Krebserregende Stoffe am Arbeitsplatz - Schutz gemäß Empfehlungen der TRGS 910 gegen krebserzeugende Gefahrenstoffe

Krebserregende Stoffe am Arbeitsplatz

Kontakt aufnehmen

Krebserregende Stoffe am Arbeitsplatz

Studien schätzen weltweit mehr als 700.000 Todesfälle pro Jahr aufgrund von berufsbedingten Krebserkrankungen.1,2
Die Schuldigen sind krebserzeugende Gefahrstoffe: Eine Vielzahl von Substanzen, die nach der Exposition Krebs verursachen können. Die gute Nachricht ist, dass Krebs durch berufsbedingte Karzinogene vermeidbar ist. In den letzten Jahrzehnten sind die Sicherheitsvorschriften und Arbeitsplatzgrenzwerte für krebserregende Stoffe am Arbeitsplatz immer strenger geworden. Dies ist eine wachsende Herausforderung für Unternehmen weltweit, aber präzise Messtechniken, intelligente Messstrategien und geeignete Schutzlösungen können ihnen helfen, diese zu meistern – sogar kostengünstig. Die TRGS 910 gibt Anhaltspunkte.

Verteilung der arbeitsbedingten Sterblichkeit aufgrund krebserregender Stoffe nach geographischen Regionen der UN in 2015

Berufsbedingter Krebs ist verbreiteter als bisher angenommen

Epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass die berufsbedingte Exposition gegenüber krebserregenden Stoffen weltweit zwischen 5,3 und 8,4 Prozent aller Krebserkrankungen verursacht.3 In der EU wird bei über 120.000 Menschen pro Jahr Krebs diagnostiziert, der durch frühere Belastung mit krebserzeugenden Gefahrstoffen am Arbeitsplatz verursacht wird.4

Gefährdungsszenarien bei der Arbeit

Öffnen von Klappen und Ventilen sowie Anschließen von Schläuchen

Das Öffnen von Klappen und Ventilen sowie das Anschließen von Schläuchen ist der gefährlichste Schritt bei Verlade- und Umfüllvorgängen, da gefährliche krebserregende Stoffe freigesetzt werden können.

Anzeige in gefährlichen Bereichen

Wenn Arbeitnehmer in Gefahrenbereichen Geräteanzeigen überprüfen müssen, können sie toxischen oder krebserzeugenden Gefahrstoffen ausgesetzt sein, die über den Arbeitsplatzgrenzwerten liegen.

Freigabemessung von karzinogenen toxischen Gasen

Ein plötzlicher Anstieg krebserregender toxischer Gase in engen Räumen kann Arbeitnehmer gefährden.

Lagerraum mit fest installiertem Gaswarnsystem

Ein unbeabsichtigtes Austreten von karzinogenen Stoffen ist in Lagerräumen niemals ausgeschlossen.

Arbeiten mit gefährlichen krebserregenden Stoffen im Forschungslabor

Die Arbeit mit gefährlichen krebserzeugenden Substanzen in Forschungslabors kann zu einer kurzfristigen übermäßigen Exposition führen.

Hohes Risiko für berufsbedingte Krebserkrankungen

Ca. 3 bis 6% aller Krebsfälle entstehen durch Substanzen am Arbeitsplatz.⁵ ⁶

Europa: Mehr als 100.000 Menschen sterben jedes Jahr durch arbeitsplatzbedingten Krebs.⁷

USA: Jährlich bis zu ca. 90.000 Neuerkrankungen und ca. 30.000 arbeitsbedingte Todesfälle.⁸

TRGS 910: Sinkende Grenzwerte für krebserregende Stoffe – eine wachsende Herausforderung

Geringere Grenzwerte für krebserregende Gefahrstoffe stellen Unternehmen in ganz Europa vor neue Herausforderungen: Sie müssen selbst kleinste Stoffkonzentrationen zur eigenen Überwachung und Kontrolle zuverlässig messen. Gründe dafür sind unter anderem die Verschärfung der EU-Richtlinie 2004/37/EG über den Schutz der Arbeitnehmer gegen Gefährdung durch Karzinogene oder Mutagene bei der Arbeit sowie die Senkung der Akzeptanzkonzentrationen nach der deutschen TRGS 910 („Risikobezogenes Maßnahmenkonzept für Tätigkeiten mit krebserzeugenden Gefahrstoffen“).

Nachweis und Dokumentationspflicht des Arbeitgebers

Wenn Arbeitsplatzgrenzwerte für einzelne Gefahrstoffe abgesenkt werden, hat das für Arbeitgeber oft weitreichende Konsequenzen. Sie müssen nachweisen können, dass sie die niedrigen Grenzwerte einhalten, und dies langfristig dokumentieren.

Welche Ziele verfolgen Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW)?

Das Einhalten von Arbeitsplatzgrenzwerten (AGW) ist eine wichtige Aufgabe der Arbeitssicherheit. Ziel ist es, Arbeitnehmer vor gesundheitlichen Risiken durch Gefahrstoffe am Arbeitsplatz zu schützen. Das setzt voraus, dass ein Gefahrstoff im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung identifiziert und von den zuständigen Arbeitssicherheitsinstitutionen als in bestimmten Dosen gefährlich eingestuft wurde. Der Arbeitsplatzgrenzwert gibt in der Regel an, bei welcher Konzentration eines Stoffs im Allgemeinen keine akuten oder chronisch schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit zu erwarten sind. Die Festlegung der Arbeitsplatzgrenzwerte erfolgt ausschließlich auf der Basis vorliegender arbeitsmedizinischer Erfahrungen und toxikologischer Erkenntnisse.

Der AGW definiert das Schadstoffmaß, dem ein Arbeitnehmer durchschnittlich während einer Schicht – in der Regel acht Stunden – an fünf Tagen in der Woche während seiner Lebensarbeitszeit ausgesetzt sein darf, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen. Ist der Kontakt zum Gefahrstoff auch durch substituierende oder arbeitsorganisatorische Maßnahmen wie vorgezogene Schichtwechsel nicht zu vermeiden und ist die tatsächliche Belastung der Arbeitsplatzatmosphäre höher als der Grenzwert, muss persönliche Schutzausrüstung wie Atemschutz für die Sicherheit des Arbeitnehmers sorgen.

Unternehmen in der Pflicht

Unternehmen in der Pflicht

Die tatsächliche Konzentration bestimmter Gefahrstoffe an Arbeitsplätzen ist gemäß gesetzlicher oder anderer regulatorischer Vorgaben – auch innerbetrieblicher – regelmäßig zu überprüfen. Prüfturnus, -methode und die Auswertung und Aufzeichnung der Messergebnisse sind in der Regel ebenfalls Teil von Arbeitssicherheitsvorschriften. In Österreich ist die Ermittlung der Konzentration gefährlicher Stoffe in der Luft am Arbeitsplatz Aufgabe des jeweiligen Arbeitgebers. Dies ist in vielen Ländern weltweit ähnlich gelagert. Der Unternehmer kann diese Aufgabe an eine geeignete Stelle delegieren, wenn er fachlich und personell nicht in der Lage ist, die Kontrollen selbst vorzunehmen.

Verantwortung, ein Arbeitsleben lang

Verantwortung, ein Arbeitsleben lang

Die Fürsorgepflicht eines Arbeitgebers reicht in vielen Ländern und Regionen weit über den eigentlichen Zeitpunkt der Beschäftigung hinaus. So gibt es zum Beispiel in Deutschland seit 2015 die Zentrale Expositionsdatenbank (ZED) des IFA (Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung). Sie hat ihren Ursprung in der EU- Richtlinie 2004/37/EG. Hier können Arbeitgeber, deren Mitarbeiter am Arbeitsplatz Kontakt zu krebserzeugenden Stoffen der Kategorien 1 A und 1 B wie Benzol, Asbest, Formaldehyd und Dieselpartikelemissionen haben, personenbezogene Expositionsdaten erfassen. Damit folgen sie der aus der deutschen Gefahrstoffverordnung resultierenden Verpflichtung zur Dokumentation des Kontakts von Mitarbeitern zu krebserzeugenden, fruchtbarkeitsgefährdenden und keimzellmutagenen Stoffen.

Jede Absenkung von Arbeitsplatzgrenzwerten löst in Unternehmen neue Entscheidungen und Aktionen aus, etwa

  • das Überarbeiten von Gefährdungsbeurteilungen, Betriebsanweisungen und Erlaubnisscheinen,
  • den Umstieg auf weniger gefährliche Substanzen,
  • das Umgestalten von Arbeitsplätzen,
  • das Überprüfen betriebsärztlicher Präventionsprogramme,
  • die Neueinteilung von Schichtlängen und -plänen und
  • das Anpassen von Arbeitsplatzkontrollmechanismen und -routinen
Ausgewählte Krebsarten und mögliche Ursachen, Überarbeitet nach Siemiatycki, J, et al. Listing occupational carcinogens. Environmental Health perspectives, Vol. 112, no. 15 (2004). p. 1447-1459

Die Zeit läuft

Krebserregende Stoffe sind die ›Zeitbomben‹ unter den Gefahrstoffen am Arbeitsplatz. Viele Substanzen entfalten erst Jahre nach der Exposition ihre tödliche Wirkung. Ein immer noch häufig unterschätztes Risiko für die Arbeitnehmer – und eine enorme Herausforderung für den Arbeitsschutz. Dabei lassen sich berufsbedingte Krebserkrankungen durch Überwachungs- und Schutzmaßnahmen vermeiden.

Arbeitsplatzgrenzwerte: Risiko-Akzeptanz-Konzept für karzinogene Stoffe

Ein beispielhaftes Konzept zur Risikominimierung bei Benzolexposition

Für krebserzeugende Stoffe wie Benzol lassen sich in der Regel keine Höchstgrenzen angeben, deren Unterschreitung eine Beeinträchtigung der Gesundheit komplett ausschließen würde. Kein Kontakt wäre hier immer das Beste – immerhin stellt Krebs mit einem Anteil von 53 % die häufigste arbeitsbedingte Todesursache innerhalb der EU dar.10 Da sich aber Tätigkeiten mit Benzol – gerade in der chemischen Industrie – häufig nicht vermeiden lassen, gelten EU-weit besondere Schutzmaßnahmen. Vorreiter bei der Umsetzung dieser für krebserregende Substanzen besonders strengen Richtlinie über Karzinogene und Mutagene (2004/37/EG) ist Deutschland. Dort leitet sich das Sicherheitskonzept für Benzol-Arbeitsplätze aus dem sogenannten Risiko-Akzeptanz-Konzept – einem Ampelprinzip – ab: Es unterscheidet zwischen einem hohen (Rot), mittleren (Gelb) und geringen Risiko (Grün). Die Grenze zwischen hohem Risiko und mittlerem Risiko wird als Toleranzrisiko bezeichnet. Das Toleranzrisiko entspricht einem statistischen zusätzlichen Krebsrisiko von 4:1.000. Das heißt, bei diesem Risiko besteht statistisch die Wahrscheinlichkeit, dass von 1.000 während des gesamten Arbeitslebens exponierten Personen vier an Krebs erkranken.

TRGS 910: Absenkung der Grenzwerte von krebserzeugenden Gefahrstoffen in der Industrie

Erfahren Sie mehr über krebserregende Stoffe bei der Arbeit

Wie werden Substanzen als krebserregend eingestuft? Wie wirken verschiedene karzinogene Stoffe im menschlichen Körper? Und wie effektiv ist die Senkung der Arbeitsplatzgrenzwert für karzinogene Stoffe am Arbeitsplatz? Dieses E-Book dient als Ausgangspunkt, indem es Sie in die Welt der krebserregenden Chemikalien einführt, einige der am häufigsten verwendeten krebserregenden Stoffe am Arbeitsplatz in der chemischen Industrie aufzeigt und einen Überblick über verschiedene Messansätze und geeignete Schutzausrüstung bietet.

E-Book herunterladen

Typische krebserzeugende Substanzen in der chemischen und petrochemischen Industrie

Benzol, Ethylenoxid, 1,3-Butadien, Acrylnitril: Trotz aller technischen Fortschritte ist die Verwendung einiger Arten von krebserregenden Stoffen für die Herstellung einiger Produkte unverzichtbar. Informieren Sie sich über die effizienten Messstrategien und den Schutz vor karzinogenen Stoffen.

Benzol

Benzol: entflammbar, toxisch und krebserregend

Benzol ist ein krebserregender Gefahrstoff, für den äußerst niedrige Arbeitsplatzgrenzwerte gelten. Mitarbeiter müssen vor jeglicher Exposition bestmöglich geschützt werden.

Benzoldämpfe bilden mit Luft explosionsfähige, schwere Gemische. Sie wälzen sich am Boden entlang und können bei Zündung über weite Strecken zurückschlagen. Im Brandfall entstehen CO und CO2.

Die Detektion des aromatischen Kohlenwasserstoffs ist nicht einfach – insbesondere in niedrigen Konzentrationen und als Bestandteil von Gemischen. Mit der richtigen Messstrategie und -technik jedoch gelingt der Nachweis in der Praxis.

Warnzeichen Benzol

Verwendung in der chemischen Industrie

Benzol wird als Rohstoff bei der Herstellung von Industriechemikalien wie Styrol, Anilin und Nitrobenzol eingesetzt. Dies sind Vorprodukte in der Kunststoff- oder Lösemittelherstellung.

Aufgrund seiner Einstufung als krebserregender Gefahrstoff der Gruppe 1 ist Benzol innerhalb der letzten Jahre weitestgehend – mit oben genannten Ausnahmen – durch weniger gesundheitsgefährdende Substanzen wie Toluol oder Xylol ersetzt worden.

Benzol erzeugt Krebs

Achtung: Benzol erzeugt Krebs!

Benzol hat folgenschwere Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Es kann bei längerer Exposition Organschäden und genetische Defekte hervorrufen. Benzol ist außerdem hochgradig krebserregend. Typische durch Benzolexposition hervorgerufene Krebsarten sind Leukämie und Lymphome.

Auch die akute Toxizität ist nicht zu unterschätzen: Ein Einatmen in sehr hohen Konzentrationen (>20.000 ppm) führt innerhalb weniger Minuten zum Tod. Bei einer Expositionsdauer von 60 Min. treten schon bei Konzentrationen im Bereich von 500 ppm erste Vergiftungserscheinungen auf.9

Benzol – chemikalische und physikalische Eigenschaften

CAS-Nr.

71-43-2

Aussehen und Farbe

Flüssig, farblos

Geruch

Aromatisch

Geruchsschwelle

Ca. 5 ppm

Schmelz-/Gefrierpunkt

6 °C

Siedebeginn und Siedebereich

80 °C

Flammpunkt/Flammbereich

-11 °C

Entzündbarkeit

Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar

Explosionsgrenze UEG
(Untere Explosionsgrenze)

1.20 vol-%

Explosionsgrenze OEG
(Obere Explosionsgrenze)

7.80 vol-%

Acrylnitril

Acrylnitril: akut toxisch, krebserregend und explosiv

Acrylnitril ist ein krebserregender Stoff mit gleichzeitig akut toxischer Wirkung, da es tödliches Cyanid bilden kann. In Kontakt mit Stoffen wie Brom, Chlor oder starken Basen besteht Explosionsgefahr.

Bei Raumtemperatur ist Acrylnitril eine hellgelbe, flüchtige Flüssigkeit mit stechendem Geruch.10

In der Regel erfolgen Acrylnitrilsynthese und seine Weiterverarbeitung in geschlossenen Systemen. Eine kontinuierliche Gasbereichsüberwachung warnt rechtzeitig bei Leckagen. Für Acrylnitril gelten international äußerst niedrige Arbeitsplatzgrenzwerte.

Warnzeichen Acrylnitril

Verwendung in der chemischen Industrie

Acrylnitril ist ein chemisches Zwischenprodukt, das in verschiedene Komponenten für die Kunststoffherstellung eingeht. Es dient als solches u. a. bei der Herstellung von Synthesekautschuken, oder Hartplastikprodukten, etwa mit Acrylfasern. Außerdem wird es in  der Produktion von Klebstoffen, Farbstoffen und Pharmaprodukten verwendet.11

Acrylnitril erzeugt Krebs

Achtung: Acrylnitril erzeugt Krebs!

Acrylnitril ist gem. GHS-/CLP-Verordnung eingestuft als ein Karzinogen der Klasse 1 B. Vor allem Lungenkrebs gilt als eine assoziierte Folge von Acrylnitrilexpositionen am Arbeitsplatz. Hauptaufnahmewege sind das Einatmen und der Hautkontakt. Selbst der nahe Kontakt mit einer mit flüssigem Acrylnitril kontaminierten Person kann weitere Personen schädigen.10

Typische Symptome der akuten Toxizität sind Augen-, Atemwegs- und Hautreizungen sowie neurotoxische Effekte wie Störungen des zentralen Nervensystems.12

Acrylnitril – chemische und physikalische Eigenschaften

CAS-Nr.

107-13-1

Aussehen und Farbe

Flüssig, farblos

Geruch

stechend

Geruchsschwelle

3,7–35,8 ppm3

Schmelz-/Gefrierpunkt

-82 °C

Siedebeginn und Siedebereich

77 °C

Flammpunkt/Flammbereich

-5 °C

Entzündbarkeit

Leicht entzündbar

Explosionsgrenze UEG
(Untere Explosionsgrenze)

2,8 vol-%

Explosionsgrenze OEG
(Obere Explosionsgrenze)

28 vol-%

1,3-Butadien

1,3-Butadien: brennbar, toxisch und krebserregend

Konzentrationsansammlungen von 1,3-Butadien sind aufgrund der Farblosigkeit mit bloßem Auge nicht erkennbar. Da 1,3-Butadien schwerer ist als Luft, sammelt es sich am Boden an. Es entwickelt beim Einatmen hoher Dosen eine narkotisierende Wirkung. In Verbindung mit Luft bilden sich explosive Gemische.

Zum Schutz der Mitarbeitergesundheit ist die berufsbedingte Exposition mit 1,3 Butadien unbedingt zu vermeiden. Das setzt eine stringente Arbeitsplatzüberwachung voraus.

Warnzeichen Benzol

Verwendung in der chemischen Industrie

1,3-Butadien dient in der chemischen Industrie in erster Linie zur Herstellung von Mineralölerzeugnissen, Synthesekautschuk13 und Gummiwaren. Zu typischen Endprodukten zählen Gefäßauskleidungen, Schläuche und Autoreifen.14

Die EU hat 1,3-Butadien als Humankarzinogen der Kanzerogenitätskategorie 1 eingestuft. Die US-EPA ordnet den Stoff ebenfalls als Humankarzinogen ein; im ACGIH-Ranking hat es den Rang A2: vermutete karzinogene Wirkung auf den Menschen.15

1,3-Butadien erzeugt Krebs

Achtung: 1,3-Butadien erzeugt Krebs!

Die Aufnahme von 1,3-Butadien erfolgt hauptsächlich über die Atemwege. Bei Langzeitexpositionen oberhalb der definierten Arbeitsplatzgrenzwerte entfaltet es eine chronische Wirkung und gilt als ursächlich für Leukämie und weitere Tumoren wie Non-Hodgkin-Lymphome.16

Durch Hautkontakt oder Einatmen des Gases beim direkten Austritt aus Druckgefäßen sind lokale Erfrierungen und Reizsymptome als Merkmale der akuten Toxizität bekannt. In sehr hohen Konzentrationen ist auch narkotisierende Wirkung möglich.16

1,3-Butadien – chemikalische und physikalische Eigenschaften

CAS-Nr.

106-99-0

Aussehen und Farbe

Gasförmig, farblos

Geruch

Aromatisch

Geruchsschwelle

< 76 ppm

Schmelzpunkt

-108,92 °C

Siedepunkt

-4,5 °C

Flammpunkt/Flammbereich

-85 °C

Entzündbarkeit

Bei Kontakt mit Sauerstoff, Aluminiumborhydrid und Aluminiumchlorid u.v.a.m.

Explosionsgrenze UEG
(Untere Explosionsgrenze)

1,4 Vol-%

Explosionsgrenze OEG
(Obere Explosionsgrenze)

16,3 Vol-%

Ethylenoxid

Ethylenoxid: toxisch, explosiv und krebserregend

Ethylenoxid kann trotz seines typischen Geruchs erst in sehr hohen Konzentrationen vom menschlichen Riechorgan wahrgenommen werden. Gleichzeitig können hohe Dosen bereits letal wirken. Da sich Ethylenoxid schon bei geringen Temperaturen entzünden kann, ist auf eine wärmestrahlungsarme Umgebung zu achten.

Zum Schutz der Mitarbeitergesundheit ist die berufsbedingte Exposition mit Ethylenoxid unbedingt zu vermeiden. Das setzt eine stringente Arbeitsplatzüberwachung voraus.

Gefahrenzeichen Ethylenoxid

Ethylenoxid ist ein Zwischenprodukt bei der Herstellung von Chemikalien wie Ethylenglykol oder Ethanolamin. Es kommt also hauptsächlich bei der Synthese weiterer chemischer Substanzen zum Einsatz. Aufgrund seiner bakterien-, viren- und pilzabtötenden Eigenschaften dient es auch der Begasung, Sterilisation und Desinfektion von Waren, Silos und Transportcontainern.

Gem. EU-Richtlinie EC 1272/2008 ist Ethylenoxid als ein Humankarzinogen der Kanzerogenitätskategorie 1 B bzw. als erbgutverändernde Substanz der Kategorie 1 B eingestuft.

Ethylenoxid erzeugt Krebs

Die Aufnahme von Ethylenoxid erfolgt hauptsächlich über die Atemwege und die Haut. Bei Langzeitexpositionen oberhalb der definierten Arbeitsplatzgrenzwerte entfaltet es eine chronische Wirkung und gilt als ursächlich für berufsbedingte Leukämie.17

Bei Hautkontakt sind Reizsymptome und lokale Erfrierungen als Merkmale der akuten Toxizität bekannt. In sehr hohen Konzentrationen ist auch narkotisierende bis letale Wirkung durch Ersticken möglich.17

Ethylenoxid – chemikalische und physikalische Eigenschaften

CAS-Nr.

75-21-8

Aussehen und Farbe

Gasförmig, farblos

Geruch

Süßlich, etherisch

Geruchsschwelle

>500 ppm2

Schmelzpunkt

-112,55 °C

Siedepunkt

10,5 °C

Flammpunkt/Flammbereich

-57 °C

Explosionsgefahr

Chemisch unstabil, hoch reaktiv; Ex-Gefahr u. a. bei Kontakt mit Sauerstoff, Säuren und Alkoholen

Explosionsgrenze UEG
(Untere Explosionsgrenze)

2,6 Vol-%

Explosionsgrenze OEG
(Obere Explosionsgrenze)

100 Vol-%

Vinylchlorid

Vinylchlorid: toxisch, explosiv und krebserregend

Vinychlorid-Monomer (VCM) auch Chlorethen, Monochlorethylen oder Clorethylen genannt, ist ein krebserregender Gefahrstoff, für den äußerst niedrige Arbeitsplatzgrenzwerte gelten. Mitarbeiter müssen vor jeglicher Exposition bestmöglich geschützt werden.

Gefahrenzeichen Vinylchorid

Verwendung in der chemischen Industrie

Vinylchorid-Monomer (VCM) ist ein petrochemisches Zwischenprodukt, von dem allein in der EU jährlich bis zu 10 Mio. Tonnen produziert oder importiert werden.18 Aus (VCM) wird der wichtigste Grundstoff der Plastikindustrie, Polyvinylchlorid (PVC), hergestellt. PVC wiederum ist Bestandteil von diversen industriellen Produkten wie auch Konsumgütern.

VCM ist bereits bei relativ niedrigen Temperaturen entzündbar und kann, bei entsprechendem Volumenanteil in der Luft, Peroxide bilden und explodieren. VCM reagiert außerdem auch bei Kontakt mit Stickoxiden, alkalischen Stäuben und Schwefelwasserstoff hochexplosiv. Es ist schwerer als Luft und sammelt sich somit am Boden an.

Vinychlorid erzeugt Krebs

Achtung: Vinychlorid erzeugt Krebs!

VCM kann insbesondere eine seltene Form des Leberkrebses (Angiosarkom) hervorrufen. Hauptaufnahmeweg ist das Einatmen. Es gelangt dabei schnell und vollständig in den Stoffwechsel.

Bei einer Geruchsschwellenvarianz von 5 bis 25.000 ppm ist das Riechen von VCM keine zuverlässige Warnung vor Schäden. Die akute Toxizität von VCM ist gering und bewirkt nur leichte Symptome.19 Bei Langzeitexposition oberhalb der Arbeitsplatzgrenzwerte kann es Leber- und Milzschädigungen sowie Störungen der arteriellen Handdurchblutung und des Handskeletts kommen. Auch Veränderungen im Erbmaterial sind möglich.20

Vinychlorid-Monomer (VCM) – chemikalische und physikalische Eigenschaften

CAS-Nr.

75-01-4

Aussehen und Farbe

Gasförmig, farblos

Geruch

Schwach, süßlich

Geruchsschwelle

10 bis 25.000 ppm2

Schmelz-/Gefrierpunkt

-153,7 °C

Siedebeginn und Siedebereich

-13,4 °C

Flammpunkt/Flammbereich

-78 °C

Entzündbarkeit

Zündtemperatur: 415 °C

Explosionsgruppe: IIA

Explosionsgrenze UEG
(Untere Explosionsgrenze)

3,8 Vol-%

Explosionsgrenze OEG
(Obere Explosionsgrenze)

31 Vol-%

Epichlorhydrin

Epichlorhydrin: toxisch, explosiv und krebserregend

Epichlorhydrin ist eine krebserregende, leicht entzündbare Flüssigkeit, die wasserlöslich und flüchtig ist. Epichlorhydrin-Dämpfe sammeln sich am Boden, da sie schwerer sind als Luft. Der Gefahrstoff ist toxisch und steht im Verdacht, zu Krebserkrankungen zu führen (Einstufung: Karz. 1B).21

Gefahrenzeichen Epichlorhydrin

Verwendung in der chemischen Industrie

Die chlororganische Verbindung Epichlorhydrin findet bei der Herstellung von Epoxidharzen Verwendung. Desweiteren dient es u. a. der Herstellung von anderen Chemikalien, Insektiziden und Beschichtungen, Klebstoffen und als Lösemittel in der Gummiindustrie.21

Epichlorhydrin kann Krebs erzeugen

Achtung: Epichlorhydrin kann Krebs erzeugen!

Epichlorhydrin ist gemäß EG-Verordnung eingestuft als Karzinogen der Klasse Carc.1B. Es steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen. Tierversuche lassen einen Zusammenhang zwischen Epichlorhydrin-Exposition und Tumoren im Atemtrakt und im Zentralen Nervensystem schließen.22

Epichlorhydrin – chemikalische und physikalische Eigenschaften²²

CAS-Nr.

106-89-8

Aussehen und Farbe

Flüssig, farblos

Geruch

Stechend, nach Chloroform

Geruchsschwelle

Schmelz-/Gefrierpunkt

-48 °C

Siedepunkt

116 °C

Flammpunkt

28 °C

Entzündbarkeit

385 °C

Explosionsgrenze UEG
(Untere Explosionsgrenze)

2,3 Vol-%

Explosionsgrenze OEG
(Obere Explosionsgrenze)

34,4 Vol-%

Messstrategien für bekannte krebserregende Stoffe

Die Mitarbeiter müssen so wirksam wie möglich vor chemischen Karzinogenen und Krebsrisikofaktoren geschützt werden. Dies kann durch eine intelligente Messstrategie und präzise Messtechnologien kosteneffizient erfolgen. Die Herausforderung besteht darin, eine Messtechnik zu entwickeln, die im Feld durchgeführt werden kann. Es erfordert Funktionen wie "In EX-Bereichen verwendbar", "Von Gasanalysten verwendbar" und "Einfache Funktionsprüfung durch den Benutzer".

Benzol effektiv detektieren – haben Sie die richtige Messstrategie?

Messstrategien für Benzol

Eine genaue Messung von Benzol ist für die Sicherheit der Arbeitnehmer von entscheidender Bedeutung – finden Sie die besten Strategien zur Überwachung der potenziellen Exposition dieses häufigen Karzinogens.

Fachartikel herunterladen

Überwachen Sie die potenzielle Exposition gegenüber Karzinogenen am Arbeitsplatz mit Dräger X-pid® 9000/9500

Die Exposition gegenüber krebserzeugenden Substanzen ist eine langfristige Gefahr. Unternehmen sind verpflichtet, die durchgeführten Arbeiten, die Anzahl ihrer exponierten Mitarbeiter sowie etwaige Auftragnehmer und die Messergebnisse detailliert zu dokumentieren. Es müssen Datensätze über alle persönlichen Expositionsniveaus von Karzinogenen am Arbeitsplatz während des gesamten Berufslebens eines Mitarbeiters verwaltet werden. Neue, innovative webbasierte Technologien machen das Datenmanagement einfacher als je zuvor.

Finden Sie die richtigen Produkte zur Messung karzinogener Chemikalien:

Der 1 bis 7-Gasdetektor Dräger X-am® 8000 erkennt gleichzeitig giftige und brennbare Gase sowie Dämpfe und Sauerstoff - entweder im Pump- oder im Diffusionsmodus. Für benzolspezifische Messungen kann der X-am 8000 mit einem Vorrohr verwendet werden. Das selektive PID-Gasmessgerät Dräger X-pid® 9000/9500 ist ideal für Anwender, die häufig auch in geringsten Konzentrationen auf gefährliche krebserzeugende Substanzen wie Benzol, Butadien und andere flüchtige organische Verbindungen (VOC) testen.

Dräger X-pid® 9000/9500

Gasanalysator Dräger X-pid® 9000/9500

Dräger X-act® 7000

Analysesystem Dräger X-act® 7000 mit Dräger MicroTubes

Mobile Gasmesstechnik

Mobile Gasmesstechnik

Gut geschützt gegen krebserregende Substanzen

Wenn es offensichtlich ist, dass die Exposition gegenüber karzinogenen Stoffen am Arbeitsplatz trotz aller Vorsichtsmaßnahmen unvermeidbar ist, muss persönliche Schutzausrüstung (PSA) verwendet werden. Chemikalienbeständige Schutzkleidung verhindert, dass Dämpfe und Partikel über die Haut aufgenommen werden. Atemschutzgeräte und Filter schützen die Lunge vor Toxinen.

In 5 Schritten zum richtigen Schutzanzug – Leitfaden für die CSA-Auswahl in Raffinerien

In 5 Schritten zum richtigen Schutzanzug

Leitfaden für die CSA-Auswahl in Raffinerien

Leitfaden herunterladen

Finden Sie die richtigen Produkte zum Schutz vor krebserregenden Stoffen

Gebläseunterstützter Atemschutz von Dräger

Gebläsefiltergeräte (PAPR)

Atemschutzmasken

Atemschutzmasken

Schutzanzug CPS 7800

Schutzanzüge

Kontakt mit Dräger aufnehmen

Kontakt Sicherheitstechnik

Dräger Austria GmbH

Sicherheitstechnik
Perfektastraße 67
Wien 1230

+43 1 609 04 - 0

Quellen

1 National Institute of Occupational Safety and Health, USA | https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4551060/

2 Number of deaths by cause. (n.d.). Retrieved 6 May, 2020,
from https://ourworldindata.org/grapher/annual-number-of-deaths-by-cause

3 Hämäläinen P, Takala J, Kiat TB. Global Estimates of occupational Accidents and work-related Illnesses 2017, Workplace Safety and Health Institute, 2017, p. 15.
http://www.icohweb.org/site/images/news/pdf/Report%20Global%20Estimates%20of%20Occupational%20Accidents%20and%20Work-related%20Illnesses%202017%20rev1.pdf

4 National Institute for Public Health and the Environment. (n.d.). Work-related cancer in the European Union. Retrieved from https://www.rivm.nl/bibliotheek/rapporten/2016-0010.pdf

5 Straif K. The burden of occupational cancer. Occupational and Environmental Medicine. 2008;65(12):787-788

6 Driscoll T, Takala J, Steenland K, et al. 2005. Review of estimates of the global burden of injury and illness due to occupational exposures. Am J Ind Med 48:491-502

7 Figures of the European Trade Institute (ETUI) at https://www.etui.org/Topics/Health-Safety/Occupational-cancers (Accessed: October 31, 2016)

8 Centers for Disease Control and Prevention. U.S. Cancer Incidence Statistics: an Interactive Atlas. https://nccd.cdc.gov/DCPC_INCA/. (Accessed October 29, 2016)

9 http://www.nis.nrw.de/publik/1/wirk.html; Abruf: 20.04.2017

10 BASF Medizinische Leitlinien bei akuten Einwirkungen von chemischen Substanzen, https://www.basf.com/documents/corp/de/sustainability/employees/occupational-medicine/medical-guidelines/Acrylnitril_C_BASF_medLeitlinien_D007.pdf, Seite 1–2, accessed: 04/09/18

11 Informationsblatt zu Acrylnitril, http://www.dguv.de/medien/ifa/de/fac/erb/stoffliste/stoffblatt_acrylnitril.pdf; Seite 2, accessed: 04/09/18

12 GESTIS-Stoffdatenbank, Stichwort Acrylnitril, http://gestis.itrust.de; accessed: 04/09/18

13 http://www.chemie.de/lexikon/Butadien.html; Abruf: 31.08.2017

14 http://www.spektrum.de/lexikon/chemie/kautschuk/4818: Abruf: 31.08.2017

15 https://www.osha.gov/SLTC/butadiene/healtheffects.html; Abruf: 31.08.2017

16 Quelle: GESTIS-Stoffdatenbank; www.gestis.de; Abruf: 31.08.2017

17 http://muniche.linde.com/.../SDS_SG_056_DE_DE.PDF; Abruf: 01.09.2017

18 https://echa.europa.eu/de/substance-information/-/substanceinfo/100.000.756; Abruf: 06.09.2017

19 www.gestis.de; Abruf: 14.09.2017

20 http://bmjopen.bmj.com/content/3/6/e002785; Abruf: 19.09.2017

21 https://www.basf.com/documents/corp/de/.../Epichlorhydrin_C_BASF_medLeitlinien_D022.pdf; Abruf: 23.08.2018

22 https://www.dguv.de/ifa/gestis/gestis-stoffdatenbank/index.jsp; Abruf: 08.08.2018