Tests auf Flugtauglichkeit bei Piloten und Flugbegleitern - Drogentest am Flughafen

Tests auf Flugtauglichkeit bei Piloten und Flugbegleitern

Sicherstellen der Flugtauglichkeit von Piloten und Flugbegleitern

Die Europäische Kommission hat mit der Verordnung (EU) 2018/10421 die Verordnung (EU) 965/20122 geändert und so die europäische Luftfahrtindustrie vor neue Herausforderungen gestellt. Mit der Durchführung von stichprobenartigen und systematischen Alkohol- und Drogentests am Flughafen soll die Flugtauglichkeit von Piloten und Flugbegleitern gewährleistet werden. Die Verordnung (EU) 2018/1042 sollte ursprünglich am 14. August 2020 in Kraft treten. Dieser Termin ist aufgrund der Corona-Pandemie auf den 14. Februar 2021 verschoben worden3

Hintergrund zur Verordnung (EU) 2018/1042 der Kommission

Anlass für die neue Verordnung sowie für eine Reihe weiterer Veränderungen in der Luftfahrtindustrie war der Absturz des Germanwings Flug 9525. Am 24. März 2015 zerschellte ein Airbus A320 an den Westalpen auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf, wobei alle 150 Insassen ums Leben kamen. Der Abschlussbericht der französischen Untersuchungsbehörde für Flugunfälle BEA stellte fest, dass der Kopilot den Absturz der Maschine in einer bewussten und geplanten Handlung herbeigeführt habe, während er allein im Cockpit war4.

Auswirkungen mangelnder Flugtauglichkeit Pilot

Änderung der Verordnung (EU) 965/2012

Infolgedessen hat unter anderem die European Aviation Safety Agency (EASA) Handlungsempfehlungen herausgegeben und das deutsche Luftverkehrsgesetz (LuftVG) wurde um den Paragrafen 4a ergänzt⁵.

2018 hat schließlich auch die Europäische Union auf höchster Ebene reagiert, indem sie mit der Verordnung (EU) 2018/1042 eine Änderung der Verordnung (EU) Nr. 965/2012 beschlossen hat. Die Verordnung (EU) Nr. 965/2012 und auch die Änderung gilt unmittelbar in allen Mitgliedsstaaten und legt Bestimmungen für den gewerblichen Luftverkehrsbetrieb mit Flugzeugen und Hubschraubern fest. Mit der neuen Verordnung werden nun unter anderem die Durchführung systematischer Tests der Flugbesatzung und der Flugbegleiter auf psychoaktive Substanzen durch die Luftverkehrsbetreiber vorgeschrieben.

EU Verordnung 2018/1042 Pilot Alkohol und Drogen: Sicherstellen der Flugtauglichkeit Flugbegleiter

Alkohol- und Drogenpolitik

Laut der Verordnungen (EU) 965/2012 und (EU) 2018/1042 muss eine europäische Airline „angemessene Vorkehrungen treffen, um sicherzustellen, dass keine Person ein Luftfahrzeug betritt oder sich dort aufhält, die in einem Maße unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen Rauschmitteln steht, das mit Wahrscheinlichkeit die Sicherheit des Luftfahrzeugs oder von dessen Insassen gefährdet.“ 

Die dazu zu verwendenden Testmethoden werden nicht vorgeschrieben – jedoch sind von der EASA unverbindliche Empfehlungen herausgegeben worden, um Durchführungsbestimmungen zu veranschaulichen und zu einer einheitlichen Umsetzung beizutragen6, 7. Demnach sollte zum initialen Nachweis von Alkohol ein nicht-invasives Atemalkohol-Messgerät eingesetzt werden8. Der initiale Drogennachweis kann mit einem immunchemischen Testverfahren durchgeführt werden9.

Alkoholtest bei Piloten und Flugbegleitern

Alkoholkontrollen sind mit Atemtests schnell und besonders einfach durchzuführen. Die Tests funktionieren zuverlässig und sind bei Polizei und Behörden längst etabliert. Doch auch hier gibt es Unterschiede hinsichtlich der Qualität. Günstige Alkoholtester verwenden meistens sogenannte Halbleitersensoren zur Messung der Atemalkoholkonzentration. Im Gegensatz dazu verwenden die von der Polizei eingesetzten Geräten elektrochemische Sensoren.

Flugtauglichkeit Pilot

Die Verwendung von Halbleitersensoren ermöglicht zwar einen niedrigen Gerätepreis, hat aber auch eine ungenügende Messqualität zur Folge. Die sehr begrenzte Verwendbarkeit der Halbleitersensoren hat im Wesentlichen zwei Gründe. Zum einen sind Halbleitersensoren in ihrer Empfindlichkeit nicht stabil. Sie driften mit der Zeit, was zu falschen Konzentrationsanzeigen führt. Häufig sind daher die angezeigten Alkoholkonzentrationen zu klein. Des Weiteren messen Halbleitersensoren nicht nur Alkohole in der Atemluft, sondern können auch auf andere Substanzen empfindlich sein, die ein Mensch ausatmen kann. Dies sind zum Beispiel Kohlenmonoxid aus Zigarettenrauch oder Aceton und Ammoniak bei Personen mit bestimmten Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes. Wird auf zuverlässige Messergebnisse der Atemalkoholkonzentration Wert gelegt, sind unbedingt die hochwertigen Messgeräte mit elektrochemischen Sensoren zu verwenden. Diese Technik hat sich im professionellen Einsatz über viele Jahre bewährt und hat ihre Zuverlässigkeit weltweit immer wieder unter Beweis gestellt. Aus diesem Grund sind alle handgetragenen Dräger-Alcotest-Geräte mit elektrochemischen Dräger­ Sensoren ausgestattet.

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Drogentest am Flughafen

Für die Tests auf weitere psychoaktive Substanzen stehen verschiedene Drogentestmethoden zur Verfügung. Durch nicht invasive Testverfahren können Untersuchungsmaterialien, wie Speichel, Urin oder Haare im Labor getestet werden.

Drogentest am Flughafen

Testen am Ort der Probennahme (wie beispielsweise der Drogentest am Flughafen) durch einen immunchemischen Assay ist nur mit Urin und Speichel möglich. Im Vergleich sind Urintests häufig günstiger, doch deutlich aufwändiger als Speicheltests, da für die Probennahme Sanitäreinrichtungen und eine gleichgeschlechtliche Aufsichtsperson benötigt werden. 

Viel wichtiger aber ist, wie sich Urin und Speichel hinsichtlich der Detektionsdauer von Drogen unterscheiden. Im Speichel können, wie auch im Blut, die aktiven Wirksubstanzen von Drogen nachgewiesen werden, sodass Rückschlüsse auf eine akute Beeinträchtigung gezogen werden können. Das Nachweisfenster reicht in etwa bis zu einem Tag nach Konsum (Abb. 1). Im Urin hingegen erfolgt der Nachweis von Drogen üblicherweise nicht über die Originalsubstanz selbst, sondern über ihre Abbauprodukte. Dadurch kann zwar ein genereller Konsum belegt werden, der bis zu einigen Tage zurückliegt, jedoch sind sichere Rückschlüsse über Zeitpunkt bzw. Umfang der Drogenaufnahme und Beeinflussung nicht möglich.

Detektionsdauer eines Drogentests am Flughafen

Tests auf Flugtauglichkeit bei Piloten und Flugbegleitern - Drogentest am Flughafen
Abb. 1: Detektionsdauer von Drogen in verschiedenen Untersuchungsmaterialien

Auswahl der Testmethode für einen Drogentest am Flughafen

Letztendlich sollte die Auswahl der passenden Testmethode daher nicht über den Preis, sondern über den eigentlichen Sinn und Zweck des Tests erfolgen - und der ist in der Verordnung (EU) 2018/1042 klar festgelegt: „Der Betreiber hat alle angemessenen Vorkehrungen zu treffen, um sicherzustellen, dass keine Person ein Luftfahrzeug betritt oder sich dort aufhält, die in einem Maße unter dem Einfluss von psychoaktiven Substanzen steht, das mit Wahrscheinlichkeit die Sicherheit des Luftfahrzeugs oder von dessen Insassen gefährdet.“ 

Somit ist klar definiert, dass der Test eine Aussage zur akuten Beeinträchtigung treffen muss. Ein Speicheltest erfüllt diese Anforderungen. Ein Nachweis von Konsum, der wochenlang zurück liegt, kann in diesem Fall eher hinderlich als hilfreich sein.

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Testprogramm-Beispiel: Flugtauglichkeit von Piloten prüfen

Das Diagramm (Abb. 2) soll beispielhaft den möglichen Ablauf im Testprogramm veranschaulichen. Das beispielhafte Testprogramm zielt darauf ab, die Flugtauglichkeit von Piloten sicherzustellen. Nach dem Zufallsprinzip wird zunächst eine Testperson ausgewählt. Nur diese wird über den Test informiert, andere Crew Mitglieder nicht. Verweigert die Testperson den Test, darf sie den Dienst nicht antreten. In der Regel wird aber ein Test stattfinden und ein negatives Ergebnis zeigen. Die Durchführung dauert nur wenige Minuten und das Flugzeug kann dann wie geplant starten. Ist das Testergebnis nicht negativ, kann der Testperson ein zweiter „B-Test“ angeboten werden. Wie beim ersten Test, gibt es bei einem negativen Ergebnis keine Konsequenzen. Bei einem positiven Testergebnis darf die entsprechende Person jedoch nicht fliegen. 

Tests auf Flugtauglichkeit bei Piloten und Flugbegleitern - Beispielhaftes Testprogramm zur Prüfung der Flugtauglichkeit von Piloten und Flugbegleitern
Abb. 2: Beispielhaftes Testprogramm für Alkohol und Drogen
Flugtauglichkeit Pilot

Was ist Ihre Herausforderung und wie kann Dräger Ihnen dabei helfen?

Die Europäische Kommission schreibt mit der (EU) Verordnung 2018/1042 bzgl. Alkoholtests bei Piloten und Flugbegleitern bzw. Tests auf andere psychoaktive Substanzen zwar keine Testmethoden explizit vor, stellt aber gewisse Ansprüche an die Qualitätsstandards und die Durchführung. Hier kommt Dräger ins Spiel. Wir bieten Testgeräte für Alkohol und Drogen zur Prüfung der Flugtauglichkeit von Flugbegleitern und Piloten an, die diesen Ansprüchen entsprechen. 

In der folgenden Akkordeon-Tabelle sind Forderungen der Kommission aufgeführt sowie Drägers entsprechenden Antworten zu finden.

FAQ zum Alkoholtest am Flughafen

FAQ zum Drogentest am Flughafen

Kontakt mit Dräger aufnehmen

Kontakt Safety
Dräger Safety AG & Co. KGaA

Revalstraße 1
23560 Lübeck

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Quellen

1 Verordnung (EU) 2018/1042 (https://www.easa.europa.eu/document-library/regulations/commission-regulation-eu-20181042)

2 Verordnung (EU) 965/2012 (https://www.lba.de/SharedDocs/Downloads/DE/B/Rechtsvorschriften/VO_965_2012.pdf)

3 Commission Implementing Regulation (EU) 2020/745 https://www.easa.europa.eu/document-library/regulations/commission-implementing-regulation-eu-2020745, abgerufen am: 16. Juli 2020

4 Abschlussbericht, Unfall am 24. März 2015 in Prads-Haute-Bléone (Alpes-de-Haute-Provence, Frankreich) mit einem Airbus A320-211 Kennzeichen D-AIPX betrieben von Germanwings; Bureau d’Enquêtes et d’Analyses pour la sécurité de l’aviation civile. 13. März 2016; abgerufen am: 14. Juli 2020

5 LuftVG §4a (https://www.gesetze-im-internet.de/luftvg/__4a.html)

6 Acceptable Means of Compliance (AMC) and Guidance Material (GM) to Annex II Authority requirements for air operations of Commission Regulation (EU) 965/2012 on air operations. Consolidated version including Issue 3, Amendment 9. 1 March 2019 (https://www.easa.europa.eu/sites/default/files/dfu/Consolidated%20AMC-GM_Annex%20II%20Part-ARO_March%202019.pdf), abgerufen am 14. Juli 2020.

7 Annex to draft decision AMC1 ARO.RAMP.106(a)(https://www.easa.europa.eu/sites/default/files/dfu/Draft%20AMC-GM%20to%20part%20ARO%20%28for%20information%20only%29.pdf)

8 Kapitel AMC1 ARO.RAMP.106 Alcohol testing, GENERAL — ALCOHOL TESTING METHODOLOGY, (b) 1

9 Kapitel AMC1 CAT.GEN.MPA.170(c) Psychoactive substances, OBJECTIVE, TRANSPARENT AND NON-DISCRIMINATORY TESTING PROCEDURE, (e) 3