard Dräger wird Selbstretter ›Dräger-Tübben‹ Exportquote: 40 Prozent apparat apparat ›Roth-Dräger-Krönig‹ alleiniger Inhaber Kanada und USA Höhenweltrekord für Sauerstoffinjektorgerät Systematische Tauchversuche Dräger-Kombi-Narkosegerät Flugzeuge (6.120 Meter) mit Gründung einer betriebseige- ›Modell 1910/11‹ Dräger-Höhenatmer nen Arbeitslosenversicherung Schlauchloses Tauchgerät Einweihung des neuen Ausbruch des Ersten Fabrikbaus Weltkriegs 12 1911 1914 Der Untergang des U-Boots U3 der kaiserlichen Marine 40 Prozent für den Export Am 17. Januar sinkt U3 im Kieler Hafen. Einer der Ballasttanks Im letzten Friedensjahr ist der Anteil der Exporte – vor allem in wurde versehentlich geflutet – 30 Seeleute sind in dem Boot die USA – auf 40 Prozent der Produktion angewachsen. Ständige gefangen. Durch die bei Dräger seit 1905 entwickelte Techno- Innovation und Produktverbesserung festigen die Stellung der logie zur Luftreinigung gelingt es der Mannschaft, lange genug Dräger-Produkte auf den internationalen Märkten: Allein zwischen zu überleben, bis ein Schwimmkran das gekenterte Boot halb 1909 und 1912 meldet Dräger 46 deutsche und 35 internationale aus dem Wasser heben kann. 27 Matrosen können durch ein Patente an. Schon 1907 wurde mit der ›Dräger Oxygen Apparatus Torpedorohr entkommen – nur die im Turm gefangenen Offiziere Co.‹ eine Niederlassung in New York gegründet. Diese internatio- überleben das Unglück nicht. Die Sicherheit der Besatzungen nale Ausrichtung macht den Ausbruch des Ersten Weltkriegs für der gerade aufkommenden U-Boote war ein naheliegendes das Drägerwerk zu einem besonders einschneidenden Ereignis: neues Betätigungsfeld des Drägerwerks. Die 1907 entwickelte Ein Großteil des bisherigen internationalen Absatzmarkts fällt weg – Kalipatrone etwa, mit der große Mengen ausgeatmeter Kohlen- an seine Stelle treten die Anforderungen der Kriegsproduktion. säure gebunden werden konnten, rettete den Matrosen des U3 das Leben. 1916 Gaskrieg an der Westfront 1913 Eine Fabrik mit ›förderlicher Arbeitsatmosphäre‹ Heinrich Dräger, der älteste Sohn Bernhard Drägers, wird nach dem Notabitur ins kaiserliche Heer eingezogen und dient in einem Als Bernhard Dräger die neue, in moderner Hochbauweise aus Feldartillerieregiment an der Westfront. Der junge Soldat überlebt, Stahlbeton errichtete Fabrik einweiht, blickt er auf eine Anlage, in ausgestattet mit Atemschutz aus Dräger-Produktion, mehrere Gas- der sich seine Haltung zu seinen Mitarbeitern manifestiert: Von angriffe. 1915 begann das Drägerwerk im Auftrag des Preußischen Grünflächen umgeben bietet der Bau hohe, von Tageslicht erhellte Kriegsministeriums mit der Entwicklung von Atemschutzausrüs- Räume, weite Flure und Treppen, moderne Aufzüge, ein Telefon- tungen – im Laufe des Kriegs wurden insgesamt 4,6 Millionen netz und großzügige sanitäre Anlagen. Diese fortschrittlichen dieser Atemschutzgeräte hergestellt. Die enorme Nachfrage durch Arbeitsbedingungen finden ihr Gegenstück in Maßnahmen zur Militär und Zivilschutz löst ein sprunghaftes Wachstum aus: Die sozialen Sicherung, die die Familie ihren Mitarbeitern von Beginn Belegschaft vergrößert sich von 300 auf 2.000 Mitarbeiter, neue an bietet: Schon 1897 gründet Johann Heinrich Dräger die betrieb- Gebäude werden errichtet, die Produktion, bisher noch von hand- liche Unterstützungskasse ›Hülfe‹, 1910 tritt eine ›Heimstätten- werklichen Strukturen geprägt, wird der Massenproduktion ange- gesellschaft‹ zur Wohnungsfinanzierung hinzu, und 1914 gründet passt. Der Krieg verwandelt das Unternehmen im Zeitraffer in Bernhard Dräger eine betriebseigene Arbeitslosenversicherung. einen leistungsfähigen industriellen Betrieb. Das Ende des Kriegs bedeutet für die Produktion den Zusammenbruch. Hohe Verluste, Massenentlassungen und Werksstilllegungen sind die Folge. Massenproduktion von Beginn des Gaskriegs Tod Johann Heinrich Drägers Anstieg der Mitarbeiterzahl Kreislaufsystem und Atemschutzmasken (Westfront) (29. Mai 1917) auf über 2.000 Absorberpatrone Fabrikneubau, Neubau der Novemberrevolution in Existenzkrise durch Verwaltung Deutschland und Kriegsende Demobilmachung 13 1920 – 29 ^ 1924 Umsatz auf neuen Exportmärkten: Atemschutzgeräte 1923 vor der Verschiffung in die UdSSR. Das Unternehmen in der Krise Inflation und Wirtschaftskrise zwingen zur Schließung des Werks, 1924 alle Arbeiter müssen entlassen werden. Nach Kriegsende ist der Markt für Dräger-Geräte eng geworden, teilweise muss auf ›Draegerogen‹: Rettender Atem für jeden Kumpel die Produktion von Ersatzgütern wie Wäsche, Kleidung oder Das Bergbauatemschutzgerät ›BG 1924‹ stellt eine kleine Revo- Gardinen umgestellt werden. Viele Konkurrenten hatten in lution dar. Ein großes Problem des Atmens mit tragbaren Lübeck entwickelte Geräte nachgebaut. Dem Verlust der Aus- Geräten war die optimale Dosierung der Sauerstoffmenge: Nötig landspatente, der das Unternehmen tief traf, begegnet Bernhard war eine konstante Dosierung, die durch eine individuelle Lungen- Dräger durch verstärkte Produktinnovation. Anfang der zwanziger kraftdosierung ergänzt wurde. Mit der neuen Technik, die sich Jahre gelingt es so, auf den alten Märkten wieder Fuß zu fassen. schnell als Standard durchsetzt, wird dieses Problem gelöst. Einen Die Schließung im Jahr 1923 ist ein erneuter Rückschlag, aber weiteren Fortschritt stellt die Entwicklung des ›Draegerogen‹ dar, ab 1924 gelingt eine Stabilisierung des Absatzes. Doch auch eines leichten, einfach zu handhabenden Atemgeräts, das ohne 1928 beschäftigt das Unternehmen erst wieder 300 Mitarbeiter. Federführung bei der Erste zentrale Erster Kreislaufnarkose- Einführung der DIN-Norm für Gasversorgungsanlage apparat für Acetylen Anschlussverbindungen Kreislauf-Atemschutzgerät ›BG 1924‹ für den Bergbau Flaschenloses Fluchtgerät ›Draegerogen‹ 14 1923 Wirtschaftskrise: Arbeiter demonstrieren vor dem Werkstor. ^ › 1924 Werbeplakat für das Atemschutzgerät ›BG 1924‹. Sauerstoffflasche auskommt und sich daher ideal für flüchtende ›Modell A‹ weist schon sämtliche Merkmale auf, die bis heute Bergleute eignet. Zentrales Bauteil des Geräts ist eine Natrium- für Narkoseapparate selbstverständlich geblieben sind. superoxid-Patrone, die bei Kontakt mit Atemluft bis zu einer Stunde lang Sauerstoff freigibt. Auch dies eine Technik, die noch heute ihren festen Platz in der Sicherheit unter Tage hat. 1928 Kundenbindung im Zeitalter der Transatlantikdampfer 1926 1928 stirbt Bernhard Dräger. Sein Sohn Heinrich, promovierter Das Kreissystem: Ein neuer Standard im OP Agrarökonom, tritt entschlossen in die Firmenleitung ein. Noch im selben Jahr reist er drei Monate durch die USA und Kanada, Als dem Chloroform überlegen setzte sich Lachgas in den inter- um diese wichtigen Märkte kennenzulernen. Er besucht traditio- nationalen Chirurgiesälen durch. Allerdings war das Gas sehr nelle Abnehmer wie Krankenhäuser, Bergwerke und große teuer, und so wird das von Dräger 1926 vorgestellte Kreissystem Feuerwehren und lernt die Vertretungen des Drägerwerks ken- begeistert aufgenommen. Die Technologie, die es schon Berg- nen. In den dreißiger Jahren folgen zahlreiche Reisen in die USA, männern durch das Prinzip der Rückatmung möglich machte, die Sowjetunion und andere Länder – die enge Anbindung der ausgeatmeten Sauerstoff wieder einzuatmen und so länger im internationalen Kunden und die Kenntnis ihrer Heimatmärkte Einsatz zu bleiben, wird nun auf die Anästhesie angewandt: Das werden ein Erfolgsfaktor des Drägerwerks. Heinrich Dräger ori- ›Modell A‹ ist der erste seriengefertigte Narkoseapparat mit entiert das Unternehmen nachdrücklich am Weltmarkt – bis zu Kreissystem. Ein neuartiger Kohlensäureabsorber säubert die 50 Prozent der Produktion gehen in den Export. Eine Strategie, ausgeatmete Luft, die dann dem Gerät wieder zugeführt wird; die sich während der Weltwirtschaftskrise eindrucksvoll bewährt. hinzu kommt die Möglichkeit der kontrollierten Überdruckbeat- Während die Inlandsnachfrage zusammenbricht, können die mung. Ein Meilenstein in der Geschichte der Anästhesie: Auslandsumsätze die Verluste begrenzen. Kohlensäure-Luft-Inhalations- Narkoseapparat ›Modell A‹ Chemische Tod Bernhard Drägers Dräger-Leichtmetallflaschen gerät Sauerstofferzeugung (12. Januar 1928) im Atemschutz Vorübergehende Stilllegung; Entwicklung Kreislaufgerät Entlassung von 2/3 der Grundlagen Gasmesstechnik Umsatzsteigerung: wieder Dr. Heinrich Dräger für Rettungstaucher Belegschaft 300 Beschäftigte übernimmt Firmenleitung Dr. Heinrich Dräger tritt in Gründung ›Chemische die Firma ein Abteilung‹ 15 1930 – 39 1931 1932 Die Eroberung der Stratosphäre Morgenrot – Ein Drama unter Wasser Der Schweizer Entdecker und Physiker Auguste Piccard wagt Ein deutsches U-Boot sinkt. Zehn Mann sind an Bord, doch nur sich in einer Leichtmetall-Ballongondel in die bisher nicht acht Tauchretter, mit denen man das U-Boot unter Wasser verlas- erreichte Höhe von 15.781 Metern empor. Das Atmen ist dort sen kann. Die dramatisch zugespitzte Geschichte des UFA-Films unmöglich. Realisierbar wird dieses gefährliche Experiment unter ›Morgenrot‹ von 1932 lässt die Bedeutung erkennen, die die im anderem durch Dräger-Technik – eine neu entwickelte Luftreini- selben Jahr perfektionierte Technologie der Atemgeräte von gungsanlage und ein Flüssigsauerstoff-Atemgerät begleiten den Dräger für die Mannschaften der U-Boot-Flotte hatte: Im Fall einer Forscher auf seiner Entdeckungsreise. Sein Flug markiert den Havarie waren sie die einzige Chance, zu überleben. Schon 1907 Beginn einer neuen Ära der Entdeckungen: Die bisher unzugäng- hatte das Drägerwerk einen ersten U-Boot-Tauchretter entwickelt, lichen Tiefen des Meeres und der Weltraum gelangen in Reich- und 1912 stellten Bernhard und Johann Heinrich Dräger den ersten weite. Basis für diese Schritte ins Unbekannte ist die rasante frei tragbaren Tauchapparat vor. Eine wichtige Innovation: Auf den Entwicklung der Atemschutztechnik, an der das Drägerwerk ersten Blick war er kaum von den üblichen Helmtauchgeräten zu maßgeblichen Anteil hat. Schon 1912 hatte Dräger einen ersten unterscheiden. Der wesentliche Unterschied: Der Luftschlauch, der Höhenatmer für Ballonflüge hergestellt – 1914 gelang mit der den Taucher bisher mit einem Versorgungsschiff verband, fehlte, Technik ein früher Höhenweltrekord im Flugzeug. Im Zweiten ebenso die Rückengewichte. An deren Stelle waren zwei Weltkrieg wird die Technik für den Einsatz in Militärflugzeugen Sauerstoffflaschen und ein Absorber getreten. Erstmals konnten weiterentwickelt. sich Menschen längere Zeit unter Wasser frei bewegen – bis zu 40 Minuten. Der Tauch- und Filmpionier Hans Hass entwickelt ab 1939 mit Dräger-Ingenieuren auf Grundlage des Tauchretters den unmittelbaren Vorläufer des heute üblichen Schwimmtauchgeräts. 1937 Die ›Volksgasmaske‹ – Höhepunkt der Rüstungsaufträge Am 5. Juni verkündet Hermann Göring, Reichsbeauftragter für den Vierjahresplan, die Einführung der ›Volksgasmaske‹. Der Ausgabe- preis der Masken beträgt fünf Reichsmark, die Bevölkerung wird in Schulungen und Broschüren im Gebrauch und in der Pflege unter- ‹ wiesen. Glücklicherweise erleben die Volksgasmasken nie einen 1932 Tauchretter – lebens- rettende Standardausrüstung Einsatz im Ernstfall. Ab 1933/34 nahmen die Aufträge des Reichs- für U-Boot-Besatzungen. wehrministeriums an Dräger stark zu, etwa für einen auf den bewährten Grubenselbstrettern basierenden ›Heeresretter‹. Diese Aufträge stellen Heinrich Dräger vor ein Problem: Allein für die Produktion des ›Heeresretters‹ muss eine neue Fabrik gebaut wer- den. Nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs aber fürchtet er Flüssigsauerstoff-Konverter Sauerstoffsystem für Zusammenarbeit mit Bergbau-Atemschutzgerät Expansion zum Konzern für Stratosphärenflug Fallschirmspringer Professor Auguste Piccard ›Modell 160‹ im ›Ersten Vierjahresplan‹ (Höhen- und Tiefseeforscher) Dr. Heinrich Dräger wird Tauchretter für Kohlenmonoxid-Messgerät Ätherdampf-Narkosegerät alleiniger Inhaber U-Boot-Besatzungen ›Dr. Tiegel-Dräger‹ Gründung der ›Studien- ›Dräger-Gegenlunge‹ Finanzhilfen für gesellschaft für Geld und Mitarbeiterwohnungen Dräger-Leichtgasflaschen Kreditwirtschaft‹ durch Dr. Heinrich Dräger – Lobby 16 der ›Keynesianer‹ ^ 1931 Auguste Piccard startet zu seinem Rekordflug in die Stratosphäre. den Aufbau von Überkapazitäten. Damals führte die einseitige Konzentration auf die Rüstungsproduktion zwar zu großen Gewinnen, dann aber fast zum Konkurs der Firma. Zudem sieht das exportorientierte Unternehmen durch die staatliche Autarkie- Umsatzes selbst auf dem Höhepunkt der Aufrüstung 1939 immer politik und den absehbaren Krieg seine gerade zurückerlangte noch 47 Prozent des Gesamtumsatzes aus. 1939 allerdings muss Position auf dem Weltmarkt bedroht. Gleichzeitig hätte eine zu die Entwicklungsarbeit an zivilen Produkten eingestellt werden. starke Zurückhaltung die Aufgabe des heimischen Markts zu Die Folge ist ein technologischer Rückstand auf die internationale Gunsten der Konkurrenz bedeutet. Das Drägerwerk bemüht Konkurrenz nach dem Krieg. sich daher, das Gleichgewicht zwischen der Produktion für den Rüstungs- und den zivilen Bereich zu halten – mit Erfolg: Der zivile Umsatz macht trotz des explodierenden militärischen ›Dräger-Röhrchen‹ zur Unterstützungskasse für Überdruck-Mischnarkose- Einsatz Dr. Heinrich Drägers Beginn des mobilen Gasmessung Krankheits-, Sterbe- und apparat ›Typ MÜ‹ für Verfolgte des Dritten Zweiten Weltkriegs Notfälle Reichs Höhenatmer für Ausweitung der Militärflugzeuge Atemschutzproduktion Fertigungsbeginn Mitarbeiterzahl ›Volksgasmaske‹ überschreitet 5.000 17 1940 – 49 1943 Höhenatmer für Militärflugzeuge. ^ Sowjetunion, Polen oder Jugoslawien. Kriegsgefangene sind mit 1941 nur 50 Personen in der Minderheit. Die Beschäftigung von KZ- Zwangsarbeiter auch bei Dräger Häftlingen, die Heinrich Dräger im Jahr 1944 vom Reichsminis- terium für Rüstung angeboten wird, lehnt er ab. Gleichzeitig Die Beschäftigung von Zwangsarbeitern ist ein dunkles Kapitel schirmt er jüdische Mitarbeiter des Unternehmens wie den deutscher Industriegeschichte. Sie wird vom NS-Staat syste- Philosophen Hans Blumenberg aktiv gegen den Zugriff der matisch organisiert, um die an der Front kämpfenden Industrie- NS-Behörden ab. Er gehört mit dieser Haltung zu den wenigen arbeiter zu ersetzen und so die Kriegsproduktion aufrechtzu- Ausnahmen in der Industrie und erregt das starke Missfallen des erhalten: 1944 stellen sie etwa ein Viertel aller in der deutschen Ministeriums. Erst unter starkem Druck der Kriegsbürokratie Wirtschaft beschäftigten Arbeitskräfte. Im Drägerwerk sind es zu lässt er zu, dass im Zweigwerk Hamburg-Wandsbek ein Außen- diesem Zeitpunkt etwa 1.200 der 7.000 Mitarbeiter, Zivilisten, die lager des KZs Neuengamme eingerichtet wird, in dem 500 KZ- vor allem aus den besetzten Gebieten im Osten stammen – der Häftlinge arbeiten. Wie in allen derartigen Außenlagern unterste- hen die Häftlinge SS-Mannschaften, das Drägerwerk selbst hat kaum Einfluss auf ihre Behandlung. Trotzdem versucht der tech- nische Leiter des Werks mit Rückendeckung Drägers immer wieder, die osteuropäischen Arbeiter und Arbeiterinnen vor den Schikanen der SS zu schützen und erleidet selbst Repressalien. Kostengünstiges Pressluft- Rüstungsbedingte Pause in Produktionsausfälle nach Standard-Sauerstoffsystem 22 Fertigungsstätten mit atemgerät ›Modell 10‹ für der zivilen Entwicklungsarbeit Luftangriff für Militärflugzeuge ca. 7.000 Beschäftigten Kurzeinsätze Konflikt um Beschäftigung von KZ-Häftlingen 18 1947 Der Prototyp der ›Eisernen Lunge‹. ^ › 1942 Zwangsarbeiterinnen im Werk Wandsbek bei der Atemschutzmasken-Produktion. Vor Kriegsende zögert Dräger die Auflösung des Lagers erfolg- Lunge‹ ist eines der ersten Geräte, mit denen man in Lübeck reich heraus, um die Häftlinge vor der Deportation zu schützen. wieder in die Entwicklung ziviler Technologie einsteigt. Mit ihr kann die Überlebensrate bei Atemlähmungen während einer Ende der achtziger Jahre beginnt das Drägerwerk als eines der Polioerkrankung deutlich erhöht werden. Nach der Kapitulation ersten Unternehmen die Thematik der Zwangsarbeit aufzuarbei- im Mai 1945 ist das Drägerwerk der Kontrolle des englischen ten und beteiligt sich auch an der Stiftungsinitiative Deutsche Militärs unterstellt – schon im selben Monat kann die Produktion Wirtschaft zur Entschädigung der Zwangsarbeiter. von Atemschutzgeräten für den Bergbau und von Schweiß- brennern für den Wiederaufbau des Schienennetzes aufgenom- men werden, ein Jahr später stellt das Unternehmen das erste neu entwickelte Lachgas-Narkosegerät ›Modell D‹ vor. Trotzdem 1947 sind die Auswirkungen des Krieges für das Unternehmen ver- Kampf gegen die Kinderlähmung heerend – die Mitarbeiterzahl sinkt bis auf 900 ab, der Abstand zur ausländischen Konkurrenz kann aufgrund des Verlustes von In der Nachkriegszeit bricht weltweit eine schwere Polioepidemie wichtigen Patenten lange nicht aufgeholt werden. aus. Viele Patienten müssen über lange Zeit hinweg ständig beatmet werden – herkömmliche Beatmungsgeräte sind jedoch für einen dauerhaften Einsatz nicht geeignet. Die ›Eiserne Werksschließung und Produktionsneubeginn von Prototyp ›Eiserne Lunge‹ Konstituierung eines Neuanfang nach Massenentlassung Bergbauatemschutzgeräten (Poliotherapie) Gesamtbetriebsrats Währungsreform O2-Lachgasnarkoseapparat Integrierte ›Modell D‹ Mehrgasnarkosetechnik 19 20 Neuanfang: Mit modernen Ideen die Zukunft gestalten 1958 Hannover-Messe: Auftritt bei der industriellen Leistungsschau. 21 1950 – 59 1952 Komfort, der Menschenleben schützt Dräger stellt das Anästhesiegerät ›Romulus‹ vor – ein Gerät, des- sen Konstruktion ganz dem kundennahen Denken verpflichtet ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg modernisiert sich die Arbeitswelt in den Krankenhäusern radikal. Das betrifft nicht nur die sich immer weiter verbessernde Funktionalität der Geräte: Ergono- mische Gesichtspunkte treten immer mehr in den Vordergrund. Denn ein OP ist immer auch ein Arbeitsplatz, und je durchdach- ter der Aufbau dieses Arbeitsplatzes ist, desto effektiver kann dort gearbeitet werden. ›Romulus‹ hält ganz neue Funktionali- täten für den Anästhesisten bereit: Das Gerät ist mit einem Blut- druckmesser und der neuen ›Dräger-Narkoseuhr‹ ausgestattet, die Puls- und Atemfrequenzmessung vereinfacht. Unter den eigent- lichen Armaturen zur Gasdosierung befindet sich ein Schrank, der mit mehreren Schubladen und einer Schreib- beziehungs- weise Ablageplatte für den Anästhesisten ausgestattet ist – eine ^ 1952 Anästhesie mit neuem Bedienungskomfort: einfache Lösung, die die Arbeit des Anästhesisten aber erheblich Narkosegerät ›Romulus‹. erleichtert. Der ganze Aufbau ist zukunftsweisend und typisch für ‹ die Arbeitsweise der Dräger-Ingenieure: immer eng an den 1955 Konstruktionsabteilung. Realitäten im OP orientiert. In den folgenden Jahren produziert Dräger eine ganze Reihe Anästhesiegeräte, die auf die unter- schiedlichsten Anforderungen zugeschnitten sind. Für den ameri- kanischen Markt, auf dem andere Standards gelten, produziert Dräger einen Zwilling des innovativen Geräts: ›Remus‹ gelingt dort ein beachtlicher Markterfolg – so kurz nach dem Krieg keine Selbstverständlichkeit für ein deutsches Industrieprodukt. Mehrgas-Kreislaufnarkose- Sauerstoffzelt Universalnarkosegerät Pressluftatmer ›PA 34‹ und apparat ›Modell G‹ (O2-Inhalationstherapie) ›Romulus‹ ›DA 58‹ ›Inkubator 1300‹ (erster Dauerbeatmungsgerät ›Alcotest-Röhrchen‹ zur Säuglingsbrutkasten) ›Poliomat‹ Verkehrskontrolle Atemschutzgerät ›PA 30‹ Betriebsrente: ›Dräger- Sozialkasse‹ 22 1953 Erstbesteigung des Mount Everest Am Tag der Krönung von Queen Elizabeth II meldet die britische Tageszeitung ›Times‹ eine Sensation: Der höchste Berg der Erde ist bezwungen. Der Wettlauf um die Erstbezwingung ist auch ein Wettlauf der Technik: 8.844 Meter über dem Meeresspiegel ist die Luft dünn – man muss Sauerstoff mitnehmen. Als Edmund Hillary und Tenzing Norgay am 29. Mai 1953 den Gipfel des Mount Everest erreichen, ist auch Dräger-Technik dabei. Denn entschei- dend für den Erfolg der beiden Bergsteiger sind auch die mit- geführten zuverlässigen Sauerstoffgeräte sowie Sauerstoffflaschen, die ein Schweizer Bergsteigerteam im Jahr zuvor in einem Lager am Berg zurückgelassen hatte. Ausgestattet mit einem Adapter, der auch mit Know-how von Dräger entwickelt wurde, können Hillary und Norgay mit dieser Luft aus den zusätzlichen Dräger- Flaschen den Gipfel bezwingen. 1953 Kontrollierter Atem Autofahrern, die in eine Verkehrskontrolle geraten, begegnet ein Gerät, das in weiterentwickelter Form noch heute weltweit einge- setzt wird: das ›Alcotest-Röhrchen‹. Damit macht Dräger den Alkoholgehalt im Atem messbar. Zum ersten Mal kann die Polizei bei einer Alkoholkontrolle einen Anfangsverdacht sofort aus- schließen oder bestätigen, ohne eine Blutuntersuchung durch- führen zu müssen. Die Weiterentwicklung dieser Technologie soll heute Alkohol am Steuer schon vor Fahrtantritt verhindern: Sogenannte ›Alcohol Interlocks‹ geben den Motorstart erst frei, nachdem der Fahrer gepustet hat und der Alkoholgehalt in seinem ^ 1953 Edmund Hillary und Tenzing Norgay am Mount Everest. Atem unter dem eingestellten Grenzwert liegt. Speziell die skandi- navischen Länder treiben die Nutzung dieser Geräte mit Nach- druck voran. Und verwenden Dräger-Technik. Das ›Dräger Interlock XT‹ ist mit hochmoderner Sensortechnik ausgestattet und seit vielen Jahren weltweit etabliert. Entwicklung mobiler Narkosegerät ›Fabius‹ Halothan-Narkosetechnik Druckgesteuerte Beatmung: Druckkammern ›Assistor 640‹ Zusammenarbeit mit Jacques Qualitätssicherung: Pressluftgerät ›Delphin II‹ für Cousteau Einführung der Sport- und Rettungstaucher Gruppenfertigung 23 1960 – 69 1960 Anlagentechnik für Druckgase In modernen Kliniken werden Anfang der sechziger Jahre nicht mehr Flaschen mit medizinischen Gasen hin- und hergetragen. Zentrale Systeme übernehmen die Versorgung der Kranken- stationen und Operationssäle – von Dräger entwickelt und installiert. Zu diesen Systemen zählen nicht nur das Transport- netz für Lachgas und Sauerstoff sowie Installationen für Druck- luft und Vakuum, sondern auch Belüftungsanlagen für keimfreie Operationssäle. Dräger liefert dafür seit den siebziger Jahren hochwirksame Filter mit hoher Abscheideleistung für Bakterien und Viren. Durch den Bau und Vertrieb von zentralen Gasversor- gungsanlagen leistet Dräger einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung eines modernen, leistungsfähigen Krankenhaus- wesens. Die Erfahrungen aus dem medizinischen Bereich wer- den Anfang der siebziger Jahre erfolgreich genutzt, um Systeme zur integrierten Druckgasversorgung für Laboratorien zu ent- wickeln. Damit ist es möglich, die für den Arbeitsprozess benötigten technischen Gase genau dosiert über im Labortisch integrierte Geräte zu entnehmen, die mit den Flaschenzentralen verbunden sind. 1969 Ein Labor unter dem Meer Es sieht aus, als würde im nächsten Moment der Gegenspieler von James Bond aussteigen: Das Unterwasserlabor ›Helgoland‹ ist ein orangefarbener, 14 Meter langer Gigant aus Stahl, der erstmalig einen mehrwöchigen Aufenthalt unter Wasser auch in kalten Meeren ermöglicht. Es markiert einen Meilenstein in der Unter- wasserforschung. Bis 1981 wird es vor Helgoland, in der Lübecker Bucht und im Nordatlantik vor der Küste der Vereinigten Staaten biologische und geologische Daten über den Meeresboden sam- meln, die unter anderem grundlegend sind für die Offshoretechnik. Schon 1913 hatte Dräger mit dem ersten Tauchsimulator die 1963 Bergmann mit Atemschutzgerät ^ ›BG 174‹ im Rettungseinsatz. Erprobung von Tiefseeausrüstungen für Tiefen bis zu 200 Metern Dr. Heinrich Dräger wechselt Dräger-Schreiber-Plan zur Säuglingsbrutkasten Bau und Vertrieb von zentra- Atemschutzgerät ›BG 174‹ in den Aufsichtsrat gesetzlichen Vermögens- ›Inkubator 6000/6500‹ mit len Gasversorgungsanlagen bildung Narkoseapparat ›Sulla‹ Atemluftmonitoring für Kliniken Dr. Christian Dräger wird persönlich haftender Gesell- Narkoseapparat ›Octavian‹ mit schafter Halothanverdunster ›Vapor‹ Wartung Luftversorgungs- anlage ›F 104 Starfighter‹ 24 ^ 1969 Das Unterwasserlabor ›Helgoland‹ wird zu Wasser gelassen. möglich gemacht. In den achtziger Jahren setzt Dräger mit dem Bau zweier hochmoderner Unterwasser-Simulationsanlagen wieder Maßstäbe: Die GUSI bietet mit sieben Druckkammern vielfältige Möglichkeiten zur Erprobung technischer Großgeräte oder neuer Schweißverfahren. Sie erlaubt bemannte Versuche für Unter- ^ 1969 Fortschritt im Krankenhaus – von zentraler wasserarbeiten bis in 600 Metern Tiefe und Tests von Großgeräten Stelle erfolgt die Gasversorgung. in der Nassversuchskammer bis zu einer Tiefe von 1.000 Metern. Diese Grenzen werden von der ›Titan‹ noch einmal nach unten verschoben. Für biomedizinische Forschungsarbeiten erlaubt die die die maximale Gerätelänge vorschreiben, reicht der Platz nicht Tieftauchsimulationsanlage ›Titan‹ bemannte Tauchversuche bis aus. Also muss der Fülldruck, der bis dahin maximal 200 bar in 1.000 Meter Tiefe und Untersuchungen an Tieren bis zu einer beträgt, erhöht werden. Als die Innenministerien der Länder Tiefe von 1.500 Metern, um die medizinischen und physiologischen ankündigen, alle Freiwilligen Feuerwehren mit umluftunabhängigen Auswirkungen des Lebens unter dem Meer zu erforschen. Atemschutzgeräten auszurüsten, forciert Dräger die Einführung eines Fülldrucks von 300 bar und setzt damit neue Standards für Richtlinien, Vorschriften und Verordnungen. Die 6-Liter-Flasche für 300 bar Fülldruck löst die alte 4-Liter-Flasche ab und wird fortan 1969 allgemein in Europa für Pressluftatmer verwendet. Mit Hochdruck in die Neuzeit des Atemschutzes Es ist wieder einmal Pionierarbeit, die Dräger mit der Einführung der 300-bar-Technik bei Pressluftatmern leistet. Zwei schwere Flaschen mussten Feuerwehrleute bis dahin im Einsatz tragen, um den nach Prüfrichtlinien vorgeschriebenen Mindestvorrat von 1.600 Litern Luft mitzuführen. Leichter wäre eine einzige Pressluft- flasche, die genauso viel fasst. Weil es aber auch Richtlinien gibt, Mobiler (Feld-)Narkose- Gründung der ›North Entwicklung von Kunststoff- Sauerstoffsystem ›HFB 320- Mischgas-Kreislauftauchgerät apparat ›Halothan-Cato 10‹ American Draeger Inc.‹ Hochdruckgasflaschen Jet‹ ›SMS 1‹ 300-bar-Technik bei Pressluftatmern Einzug elektronischer Mess-, Steuerungs- und Regel- techniken Theo Dräger tritt in die Firma 25 ein 1970 – 79 1974 Europarat empfiehlt Gasprüfröhrchen Der Europarat nimmt im März 1974 eine Resolution an, die Luftuntersuchungen am Arbeitsplatz als notwendig ansieht und den Regierungen empfiehlt, für die Prüfröhrchen bestimmte Qualitätsstandards zu fordern. Bereits 1973 kontrolliert das ame- rikanische ›National Institute for Occupational Safety and Health‹ eingehend die Qualität der von Dräger entwickelten Gasprüf- technik mittels Messröhrchen und befindet sie für gut. Von nun an führen amerikanische Arbeitsinspektoren amtliche Messungen ^ 1979 Meilenstein der Unternehmensgeschichte: die erste Hauptversammlung. mit Dräger-Technik durch. Großbritannien folgt drei Jahre später und erkennt ebenfalls die Gasspürmethode mit Dräger-Röhrchen als offizielles Messverfahren an. Die Anwendungsmöglichkeiten der Zeit weit voraus. Er nennt sich selbst den ›Rufer in der Wüste‹ werden ständig erweitert. Das giftige Kohlenmonoxid zu erspüren und schafft 1974 doch mit der Gründung der Dräger-Stiftung die war bereits 1937 die Aufgabe des ersten Dräger-Röhrchens. Es Grundlage zur fruchtbaren Weiterführung seiner Ideen. Dazu ge- findet vor allem im Bergbau rasche Verbreitung. Bereits Anfang hört, die für ihn entscheidenden Herausforderungen des 20. Jahr- der siebziger Jahre gibt es über hundert Röhrchen für die ver- hunderts anzunehmen: die Bevölkerungsexplosion in vielen Ent- schiedensten Aufgaben. So kann man mit Dräger-Röhrchen den wicklungsländern und die globale Umweltbedrohung, an der die Kohlendioxidgehalt in Getreidesilos und Gärkellern kontrollieren, Industrieländer einen Großteil der Verantwortung tragen. So inter- den Fäulnisgrad von Rohfischware ermitteln und akuten und national die Aktivitäten der Stiftung im sozialen und wirtschaft- chronischen Kohlenmonoxidvergiftungen in Personenkraftwagen lichen Bereich sind, so speziell sind sie auf kulturellem Gebiet. und Lastkraftwagen vorbeugen. Und die Anzeigeempfindlichkeit Dabei steht Lübeck als Gründungsort und Hauptsitz des Unter- wird ständig erhöht. Um die Technik da einzusetzen, wo es auf nehmens im Zentrum des Interesses, die Pflege kulturgeschicht- genaue Kenntnisse von Gaskonzentrationen ankommt: im Umwelt- licher Zeugnisse, die Unterstützung der Thomas-Mann-Gesellschaft schutz, für wirtschaftlichere Verfahren und erhöhte Sicherheit. und des Buddenbrookhauses, die Förderung umfangreicher Die Anforderungen wachsen. Bis heute. Ausgrabungen in der Altstadt und vieles mehr. 1974 1978 Eine Stiftung für internationalen Gedankenaustausch Sichere Rettung aus der Luft Der Geist Heinrich Drägers erfüllt und bestimmt weit über ein Als unnötig, teuer und übertrieben galt die Luftrettung per Hub- halbes Jahrhundert das Unternehmen. Ein Geist, der nicht nur un- schrauber noch Ende der sechziger Jahre. Und das, obwohl selbst ternehmerisch herausragend ist, sondern stets geprägt ist von tief ein bodengebundener Rettungsdienst praktisch nicht existierte. empfundener sozialer Verantwortung. Wirtschafts- und sozialpoli- Doch als die Zahl der Verkehrstoten 1970 auf einen Rekord von tisch sehr interessiert, beschäftigt sich Heinrich Dräger mit den fast 20.000 steigt, setzt sich die Idee eines Luftrettungsnetzes wichtigsten Zeitproblemen und ist mit seinen Lösungsmodellen oft durch. Unverzichtbar an Bord jedes Rettungshubschraubers: Verkauf des Geschäfts- Umwandlung in AG Deckenversorgungseinheiten Gründung Dräger-Stiftung bereichs ›Schweiß- und für OPs O2-Anlagen für ›Alphajet‹ und Schneidgeräte‹ ›Tornado‹ Dr. Christian Dräger und Theo Dräger werden Mitglieder des Vorstands 26 ^ 1975 Routinemessung mit Dräger-Gasmess- röhrchen an Dichtstellen in einer Raffinerie. ‹ 1978 Schnelle Hilfe am Unfallort mit Dräger- Beatmungsgeräten. ein transportables Notfallbeatmungsgerät, mit dem der Patient auf Das Grundkapital teilt sich in eine Hälfte Stammaktien und eine dem Weg in die Klinik am Leben erhalten werden kann. 1978 setzt Hälfte Vorzugsaktien. Die Stammaktien sind im Familienbesitz und Dräger mit dem ersten Beatmungsgerät aus der Oxylog-Familie allein stimmberechtigt. Frei am Kapitalmarkt gehandelt werden nur neue Standards. Es verbessert auch die Chancen zur Wieder- die mit einer höheren Dividende ausgestatteten Vorzugsaktien. belebung der Patienten erheblich – wichtige Parameter wie die Das Unternehmen gehört also zur Hälfte den Aktionären und zur Atemfrequenz und das Atemvolumen sind nun stufenlos einstellbar, Hälfte der Familie. Dass dieses duale Modell so erfolgreich ist, der Erfolg der Beatmung ist direkt am Gerät zu überprüfen. Die liegt vor allem an seiner Transparenz. Und zwar in beiden Teilen. Atemtherapie kann so aus der Klinik in den Rettungshubschrauber So sind die Mehrheitsverhältnisse innerhalb der Familie klar gere- vorverlegt werden. Heute kommt in der Luftrettung der ›Oxylog gelt. Das Wohl des Unternehmens steht an erster Stelle, das heißt 3000‹ zum Einsatz, der, obwohl handlich und leicht bedienbar, langfristiger Erfolg, Verantwortung, Entscheidung und Kapital liegen in einer Hand. Stefan Dräger führt das Unternehmen seit Beatmungsmuster und Kontrollmöglichkeiten wie die großen Geräte auf Intensivstationen aufweist. 2005 als Vorstandsvorsitzender. 2010 gibt Dräger im Rahmen einer Kapitalerhöhung erstmals stimmberechtigte Stammaktien aus. 1979 Das duale Prinzip von Kapital und Familie Mit der Ausgabe von Vorzugsaktien geht die Drägerwerk AG an die Börse. Von nun an ist sie gleichzeitig Familienunternehmen und Kapitalgesellschaft. Die Trennung ist dabei ganz klar gezogen. Einführung Modulbauweise Intensivbeatmungsgerät ›UV 1‹ Börsengang mit Vorzugs- aktien Pressluftatmer ›PA 80‹ Notfallbeatmungsgerät wird internationaler Standard ›Oxylog‹ Vollmaske ›Panorama Nova‹ 27 1980 – 89 durch Elektronik ersetzt. Schon 1975 gründete Dräger eine neue 1983 Hauptabteilung ›Elektronik‹. Die frühe Grundlagenforschung trägt Ulf Merbolds erste Mission ins All Früchte: Besonders in der Gasmesstechnik setzt sich die neue Technik durch – mit Sensoren, die mehr Gase als bisher messen Nicht nur für den deutschen Astronauten Ulf Merbold ist es die können und so Daten produzieren, die von Mikroprozessoren erste Mission ins All, sondern auch für ein Modul, das wissen- schnell weiterverarbeitet werden. 1983 etwa werden sämtliche schaftliche Forschung unter den besonderen Bedingungen im Streifenwagen in Nordrhein-Westfalen mit elektronischen ›Alcotest- Weltraum möglich macht: das ›Spacelab‹. Ein Labor zum Experi- Geräten‹ ausgerüstet. Aber auch in der Medizintechnik entstehen mentieren im All. Die Schwerpunkte sind Werkstoff- und Medizin- neue Gerätegenerationen: Das computergestützte Langzeitbeat- forschung. Mit an Bord ist Dräger-Technik. Auch auf späteren mungsgerät ›EV-A‹ ermöglicht erstmals eine Anpassung der ma- Missionen wie der ›D1-Mission‹ unter deutscher Leitung zwei schinellen Beatmung an die Spontanatmung des Patienten. So viel Jahre später. Für das ›Biorack‹, eine Versuchseinheit, in der ver- Wachstum braucht Platz: 1983 wird der dritte Bauabschnitt der schiedene bakteriologische und chemische Prozesse erforscht neuen Sensoren- und Messgerätefertigung vollendet, in der in werden, entwickelt Dräger ein spezielles System aus Mikron- modernsten Reinräumen Chips und Sensoren gefertigt werden. und Aktivkohlefiltern, das Reinstluftbedingungen schafft. Bis ins Eine Investition in international führende Qualitätsstandards: Auf- 21. Jahrhundert hat das Drägerwerk einen Unternehmenszweig grund ihrer Zuverlässigkeit und Qualität wählt die NASA 1993 für Luft- und Raumfahrttechnik – so geht 1992 der neue ›Airbus Dräger-Sauerstoffsensoren aus, um die Atemluft an Bord des A 340‹ mit Sauerstoffversorgungsgeräten von Dräger an den Start. ›Spaceshuttles‹ zu überwachen – ein besonderer Vertrauensbeweis. 1983 1988 Reiner Raum für mehr Zukunft Weltpremiere für Cicero Diese Zukunft ist digital: Die Umsätze mit Produkten, die mit elek- Ende Mai findet in Washington der ›World Anaesthesia Congress‹ tronischen Sensoren bestückt sind, explodieren Anfang der achtzi- statt – ein Höhepunkt der Veranstaltung ist die Präsentation von ger Jahre. Mehr und mehr wird mechanisch-pneumatische Technik ›Cicero‹, dem ersten integrierten Anästhesiearbeitsplatz. ›Cicero‹ ‹‹ 1981 Elektronik ersetzt mechanisch-pneumatische Technik: Sensorchip. ‹ 1988 Der erste integrierte Anästhesiearbeitsplatz: ›Cicero‹. Beginn der Elektronisierung Erstes ›Malenter Symposium‹, Elektronikventilator ›EV-A‹ Einführung ›Corporate Tieftauchgerät ›System und Miniaturisierung Thema ›Bevölkerungspolitik‹ Identity‹ CCBS‹ O2 -Inhalationsgerät ›Permox‹ Grundlagenentwicklung Neugliederung der Dr. Christian Dräger wird ›Neue Werkstoffe‹ Vertriebssparten Vorstandsvorsitzender Stationäre Messtechnik Kapitalerhöhung durch Ausgabe von Genussrechten 28 ^ 1985 Mit dem ›Spaceshuttle‹ im All: ist ein Produkt der digitalen Revolution, die die Arbeitswelt im OP Reinstgas-Filtersystem für die ›D1-Mission‹. in diesen Jahren grundlegend verändert: Sämtliche Funktionen wie Gasdosierung und Beatmung werden durch modernes Daten- management elektronisch kontrolliert, übersichtlich auf Monitoren dargestellt und mit ergonomischer Benutzerführung geregelt. Das Dräger die weltweite Technologieführerschaft im Bereich Anästhe- bedeutet für den Anästhesisten Befreiung von mechanischer sie und bringt immer wieder zukunftsweisende neue Geräte auf Kontroll- und Regelarbeit und damit Freiraum, sich noch intensiver den Markt. ›Zeus‹ setzt 2002 wiederum Standards: Das revolu- mit dem Patienten selbst zu befassen. Um einen wirklich praxisge- tionäre Konzept fokussiert nicht mehr auf einzelne Parameter und rechten Arbeitsplatz zu entwickeln, wurden Ärzte in Europa, Asien Funktionen, sondern auf die ganzheitliche Betrachtung des Anäs- und Amerika nach ihren Erfahrungen befragt: Kundennähe bleibt thesieprozesses von der Narkose über die Patientenüberwachung für Dräger neben technischer Innovation ein Grundpfeiler der bis hin zur Dokumentation: Ein Anästhesiesystem, das komplett in Produktentwicklung. Eine erfolgreiche Strategie: 1996 erreicht das IT-Netzwerk eines modernen Krankenhauses integriert ist. Reinstgas-Filtersystem für 28. Juni: Tod Dr. Heinrich ›Inkubator 8000‹ Integrierter Anästhesie- Fabrikneubau ›Biorack‹ der ›D1-Spacelab- arbeitplatz ›Cicero‹ Drägers (Werk Revalstraße) mission‹ Bergbauselbstretter ›Oxyboks K‹ Beatmungsgerät für Klein- Chemikalienschutzanzug kinder und Frühgeborene ›Typ 720 PF‹ ›Babylog 8000‹ Langzeitbeatmungsgerät ›Evita‹ 29 30 Globalisierung: Neuausrichtung zum global agierenden Technologieführer 1995 Dräger-Mitarbeiter der Niederlassung Singapur. 31 1990 – 99 ^ Auf dem Weg ins 21. Jahrhundert: das Werksgelände in der Revalstraße. 1997 Dräger auf dem Weg zum Global Player Diese Entwicklung wird in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhun- derts von seinen Söhnen Dr. Christian Dräger und Theo Dräger Schon Heinrich Dräger erkannte während der Zeit des Wieder- fortgesetzt und intensiviert. Bei der Übergabe des Vorstandsvor- aufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg die Notwendigkeit, im sitzes an die fünfte Generation gibt es sieben verschiedene Ausland stärker präsent zu sein. Das Wort Globalisierung gab Produktionsstandorte auf vier Kontinenten und 100 eigene Ver- es damals noch nicht. Heinrich Dräger gründete 1950 die erste triebsgesellschaften über den Globus verteilt. Die Drägerwerk AG Auslandsniederlassung in São Paulo, Brasilien. wird mit klarem Ziel neu strukturiert. Aus der gewachsenen Chemische Sauerstoff- Selbstmischprinzip bei Taucherdruckanzug Warngerät ›PAC-II‹ ›Familienfreundlichster Generatoren für ›Boeing Tauchgeräten ›Newtsuit‹ Großbetrieb‹ Pressluftatmer ›PA 94‹ B777‹ Notsauerstoffsystem ›Airbus Atemschutzmaske ›Futura‹ A330/340‹ Stefan Dräger tritt in die Pilotenluftversorgungssystem Firma ein ›Eurofighter‹ 32 › 1998 Sensoren, Transmitter und Messköpfe für saubere Luft. ›› 1998 Im neuen Reichstag wird eine Gaswarnanlage installiert. Organisation, die alle Produkte entwickelt, produziert und ver- treibt, entstehen die Unternehmensbereiche Medizin- und Sicher- heitstechnik, die sich auf ihre jeweiligen Kernkompetenzen kon- zentrieren. Randaktivitäten wie die Dräger Aerospace GmbH und die Dienstleistungsbereiche werden in den folgenden Jahren ausgegliedert. 1998 1999 Ideen für die Zukunft der Altersvorsorge Sichere Atemluft im neuen Reichstag Gemeinsam mit Bundespräsident Roman Herzog lädt die Dräger- Stiftung zu einem Symposium zu diesem Thema ein. Wie kann in Nicht ein Lufthauch dringt in den Plenarsaal des gerade ein- Zeiten schwindender Beitragszahler eine stabile Alterssicherung geweihten Reichstagsgebäudes, der nicht zuvor von Dräger- aussehen? Nationale und internationale Experten suchen Antworten. Gaswarntechnik überprüft wird. Keine toxischen oder explosiven Verantwortung für die Arbeitnehmer hat bei Dräger Tradition – in Gase und Dämpfe gelangen in das Herz des Parlaments oder in Theorie und Praxis: Schon 1904 führte Johann Heinrich Dräger einen der Fraktions- und Sitzungsräume. Modernste Dräger- eine Umsatz- und Erfolgsprämie als Zusatzlohn ein. Sein Enkel Sensoren kontrollieren die Atemluft der Parlamentarier – auch Heinrich Dräger, der sich in zahlreichen wirtschaftstheoretischen geringste Konzentrationen gefährlicher Gase müssen schnell, ein- Publikationen für eine selbstverantwortliche Altersvorsorge einsetz- deutig und zuverlässig festgestellt werden, ein Fehlalarm muss so te, schuf 1957 ein erstes Vermögensbildungsprogramm. In seiner weit wie möglich ausgeschlossen werden. Eine Verantwortung, der Tradition setzt sich das Unternehmen weiter mit den Fragen der die Ionenmobilitätsspektroskopie voll gerecht wird. Stationäre Gas- Zukunft von Alterssicherungssystemen auseinander und geht inno- messtechniksysteme von Dräger garantieren die Arbeitssicherheit vative Wege: 1983 machte Dräger es seinen Mitarbeitern durch in kritischen Umgebungen auf der ganzen Welt – ob in Halbleiter- gestaffelte Zuschüsse möglich, Aktionäre des Unternehmens zu fabriken, Kraftwerken oder auf Ölplattformen. Auch der Service für werden und so Vermögen zu bilden. 2005 dann tritt bei Dräger ein die Großanlagen muss rund um die Uhr und zuverlässig einsatz- neu konzipierter Rentenplan in Kraft, der die Mitarbeiter ihre bereit sein – und das weltweit. Ein Anspruch, den Dräger durch Alterversorgung flexibel selbst gestalten lässt. Unterschiedliche den Aufbau eines weltweiten Netzes von sechs spezialisierten Aufbaustufen der Basisrente lassen Eigeninvestitionen der Mitar- Kundencentern einlöst. beiter und Kopplung an den Erfolg des Unternehmens zu. Theo Dräger wird Erstes übergreifendes PDMS Pressluftatmer ›Draegerman Notsauerstoffsysteme für Chemische Sauerstoff- Vorstandsvorsitzender (Patientendaten- PSS 100/500‹ komplette Airbusflotte generatoren für komplette Managementsystem) Boeingflotte Dr. Christian Dräger wird Gerichtsfester ›Alcotest 7110‹ Narkosegerät ›Julian‹ stellvertretender Aufsichts- ›Europäischer Preis für ›Deutscher Logistik-Preis‹ ratsvorsitzender Tragbare Gasmessgeräte soziale Innovation‹ ›microPac‹ und ›MiniWarn‹ ›Umweltfreundlicher Betrieb‹ 33 2000 – 2010 ^ 2006 Moderne Architektur fördert Kommunikation und Transparenz. 2001 New York, 11. September Lebensretter. In den neunziger Jahren erhält und verdient diesen Namen die neueste Generation der Kreislaufatemschutzgeräte: Die Zwillingstürme des World Trade Centers brennen. Sofort wird ›Drägerman PSS BG4‹. Die ausgereifte Kreislauftechnik des ›BG4‹ ein Großeinsatz von Feuerwehr und Rettungskräften ohne Beispiel ermöglicht Rettungseinsätze von bis zu vier Stunden. Ein Zeit- eingeleitet. Noch bevor man weiß, dass es ein Terroranschlag ist. vorteil, der bei Großeinsätzen wie am 11. September Leben retten Die Retter, die in die brennenden Türme gehen, müssen sich kann – die der Opfer und die der Retter. schützen. Sie brauchen Atemschutzgeräte, Atemschutzfilter, Masken, Gasmessgeräte und Wärmebildkameras. Dräger reagiert mit dem ›Emergency Response Program‹, einem Notfallkonzept, 2004 das präzise das Vorgehen bei Rettungseinsätzen regelt. Eine Übernahme von amerikanischen Inkubatorenspezialisten Katastrophe dieses Ausmaßes ist eine Bewährungsprobe für das Programm. Die Bestände der verfügbaren Geräte werden sofort Mit der Übername des amerikanischen Inkubatorenspezialisten überprüft, eine Task Force aus Dräger-Mitarbeitern zusammenge- Air-Shields, der auf eine 65-jährige Unternehmenstradition stellt und ein Sondertransport organisiert. Innerhalb eines halben zurückblickt und zu den führenden Anbietern im Bereich Neo- Tages ist alles bereit. Der ›Draegerman‹ ist in Amerika schon seit natologie gehört, verstärkt Dräger seine Präsenz in den USA, über 100 Jahren ein Synonym für den perfekt ausgerüsteten Teilnahme an der Inkubator ›Caleo‹ Gaswarngerät Börsennotierung: Übernahme des 1. Juli: Stefan Dräger Weltausstellung ›Pac Ex 2‹ Aufnahme in amerikanischen Inku- wird Vorstandsvor- Mobiles Beatmungs- Expo 2000: ›Anäs- Deutschen TecDAX batorenspezialisten sitzender sytem ›Savina‹ Systemauftrag für thesiearbeitsplatz der Air-Shields Verkauf des Bereichs ›Airbus A380‹ Zukunft‹ Theo Dräger wird Dräger Aerospace Telemetrie ›Alcotest 6510‹ stellvertretender Stefan Dräger wird Aufsichtsratsvor- Mitglied des sitzender Vorstands 34 › 2008 Der ›Dräger DrugTest 5000‹ erkennt Drogen- missbrauch am Speichel. ›› 2009 ›Polaris‹ ist die erste OP-Leuchte von Dräger mit LED-Technologie. dem größten homogenen Markt für Produkte der Wärmetherapie 2008 im Bereich der Früh- und Neugeborenenversorgung. Das Ziel sind ganzheitliche Therapielösungen in Kombination mit Patien- Drogenmissbrauch schnell und effektiv erkannt tenmonitoring und Beatmung für Neugeborene. Dräger bringt mit dem ›Dräger DrugTest 5000‹ erstmals ein Gerät auf den Markt, das innerhalb weniger Minuten Informationen darüber liefert, ob und welche Drogen eine Person konsumiert hat. Das neue 2006 System erkennt gleichzeitig sechs verschiedene Substanzklassen. Da Dräger baut auf die Zukunft in Lübeck der Test Drogen im Speichel analysiert, ist er in der Praxis einfach, hygienisch und diskret. Das moderne System kommt bei Verkehrs- Im August 2006 legt Stefan Dräger, Vorstandsvorsitzender in fünfter kontrollen der Polizei genauso zum Einsatz wie beispielsweise in der Generation, den Grundstein für die neue Dräger-Zentrale des Unter- Notaufnahme im Krankenhaus und bei der Suchttherapie. nehmensbereichs Medizintechnik in Lübeck. Mit dieser Investition bekennt sich das traditionsreiche Unternehmen in Zeiten der Glo- balisierung zum Standort Lübeck. Die Architektur und Infrastruktur 2010 des Neubaus unterstützt durch mehr Transparenz, Flexibilität und Dräger öffnet sich für den Kapitalmarkt Kommunikationsmöglichkeiten den Wandel des Unternehmens zu einer weltweit vernetzten, wissensbasierten Organisation. Dräger führt eine Kapitalerhöhung durch und erhöht damit die Anzahl der Stammaktien um 3.810.000 auf 10.160.000 Stück. Mit den Stammaktien bringt Dräger erstmals eine Gattung an den Markt, 2007 die sich bislang nur in Familienhand befand. Die Kapitalerhöhung in Zukunftsweisende Fertigungstechnologien den Stämmen eröffnet dem Unternehmen neue Möglichkeiten, sich am Kapitalmarkt zu finanzieren, ohne die langfristige Orientierung Dräger investiert verstärkt in Fertigungstechnologien der Zukunft. als börsenorientiertes Familienunternehmen zu verlieren. Aus der In Lübeck baut der Unternehmensbereich Sicherheitstechnik eine Kapitalerhöhung fließt Dräger ein Nettoemissionserlös in Höhe von automatisierte Kohlefertigung. Die hier produzierte Aktivkohle rund 100 Mio. Euro zu. Die Mittel sollen dazu genutzt werden, die absorbiert gasförmige Schadstoffe in Atemschutzfiltern. Die neue Fremdverbindlichkeiten zu verringern und Wachstum zu fördern. Die Produktionsanlage spiegelt Drägers Weiterentwicklung zu einem Familie Dräger hält nach Durchführung der Kapitalerhöhung insge- hochmodernen, an den Markterfordernissen ausgerichteten Pro- samt 71,3 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien der Gesell- duktionsunternehmen wider. schaft. Dräger lässt nun alle Stammaktien zum Börsenhandel zu. 2006 2007 2008 2009 2010 Grundsteinlegung für die Erste OP-Leuchte mit LED- Kapitalerhöhung durch Rechtsformwechsel in Markteinführung Zentrale der Medizintechnik Technologie von Dräger: Ausgabe von stimmberech- Drägerwerk AG & Co. KGaA ›Dräger DrugTest 5000‹ in Lübeck ›Polaris‹ tigten Stammaktien Auslieferung von Lösch- Ventilator Gründung eines Innovationsoffensive: und Rettungszügen für die ›Evita Infinity V500‹ Europäischen Betriebsrats Dräger stellt zehn neue Schweizer Bundesbahn Geräte für Feuerwehren auf Unterzeichnung der Anästhesie-System ›Zeus der ›Interschutz‹ vor ›Charta der Vielfalt‹ Infinity Empowered‹ 35 Drägerwerk AG & Co. KGaA Moislinger Allee 53–55 23558 Lübeck www.draeger.com Corporate Communications Tel. +49 451 882–2185 90 70 230 Fax +49 451 882–3944 info@draeger.com =

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