Gefahrguteinsatz bei der Feuerwehr - GAMS Regel und Übungen

Gefahrguteinsatz bei der Feuerwehr

Tipps und Regeln für den Gefahrguteinsatz

Welche Erstmaßnahmen müssen bei einem Einsatz mit Gefahrgütern getroffen werden? Was ist die GAMS-Regel? Was beinhaltet die Gefahrgutausbildung bei der Feuerwehr? Hier zeigen wir dir, was du über das Thema Gefahrgüter und Gefahrguteinsätze unbedingt wissen musst.

Was ist ein Gefahrguteinsatz bei der Feuerwehr?

Bei einem Gefahrguteinsatz der Feuerwehr geht es um die Eindämmung bzw. Beseitigung von atomaren, biologischen und/oder chemischen Stoffen. Die Einheiten verfügen über eine spezielle ABC-Ausrüstung sowie die entsprechende Gefahrgutausbildung.

Eine der größten Herausforderungen für die Einsatzkräfte bei einem Gefahrstoffzwischenfall ist die Gefahr einer unkontrollierten Ausbreitung. Darum ist es für die Ersthelfer so wichtig, einen Vorfall so schnell wie möglich einzudämmen.

Einen Gefahrguteinsatz kann man in mehrere Phasen unterteilen:

1) Erstmaßnahmen

Die GAMS-Regel benennt die notwendigen Erstmaßnahmen durch Feuerwehrkräfte. Hier erfährst du mehr dazu.

2) Informationsbeschaffung

Als nächstes gilt es, so viele Informationen zur Lage und zum Gefahrstoff zu sammeln.

Erkundung unter Eigenschutz (ex-Schutz)

Messtrategie wählen

  • Welche Messtechnik brauche ich?
  • Welche Messtechnik wende ich wann und wie richtig an?
  • Welche Informationen / Einsatzmaßnahmen kann ich aus meinen Messergebnissen ableiten?
  • Was muss ich tun, damit meine Messtechnik auch im nächsten Einsatz zuverlässig funktioniert?
  • Hier gibt es mehr Informationen dazu.

Stoff identifizieren

  • Gefahrgutkennzeichnung (z. B. mit Warntafeln, Gefahrzettel)
  • Begleitpapiere (im zerstörten Fahrerhaus)
  • Ansprechpartner (Verfügbarkeit und Bereitschaft zur Mitarbeit)
  • Bekannter Stoffname (Nachschlagewerke und Datenbanken)
  • Erscheinungsbild (Farbe, Geruch, Viskosität, Aggregatzustand)
  • Mess- und Nachweisgeräte (z. B. pH-Papier, Röhrchen, ABC-ErKW, GC-MS)

Wetterlage und Örtlichkeit beachten

  • Windrichtung und Geschwindigkeit
  • Niederschlag (Reaktion mit Feuchtigkeit)
  • Temperatur (Siedepunkt, Flammpunkt, Zündtemperatur)
  • Umgebung (BAB, Betriebsgelände, Gewässer)
  • Untergrund (Erdreich, Kanalisation, Geschlossene Oberfläche)
  • Topographie (Gefälle, Senke)
  • Bebauung (Wohnbereich, Industrie, Land, Stadt) 

3) Gefahrstoffabwehr

Dann müssen weitere Sicherungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Absperren

  • Windrichtung beachten
  • Absperrgrenze mind. 50 Meter (bei Explosionsgefahr 100 bis 1.000 m)
  • Ständiges Überprüfen von Stoffkonzentrationen an der Absperrgrenze

Sicherungsmaßnahmen

  • 3-fachen Brandschutz sicherstellen (Schaum, Wasser, Pulver)
  • Löschmittelverträglichkeit prüfen! Ggf. Sonderlöschmittel anfordern
  • Sichern gegen …
    • Ausbreitung (Eindeichen, Kontaminationsverschleppung)
    • Atemgifte (reicht PA oder muss Vollschutz)
    • Angstreaktion (Warnung von gefährdeten Personen)
    • Explosionsgefahr (Erdung, Messung)
    • Einsturz /Absturz/Gefahr des Umstürzens (Unterbauen, anschlagen ...)
    • sonstige Gefahren (spannungsführende Teile)

4) Schlussmaßnahmen

Folgende Schritte schließen den Einsatz ab:

Dekontamination

  • „Dekon-Stelle“ einrichten
  • Dekontaminations- und Desinfektionsmittel wählen
  • Ablage des Materials und Rücktransport
  • „Dekon-Abstimmung“: Atemluftvorrat und Personal

Hervorragend! Der Einsatz ist hiermit beendet. 

5) Folgemaßnahmen

Mit Ende des Einsatzes sind die Maßnahmen aber noch nicht abgeschlossen.

Dokumentation

  • Personenbezogene Atemschutzüberwachung
  • Personendosimetrie
  • Messwerte-Dokumentation
  • Rückstellprobe
  • Lageskizze (Art der Leckage)
  • Bilddokumentation
  • Stoffdaten, Lade-/ Transportpapiere
  • Einsatztagebuch
  • Verletzungen und Kontaminationen dokumentieren

Nachsorge

  • Wo und wann enden die Maßnahmen der Feuerwehr?
  • Übergabe an Fachfirma? (Wann an wen?)
  • Übergabe an zuständige Behörden?
  • Müssen Einsatzmittel entsorgt werden?
  • Einsatzbereitschaft wieder herstellen (Ersatzbeschaffung)
  • Dokumentation der Nachsorgemaßnahmen
  • Hatte Personal Kontakt zum Stoff? (Screening veranlassen)
  • Verletztes Personal (medizinische Langzeitbetreuung?)

Die GAMS-Regel

Immer öfter muss die Feuerwehr zu Einsätzen, bei denen Gefahrstoffe involviert sind, weil die Spezialkräfte nicht schnell genug vor Ort sein können. Um der Feuerwehr diese gefährliche Arbeit zu erleichtern, gibt es die praktische GAMS-Regel.

gams feuerwehr

Was bedeutet die GAMS-Regel beim ABC-Einsatz?

Gefahr erkennen
Um welche Gefahrgüter handelt es sich überhaupt? Ist es ein ABC- oder ein CBRN-Einsatz? Hinweise sind Gefahrenzeichen, Gefahrgutkennzeichnung, Gerüche oder Berichte von Zeugen.

Absperren
Die Einsatzstelle muss abgesperrt werden. Der Gefahrenbereich, in den nur Einsatzkräfte mit PSA dürfen, hat einen Radius von ca. 50 m um das Gefahrgut. Der Absperrbereich sollte einen Radius von mindestens 100 m haben.

Menschenleben retten
Die Menschenrettung kann es erfordern, dass Einsatzkräfte sich selbst gefährden. Sie können zunächst zum Beispiel ohne spezielle Schutzausrüstung vorgehen. Ein isolierender Atemschutz ist aber mindestens zu tragen.

Spezialkräfte nachfordern

Dann muss die vorgesehene Spezialeinheit alarmiert werden. Je genauer die Gefahrstoffe benannt werden können, desto genauer kann die Einheit instruiert werden.

Die richtige Schutzausrüstung bei Gefahrguteinsätzen

Dräger bietet eine umfassende Persönliche Schutzausrüstung (PSA) für Feuerwehren bei Gefahrguteinsätzen: von Chemikalienschutzanzügen über Gasmessgeräte bis zu Wärmebildkameras.

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Chemikalienschutzanzüge

Bei unklarer Lage empfiehlt sich ein wiederverwendbarer, gasdichter Chemikalienschutzanzug wie der Dräger CPS 7900. Unser Produktfinder hilft dir, den richtigen zu finden.

Produktfinder Gasmessgeräte für Gefahrguteinsätze

Gasmessgeräte

Gasmesstechnik ist unabdingbar, um Gefahren durch brennbare Gase oder Dämpfe, giftige (toxische) Gase, Sauerstoffmangel oder Sauerstoffüberschuss zu erkennen.

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Wärmebildkameras

Wärmebildkameras machen Wärmestrahlung sichtbar und helfen, Energiequellen aufzuspüren, Brände zu erkennen oder Personen zu finden.

Dräger Safety-Bag – das Hygiene-Set für die Feuerwehr

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Das Hygiene- und Transport-Set für die Feuerwehr entspricht den nötigen Hygieneanforderungen und verhilft Euch somit zu hygienischer Sicherheit.

Gefahrgutübungen für die Feuerwehr

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Dräger entwickelt, produziert und vertreibt seit 1886 die weltweit führenden Atemschutzsysteme. Neben den weltweit führenden Produkten, mit denen Du dich auf Deinen nächsten Einsatz vorbereiten kannst, bieten wir auch Gefahrgutübungen für die Feuerwehr, technische Seminare und Schulungen für Atemschutzgeräteträger an So kannst Du Dich optimal auch auf selten auftretende Gefahrguteinsätze vorbereiten.

Zu unseren Trainings

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Feuerwehr-Katalog

Alle unsere Feuerwehr-Produkte in der Übersicht: von Atem- und Körperschutz über Kommunikationssysteme und Gasmesstechnik zu Service und Trainings.

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Die häufigsten Fragen rund um Gefahrgut-Einsätze

Was ist Gefahrgut und wie ist es gekennzeichnet?

Gefahrgüter sind solche, von denen Gefahren ausgehen – aufgrund ihrer Eigenschaften oder im Zusammenhang mit Beförderung. Allgemein anerkannt ist die Systematik der UN. Ein Gut mit UN-Nummer ist somit ein Gefahrgut. Ohne UN-Nummer ist es keins.

Welche Gefahrenklassen gibt es?

Das Globally Harmonized System (GHS) nennt eine Vielzahl verschiedener Gefahrenklassen in vier Bereichen:

  1. physikalisch-chemische Gefahren
  2. toxische Gefahren
  3. Umweltgefahren
  4. weitere Gefahren

Was sind ABC-Gefahrstoffe?

ABC-Gefahrstoffe können künstlich oder natürlich entstanden sein. Radioaktive Stoffe sind A-Gefahrstoffe. B- sind biologische und C- sind chemische Stoffe, von denen Gefahren ausgehen.

Was sind C-Gefahrstoffe?

Hierbei handelt es sich um chemische Stoffe (C-Gefahrstoffe), die eine Gefahr für Menschen und Gegenstände darstellen. Diese Stoffe können natürlich vorkommen oder künstlich erzeugt worden sein.

Messstrategie im Gefahrguteinsatz

Video, Downloads und Praxistipps rund um Gefahren, Gefahrenobjekten und Gasmesstechnik.

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Messstrategien für Feuerwehren

In diesem Video erfahrt Ihr, was die Dräger Messstrategie ist und wie Ihr sie anwendet.

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23560 Lübeck

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